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Das Wetterparadoxon auf Mallorca: gleichzeitig zu viel und zu wenig Regen

Anfang der Woche gehen Sturzfluten über dem Inselosten hernieder. Im Westen dagegen fehlt Wasser für die Stauseen, die weiterhin einen kritischen Pegelstand aufweisen

Der Stausee Gorg Blau in der Serra de Tramuntana bot am 24. Oktober ein besorgniserregendes Bild.

Der Stausee Gorg Blau in der Serra de Tramuntana bot am 24. Oktober ein besorgniserregendes Bild. / Albert Ambros

Wetterextreme im Mittelmeerraum: Einerseits herrscht seit Monaten Trockenheit, die Pegel der Stauseen im Tramuntana-Gebirge sind besorgniserregend niedrig. Andererseits haben folgenschwere Unwetter mit Wolkenbrüchen den Südosten des Festlandes heimgesucht, und auch auf Mallorca prasselten in der Nacht auf Montag (28.10.) Wassermassen nieder, vor allem im Inselosten. Das Unwetter sorgte dabei an gleich drei Messstationen der Insel für Regenrekorde.

Am heftigsten schüttete es auf Mallorca am Sportzentrum in Manacor. Hier werden seit 2009 die Regenmengen aufgezeichnet. Noch nie waren 174 Liter pro Quadratmeter wie in dieser Nacht gefallen. Auch an der Einsiedelei Ermita de La Mare de Déu del Roser in Manacor gab es einen Rekord. Hier kamen 120,7 Liter Regen pro Quadratmeter vom Himmel. Der dritte Rekord wurde in Campos gemessen, wo die Regenmengen seit 1990 aufgezeichnet werden. Hier fielen 101,4 Liter pro Quadratmeter.

Kleiner Sturzbach in Porto Cristo wird zu reißendem Strom

Mehrere Menschen mussten aus Autos gerettet werden, die von Wassermassen eingeschlossen worden waren. Der Sturzbach Torrent de Llebrona in Porto Cristo, der normalerweise kaum oder gar kein Wasser führt, verwandelte sich in einen reißenden Strom und spülte Autos, Tische und Stühle der Cafés und Restaurants und schließlich auch kleinere Boote ins Meer.

Nach den heftigen Regenfällen in der Nacht: Hochwasser in Porto Cristo

Der Sturzbach in Porto Cristo riss auf seinem Weg zum Meer alles mit, was sich ihm in den Weg stellte. / DM

Insgesamt zählten die Rettungskräfte auf Mallorca mehr als 400 Einsätze. Nur zwei Tage zuvor hatte es in Teilen der Insel bereits heftig geschüttet, allerdings ohne derartige Folgen wie in Porto Cristo.

Pegelstände fast unverändert

Das Paradoxe: An der Wasserknappheit auf der Insel hat sich wenig geändert. Die Stadtwerke von Palma, Emaya, die für die beiden Stauseen im Gebirge zuständig sind, teilten kurz nach dem Unwetter am Montag mit, dass die Pegelstände gerade einmal von 25,86 auf 27,33 Prozent gestiegen sind.

Der Gorg Blau verbesserte seinen Pegel von 22,16 auf 25,26 Prozent. Verschlechtert hat sich dagegen sogar die Lage im Cúber, wo in den Stunden nach den starken Regenfällen ein Pegel von 30,61 Prozent gemessen wurde. Eine Woche zuvor waren es noch 31,74 Prozent.

Zu wenig Niederschlag im Gebirge

Die Stauseen machen üblicherweise rund ein Viertel der Trinkwasserversorgung von Palma aus. Die Niederschläge fielen im Gebiet der Stauseen deutlich weniger stark als etwa in der Region um Manacor. Die Messstation in Escorca, die Gemeinde, in der Cúber und Gorg Blau liegen, verzeichnete lediglich 33,4 Liter pro Quadratmeter in der Nacht auf Montag und immerhin 41 Liter pro Quadratmeter am Samstag zuvor.

Die kritische Situation der Wasserreserven wird deutlich, wenn man die Pegelstände mit Ende Oktober des vergangenen Jahres vergleicht. Am 30. Oktober 2023 waren die beiden Stauseen im Durchschnitt zu 37,35 Prozent gefüllt und damit ziemlich genau zehn Prozentpunkte mehr als im Moment.

Palma mit Präventionsplan

Die Stadtverwaltung von Palma hatte vergangene Woche (23.10.) einen Präventionsplan wegen drohender Wasserknappheit aktiviert. In einer ersten Phase soll an den verantwortungsvollen Umgang mit dem Wasser appelliert werden, bei Bürgern und Betrieben gleichermaßen.

Sollte es aber nicht bald ausreichend regnen, sind auch Restriktionen beim Verbrauch vorgesehen. Derzeit sei die Versorgung der gesamten Bevölkerung weiterhin gewährleistet, sagte eine Sprecherin von Emaya, „aber es ist notwendig, vorbereitet zu sein“. Man müsse der Bevölkerung klarmachen, dass Wasser ein knappes Gut sei.

Am Donnerstag (24.10.) nahm eine Kommission ihre Arbeit auf, die eine Kommunikationsstrategie zum Wassersparen erarbeitet. Diese solle auch die Mallorca-Urlauber miteinbeziehen. Auch Maßnahmen zum Wassersparen in den kommunalen Behörden sowie öffentlichen Einrichtungen sind vorgesehen.

Wasser auch Thema im Parlament

Im Balearen-Parlament war die Wasserknappheit auf den Inseln am Dienstag (29.10.) ebenfalls Thema. Der Minister des neuen Ministeriums für den Wasserkreislauf und das Meer, Juan Manuel Lafuente, antwortete auf eine Frage der Vox-Abgeordneten Patricia de las Heras in Bezug auf den Zustand der Wasserressourcen auf den Inseln, dass die Balearen-Regierung gemeinsam mit den Gemeindeverwaltungen daran arbeitet, die Lecks in den Wasserleitungen zu reduzieren. Außerdem sei die Entsalzungsanlage in Palmas Osten bei 100 Prozent Auslastung angelangt.

Lafuente räumte ein, dass die Stauseen in einer „sehr schwierigen Situation“ seien. Unterbrechungen der Trinkwasserversorgung, wie etwa in Esporles oder Banyalbufar, seien auch weiterhin nicht auszuschließen.

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