Zerstörungen in der Unterwasserhöhle Vallgornera: Höhlentaucher beschuldigen sich gegenseitig
Der Verband der Höhlenforscher hat bei der Balearen-Regierung Anzeige gegen eine andere Vereinigung gestellt
Die großteils unter Wasser gelegene Höhle von Vallgornera an der Südküste von Mallorca ist eines der größten Höhlensysteme in Europa und noch nicht annähernd komplett erforscht. Darum kümmern sich vor allem die Mitglieder des balearischen Höhlenforscherverbandes FBE auf der einen Seite und der Vereinigung Societat Espeleològica Balear (SEB) auf der anderen Seite.
Doch die Gruppierungen sind sich nicht grün, seit im Jahr 2017 die zweite durch eine Abspaltung aus der ersten hervorgegangen ist. Nun ist der Kleinkrieg zwischen beiden eskaliert, die FBE hat die SEB offiziell beim Landwirtschaftsministerium der Balearen angezeigt und wirft den Mitgliedern der Gesellschaft vor, für "schwerwiegende Zerstörungen" in der Höhle verantwortlich zu sein. Die Schäden seien "irreparabel" heißt es in einem Schreiben ans Ministerium.

Ausschnitt aus dem Video über die Zerstörungen in der Höhle. / DM
Zugang erst einmal untersagt
Das Landwirtschaftsministerium hat bereits auf die Anzeige reagiert und beiden Vereinigungen den Zugang zur Höhle bis auf Weiteres untersagt. Die SEB hat bereits Einspruch gegen dieses Verbot eingelegt, um mit den Forschungsarbeiten fortfahren zu können.
Die Anzeige der FBE gegen die SEB beim Ministerium wurde vervollständigt durch ein Video, in dem zu sehen ist, wie im Inneren des Galeriensystems zahlreiche Gesteinsformationen zerstört auf dem Boden liegen.
Zerstörungen durch Transport von Material hervorgerufen?
Um die Forschungsarbeiten durchführen zu können, werden zahlreiche Helfer sowie verschiedenste Gegenstände benötigt. Die FBE vermutet nun, dass die SEB einen Zugang nutzte, um Taucher und Utensilien ins Innere der Höhle zu bringen, der dafür allerdings nicht gedacht ist, weil er zahlreiche empfindliche Formationen aufweist.
Mitglieder der FBE erfuhren von dem Manöver der SEB und wollten sich selbst ein Bild davon machen, ob der Transport der Forschungsutensilien und der Helfer ohne Zerstörungen vonstatten ging. Dabei, so die Version der FBE, sei man auf die zerstörten Stalagmiten und Stalagtiten gestoßen.

Ausschnitt aus dem Video über die Zerstörungen in der Höhle. / DM
"Rücksichtslos" vorgegangen
Die SEB sei "rücksichtslos" in die Höhle vorgedrungen. Dazu passe, dass sich die Vereinigung vom Verband abgespalten hatte, um nicht mehr die strengen Auflagen in Bezug auf das Erforschen der Höhle respektieren zu müssen.
Der Präsident der SBE, Xisco Gràcia, bestritt kategorisch alle Vorwürfe gegen seine Gesellschaft. "Uns war immer klar, dass die Erforschung und die Bewahrung der Höhlen oberste Priorität haben", sagte er. Die zerstörten Gesteinsformationen aus dem Video stammen seiner Meinung nach von den ersten Forschungseinsätzen sowie vor allem von Urlaubern, die bis 2016 noch in die Höhle tauchen durften.
Zehntausende Quadratmeter Höhle
Das Höhlensystem von Vallgornera umfasst mehr als 65.000 Quadratmeter Hohlräume unter der Erde sowie 10.000 Quadratmeter unterirdische Seen. Anders als die bekannten Besucherhöhlen Coves del Drach (Portocristo), Coves d'Artà (Canyamel), Coves de Gènova (Palma), Coves de Campanet und Coves dels Hams (Portocristo) sind die Coves des Pas de Vallgornera nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Eintritt ist nur für wissenschaftliche Zwecke und mit Genehmigung möglich.
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