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Warum der grüne Wasserstoff auf Mallorca der Erdgas-Pipeline beigemischt wird

Die Fabrik in Lloseta hat nach Anlaufschwierigkeiten den Betrieb aufgenommen und soll zur Energiewende auf der Insel beitragen

Ein zweites Mal großer Bahnhof: Vertreter der Unternehmen und der Landesregierung bei der Einweihung der Wasserstoff-Anlage.  | FOTO: DM

Ein zweites Mal großer Bahnhof: Vertreter der Unternehmen und der Landesregierung bei der Einweihung der Wasserstoff-Anlage. | FOTO: DM

Frank Feldmeier

Frank Feldmeier

Offiziell eingeweiht war die Anlage eigentlich schon. Aber nachdem die Wasserstoff-Fabrik von Lloseta nach technischen Anlaufschwierigkeiten erst jetzt richtig in Betrieb geht, hat sie die konservative Landesregierung vergangene Woche ein zweites Mal vorgeführt, anderthalb Jahre, nachdem dies bereits die linke Vorgängerregierung getan hatte. Die vollmundige Beschwörung der Energiewende auf den Balearen – Ministerpräsidentin Marga Prohens sprach von einer „Pionierleistung“ und den Inseln als „Innovationsvorbild“ – steht allerdings im Kontrast zur geringen Produktion: Gerade einmal einen Anteil von zwei Prozent macht der grüne Wasserstoff in dem Gemisch aus, das ab sofort in den Erdgas-Pipelines auf Mallorca transportiert wird.

Im vergangenen Jahr noch hatten die Konservativen den Linken einen Öko-Bluff vorgeworfen, weil die Anlage nicht in Betrieb gegangen war. Schuld war ein technischer Fehler in der zentralen Elektrolyse-Einheit, mit deren Hilfe Wasser in Wasserstoff- und Sauerstoff-Atome aufgespalten wird. Der Hersteller der Anlage, Accelera, hatte in zwölf Fabriken dieser Art weltweit dieselben Probleme.

Transport über Pipeline

Seit Ende vergangener Woche nun ist die Anlage auf dem Gelände des früheren Zementwerks von Lloseta offiziell in Betrieb. Die Energie liefern zwei Solarparks, deswegen darf der Wasserstoff als grün bezeichnet werden. Von Lloseta wird er zunächst per Lkw zu den Garagen der Stadtbusse von Palmas Verkehrsbetrieben EMT transportiert, gelegen zwischen Einkaufszentrum FAN und Manacor-Schnellstraße. So kann zum einen eine kleine Flotte von fünf Wasserstoff-Bussen betankt werden. Zum anderen beginnt hier eine 3,2 Kilometer lange Wasserstoff-Pipeline bis zum Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk Cas Tresorer, wo der Wasserstoff mit Erdgas gemischt wird. Über die bereits bestehende, rund 1.400 Kilometer lange Pipeline werden dann laut den Betreibern mehr als 115.000 Haushalte sowie 2.000 Großabnehmer wie etwa Industriebetriebe versorgt, aber auch ein Hotel der Kette Iberostar an der Playa de Palma. Das Energieunternehmen Redexis beziffert die Menge an Kohlendioxid-Emissionen, die jährlich vermieden würden, mit rund 4.000 Tonnen.

Die Wasserstoff-Pipeline.

Die Wasserstoff-Pipeline. / Manu Mielniezuk

Kritik an Beimischung

Das sei angesichts des Potenzials von grünem Wasserstoff und der EU-Subventionen für die Fabrik eine geringe Ausbeute, kritisiert die Energieexpertin Sarah Oppenheimer in einem Beitrag im „Diario de Mallorca“. Den Wasserstoff dem Erdgas beizumischen sei so, als ob man einen guten Wein mit Coca-Cola vermenge. Der grüne Wasserstoff werde dringender in anderen Bereichen wie der chemischen Industrie benötigt, wo bislang konventioneller Wasserstoff zum Einsatz komme. Also ein Fall von Greenwashing für die Gasbranche?

"Besser als gar nichts"

Nein, widerspricht Bernd Brörmann, Sachverständiger für Gasanwendungen, „besser so als gar nicht“. Die Kritik von Oppenheimer sei sehr „theoretisch“. In Deutschland seien bereits vor zehn Jahren begonnene Pilotprojekte zur Beimischung bis zu einem Anteil von 30 Prozent erfolgreich abgeschlossen worden. Für einen höheren Anteil seien die Pipelines nicht ausgelegt, da der Wasserstoff deren Bauteile aus Metall angreifen würde. Brörmann, der seit Jahren mit einem von Bio-Methan, Sonne und Wasserstoff angetriebenen Wohnmobil ganz Europa bereist und damit auch auf die Insel kommt, kritisiert vielmehr den geringen Anteil von nur zwei Prozent.

Doch dieser Anteil soll langfristig auf bis zu 20 Prozent gesteigert werden, verspricht der Konzern Redexis – dann, wenn die Produktionskapazität in Lloseta von 300 Tonnen pro Jahr ausgeschöpft werde. Zudem hat das Projekt durchaus Pioniercharakter. So ist die Anlage bei Cas Tresorer die erste ihrer Art in Spanien, heißt es bei Redexis.

Weiteres Projekt bei Llucmajor

Dass die weitere Energiewende holprig wird, zeigt allerdings auch die Kritik von Umweltschützern an den Plänen für eine weitere Fabrik im Gebiet der Marina de Llucmajor, die grünen Wasserstoff und grünen Ammoniak im großen Stil erzeugen soll. Das Projekt sei ein schwerer Schlag für den Landschaftsschutz und die Biodiversität in dem wenig besiedelten Gebiet.

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