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"Habe mich im Meer gewaschen": Mallorca-Residenten in drei Gemeinden berichten von ihrem Leben ohne Wasser

Die Trockenheit auf der Insel trifft die Dörfer der Tramuntana besonders hart. Wie die Einwohner von Banyalbufar, Esporles und Bunyola mit den scharfen Restriktionen aufgrund der Wasserknappheit zurechtkommen

in Banyalbufar, bei dem der Griff entfernt wurde, um kein Wasser zu verschwenden.

in Banyalbufar, bei dem der Griff entfernt wurde, um kein Wasser zu verschwenden. / Pere Morell

Oft weiß man erst wirklich zu schätzen, was man hat, wenn man es verliert. Da auf Mallorca die Sonne ohne Unterlass scheint und es einfach nicht regnen will, müssen viele Inselbewohner derzeit auf die harte Tour lernen, ohne Wasser auszukommen.

Denn die Serra de Tramuntana ist völlig ausgetrocknet, und die Dörfer mussten verschiedene Maßnahmen ergreifen, um die Lage ihrer bedrohlich leeren Wasserspeicher in den Griff zu bekommen. Am radikalsten waren dabei Banyalbufar und Esporles: Sie haben aufgrund der schweren Dürre den Bewohnern zu bestimmten Tageszeiten das Wasser abgedreht. Wie arrangieren sich die Menschen dort und in anderen betroffenen Orten mit der schwierigen Situation?

17 Stunde ohne Wasser in Banyalbufar

"Ohne Wasser ist alles ein bisschen schwieriger, aber man ist gezwungen, sich daran zu gewöhnen", erklärt Mariona Salvà, eine Einwohnerin von Banyalbufar. Die Gemeinde musste die Wasserversorgung zeitweise für 17 Stunden am Tag, von 23 bis 16 Uhr, kappen. "Wenn man abends arbeitet, ist das eine Zumutung, wir haben Karaffen und Flaschen aufgefüllt und uns sogar im Meer gewaschen", sagt Salvà.

Joan Vives, der amtierende Bürgermeister von Banyalbufar, erklärt, dass die Wasserspeicher leer seien. Man habe versucht, einen Brunnen anzulegen, um die Dürre zu bekämpfen, jedoch erfolglos. "Seit Mai kommen LKWs aus Palma, um uns Wasser zu bringen. Die Einschränkungen haben die gesamte Gemeinde betroffen, die an das Netz angeschlossen ist", sagt Vives. "Das Leben ohne Wasser ist eine Qual, aber zum Glück werden wir immer rechtzeitig vorgewarnt, und die Menschen haben gelernt, damit ohne Probleme zurechtzukommen", resümiert Mariona Salvà.

Trockene Gärten und Pools in Esporles

Esporles hat in der Nacht von Donnerstag (1.8.) auf Freitag die Wasserversorgung in mehreren Straßen der Gemeinde unterbrochen. Zuvor war die Versorgung bereits in den Wohnsiedlungen Ses Rotgetes de Canet und Jardín de Flores eingestellt worden. "Sie haben uns fünf Tage lang das Wasser abgestellt. Sie drehen uns den Hahn zu, aber nicht den Hotels, das ist eine Schande", sagt Antònia, eine Bewohnerin von Ses Rotgetes. "Wenn man den Pool auffüllt, wird man mit einem Bußgeld belegt", erklärt Alejandro Amador, ein anderer Nachbar. Er halte das aber für richtig. "Es ist sehr bedenklich, dass sie einem sagen, es gäbe kein Wasser und man dürfe den Pool nicht auffüllen", sagt Amador.

Der dortige Bürgermeister Josep Ferrà erklärt, dass in den Siedlungen ein sehr hoher Anstieg des Wasserverbrauchs festgestellt wurde und deshalb Maßnahmen ergriffen werden mussten. "Wenn der Verbrauch nicht sinkt, können wir die Beschränkungen erst aufheben, wenn es regnet und die Brunnen sich wieder füllen", sagt er. Das Rathaus hat bereits gewarnt, dass in den kommenden Tagen erneut das Wasser abgestellt werden könnte.

Wie die meisten Dörfer mit Wasserknappheit setzt Esporles verschiedene Mittel ein, um den privaten Wasserverbrauch einzuschränken: So ist es neben dem Befüllen von Pools auch verboten, Gärten zu bewässern oder Autos zu waschen. "Wir haben einen Garten bei unserem Haus, und der muss jeden Tag bewässert werden", erklärt Júlia Margarit, eine Einwohnerin von Esporles. "Da das verboten wurde, mussten wir Wasser aus dem Wäschetrockner benutzen."

Zwei Wochen ohne Wasser in Bunyola: "Surreal, was hier passiert"

Auch die Einwohner des Dorfes Bunyola müssen mit ständigen Wasserausfällen in ihrer Gemeinde leben, allerdings aus einem anderen Grund als der Dürre. "Wir haben viele Rohrbrüche in den Hauptleitungen, sie sind veraltet", erklärt Joan Toni Riera, der Bürgermeister von Bunyola. "Wir tauschen die Leitungen in der Stadt aus, um die Wasserversorgung der Dorfbewohner zu verbessern", versichert er. Doch diese Maßnahme führe zu Wasserausfällen in einigen Häusern des Dorfes. "Ich habe einen ganzen Monat lang im Sportzentrum geduscht", erklärt Pau Suau. Seine Klagen richten sich direkt ans Rathaus: "Das Schwimmbad des Sportzentrums wurde bis zu dreimal gefüllt. Es gibt kein Wasser für die Einwohner, aber es gibt Wasser für das Schwimmbecken", kritisiert Suau.

Die Bauarbeiten zur Reparatur der Rohre in Bunyola haben die Hauptstraße lahmgelegt.

Die Bauarbeiten zur Reparatur der Rohre in Bunyola haben die Hauptstraße lahmgelegt. / Pere Morell

Für viele Familien im Dorf ist es ein Problem, dass die Gemeindeverwaltung die Bewohner nicht rechtzeitig informiert, wenn das Wasser abgestellt wird. "Manchmal haben sie uns Bescheid gegeben, manchmal nicht, und neulich haben sie uns erst anderthalb Stunden vor dem Abstellen des Wassers wegen der Bauarbeiten informiert", sagt eine Frau aus dem Ort. "Wir wohnen an der Hauptstraße, und sie haben uns das Wasser abgestellt, ohne etwas zu sagen. Meine Schwester kam um 20 Uhr von einem Lauf zurück und als sie duschen wollte, stellten wir fest, dass wir kein Wasser hatten", erklärt Miquel Ballester. "Sie musste dann zur UIB gehen, um zu duschen", sagt er. "Einige abgelegenere Häuser haben zwei Wochen oder länger kein Wasser zu Hause. Es ist surreal, was hier gerade passiert."

Was Ballester berichtet, erlebte Marga Sastre am eigenen Leib. Sie wohnt am Ortsrand von Bunyola und berichtet: "Sie haben uns das Wasser abgestellt, weil sie meinten, wir würden in den Außenbezirken zu viel verbrauchen." Sie habe zwar einen Swimmingpool, aber noch nie in ihrem Leben das Wasser gewechselt. Man solle den Menschen, die in der Peripherie leben, nicht die Schuld geben, sagt sie. "Es ist verrückt, zwei Wochen ohne Wasser auszukommen, ich musste mit dem Wasser aus dem Schwimmbad duschen und bin mit dem ganzen Salzwasser an der Haut zur Arbeit gegangen." Am Ende habe das Rathaus den "Schuldigen" entdeckt: ein altes Rohr, das 20.000 Liter Wasser pro Stunde verlor. "Aber bis heute hat sich niemand bei uns entschuldigt, es ist eine Schande", klagt Sastre.

Kritische Situation auch in Deià und Estellencs

Die Gemeinden Deià und Estellencs mussten der Bevölkerung zwar noch nicht das Wasser abstellen, sie befinden sich aber in einer "kritischen Situation". "Bis jetzt haben wir die Wasserversorgung der Bevölkerung nicht unterbrochen, aber es ist nicht auszuschließen, da kein Wasser mehr aus den Quellen kommt und jetzt im Sommer immer mehr Menschen den Ort besuchen", erklärt Alexandre Moragues, Stadtrat von Estellencs. Er versichert, dass man bereits Maßnahmen für den kommenden Sommer ergreife und mit dem Bau eines Brunnens begonnen habe, auch wenn bis jetzt noch kein Wasser gefunden worden sei. Moragues betont, dass das Hauptziel darin bestehe, die Bevölkerung zu sensibilisieren, die "sehr gut" auf die Situation reagiere.

In Deià wird seit einem Monat Wasser per Lastwagen aus Palma angeliefert. Bürgermeister Lluís Apesteguia erklärt, dass die Ausgaben das dafür vorhandene Budget bereits um 20 Prozent überschritten hätten. Die Gemeindeverwaltung versichert jedoch, dass die Wasserversorgung für den menschlichen Verzehr und die Hygiene "zu jeder Zeit gewährleistet" sei. Ein Einwohner des Dorfes erklärt, dass sie ohnehin stets auf ihren Wasserverbrauch achten müssten. Die Situation stelle also keine große Veränderung für das alltägliche Leben dar. /bro

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