Kampf gegen Buggys und Quads: Wie das Umweltministerium einen Deutschen auf Mallorca zum Sündenbock macht
Ein deutscher Anbieter von Ausflügen mit dem Jeep wird vom balearischen Umweltministerium abgestraft. Zu Unrecht, wie er argumentieren kann. Doch die Behörden lassen nicht mit sich reden. Man sei in der Vergangenheit zu nachsichtig gewesen

Ole Haarstrick verleiht seit 25 Jahren Jeeps. Auf geführte Touren verzichtet er inzwischen komplett. | FOTO: PRIVAT
Geländewagen sind ein weiteres Reizwort in Mallorcas Overtourism-Debatte. Besonders im Inselosten haben viele Anwohner die Nase voll von Buggys, Quads und ähnlichen Gefährten, die Lärm machen. Das ging zuletzt gar so weit, dass zwei Männer einem Buggyfahrer drohten, ihn mit einem Maschinengewehr zu erschießen. Mit Manacor, Andratx und Felanitx entschlossen sich schon drei Gemeinden dazu, die Geländewagen abseits asphaltierter Straßen zu verbieten. Auch das Umweltministerium will nun heftiger durchgreifen und pickte sich dabei auch einen deutschen Anbieter heraus, der sich nun als Bauernopfer sieht.
Seit 25 Jahren lebt Ole Haarstrick auf Mallorca. „Ich habe mich immer an alle Regeln gehalten und bin in die Inselgesellschaft integriert. Nie gab es Ärger“, so der Hamburger. Bis vor einem Jahr. Der Deutsche betreibt in Cala Millor den Autoverleih Wrangler Jeep Safari und den Touranbieter Fun Island. „Zum Beispiel bieten wir Inselrundfahrten mit dem Bus an. Wir vermieten aber auch E-Bikes.“
Fast ausschließlich über asphaltierte Straßen
Auf seiner Firmenwebsite sieht man, wie Urlauber mit dem Jeep durch die Landschaft brettern. Das sei ein wenig übertrieben, so Haarstrick. „Bei McDonald’s sieht der Cheeseburger in der Werbung auch besser als im wahren Leben aus.“ So führt die Halbtagstour von Cala Millor über Canyamel, Artà bis Cala Ratjada ausschließlich über asphaltierte Straßen. Nur bei der Ganztagstour war ein kurzes Stück über Stock und Stein dabei. „Mittags kehren wir bei der Ranch in Can Picafort ein. Die lassen uns auf ihrem Privatgrundstück ein wenig über Felder fahren“, sagt Haarstrick.

So sieht die Jeep-Tour auf der Website aus. In Wirklichkeit geht es nur über ein Feld. / Wrangler Jeep Safari
Zu dem aktuellen Problem kam es an der Cala Mitjana. Im vergangenen Jahr beschränkte das Umweltministerium die Zufahrt zu der Bucht sowie zu den Nachbarstränden Cala Torta und Cala Estreta. Geführte Touren waren fortan verboten. Seit vergangenem April ist die Einfahrt für alle motorisierten Fahrzeuge – mit Ausnahme des Rettungsdienstes – untersagt. Als Gründe führte das Ministerium den schlechten Zustand des Weges an. Autos verlören durch die Schlaglöcher Öl und wichen in unbefestigtes Gelände aus. Die Waldbrandgefahr sei hoch.
Ärger mit dem Förster
Am 1 1. Juli 2023 machte sich eine neunköpfige Urlaubergruppe mit vier Jeeps auf eigene Faust in die Cala Mitjana auf. Ohne Guide, die Zufahrt war also zu dem Zeitpunkt noch erlaubt. „Ein Förster hielt sie an und meinte, sie dürfen dort nicht fahren“, sagt Haarstrick, der von seinen Kunden dazugerufen wurde. Auch die Ortspolizei kam. „Die prüfte die Papiere und meinte, alles sei in Ordnung. Damit gab sich der Förster nicht zufrieden und holte die Guardia Civil.“ Auch die kontrollierte noch mal und stellte fest, dass kein Verstoß vorliegt. In den folgenden Wochen wiederholte sich das Spiel. „Immer wieder beschwerten sich die Kunden bei mir, dass sie von einem Männlein in grünem Outfit angehalten wurden.“
Plötzlich 25.000 Euro Bußgeld
Der Deutsche dachte sich wenig dabei, bis dann im Februar Post vom Umweltministerium kam. Für 13 angeblich unerlaubte Einfahrten an der Cala Mitjana soll Haarstrick nun 25.000 Euro Geldbuße bezahlen. „Wenn ich mich schuldig bekenne, sinkt die Strafe auf 15.000 Euro“, sagt der Hamburger.
Er versucht nun verzweifelt, seine Unschuld zu beweisen. Von den 13 Fällen sind zehn auf Urlauber zurückzuführen, drei Mal war er selbst oder ein Mitarbeiter privat unterwegs. „Einer der vier Förster hat mich auf dem Kieker“, ist sich der Autoverleiher sicher. „Elf der 13 Vorfälle hatte er dokumentiert.“ Einmal habe ihn der agente forestal angehalten und die Weiterfahrt verboten. „Ich habe ihn wegen Belästigung angezeigt.“
Die Beweise sind eigentlich klar
Haarstrick legte gegen das Knöllchen Beschwerde ein. Er schickte die Mietverträge, die die Urlauber für die Jeeps abgeschlossen hatten. „Auch wenn es Geländewagen sind, handelt es sich um ganz normale Autos. Die Fahrzeuge von anderen Autoverleihern standen massenhaft herum, und keiner hatte ein Problem damit“, so der Deutsche, der seine Kunden darüber hinaus auch eine Erklärung unterschreiben ließ, dass sie ohne Tourleiter unterwegs waren.
Das Umweltministerium lässt aber nicht mit sich reden. „Die Entscheidung ist rechtskräftig“, so ein Sprecher auf MZ-Anfrage. In einer Pressemitteilung wird Umweltminister Joan Simonet zitiert, der in dem Knöllchen ein Zeichen sieht, „dass Umweltsünder nicht ungestraft davon kommen“. In der vergangenen Legislaturperiode seien 4.000 Bußgelder – 75 Prozent aller Strafen – wegen zu langsamer Arbeit der Beamten verjährt. Damit sei nun Schluss. In dem Sinn ist die Strafe gegen den Deutschen als Exempel zu sehen.
„Ich werde in einen Hut mit den Buggys geworfen, die ich selber doof finde“, sagt Haarstrick und hinterfragt die Höhe der Strafe angesichts anderer Vorfälle. In der vergangenen Woche hielt die Ortspolizei Manacor 18 Buggys an, die durch Son Macià fuhren, was komplett verboten ist. Die Strafe belief sich auf lediglich 500 Euro. „Zur Not ziehe ich bis zum Gerichtshof nach Brüssel“, so der Deutsche.
Abonnieren, um zu lesen
- Wegen des Iran-Kriegs: Plötzlich sind Immobilien auf Mallorca für Investoren aus Dubai interessant
- Rekord gebrochen: Nie hat es so viel am Flughafen Mallorca geregnet wie diesen Winter
- Wetter auf Mallorca: Sturmtief sorgt für Schnee, Hagel und Kälteeinbruch am Wochenende
- Langzeitprognose: So soll das Wetter im Frühling 2026 auf Mallorca werden
- Flughafen-Bus schlagartig 2 Euro billiger: Palma senkt den Fahrtpreis für Mallorca-Urlauber kräftig
- Wie viel es kostet, auf Mallorca eine Bar oder ein Restaurant zu eröffnen - und welche Fallen lauern
- Vergabe-Krimi auf Mallorca beendet: Die Playa de Palma hat einen neuen Betreiber
- Mallorcas MotoGP-Held Jorge Lorenzo über seinen neuen Job: 'Lange Zeit hatte ich selbst Zweifel
