Unterwegs mit den Waldarbeitern: Was wirklich gegen schwere Waldbrände hilft
Seit 2013 gab es auf der Insel nur wenige schwere Waldbrände. Das liegt auch am Einsatz der Forstbehörde. Ein Tag mit den Arbeitern von Ibanat

Weg mit dem Futter fürs Feuer: Die gerodeten Bäume und Büsche werden klein gehäckselt. / Frank Feldmeier
Das Becken war schon mal mehr gefüllt. Oberhalb der Wasseroberfläche zeichnet sich an den Innenwänden des safareig eine Linie ab, darüber wächst Strauchwerk zwischen den Mauerritzen hervor. Dabei hat es in den vergangenen Wochen ausreichend geregnet. „Das Becken ist undicht“, meint Toni Pons, während er auf der Außenmauer entlanggeht. Das erklärt auch, warum das Wasser den nahe gelegenen Zufahrtsweg unterspült hat.
Der safareig im Tal von Coanegra bei Santa Maria diente früher der Landwirtschaft, heute unterhält der Eigentümer ein Abkommen mit der balearischen Forstbehörde Ibanat. Sie nutzt das Becken im Kampf gegen Waldbrände. Löschhubschrauber können hier Wasser aufnehmen. Im Gegenzug kümmern sich die Mitarbeiter um die Wartung der Anlage auf dem schwer zugänglichen Gelände. Jetzt stehe eine Reparatur an, sagt Pons.

Am Safareig. / Frank Feldmeier
Die zwei Gesichter der Brandbekämpfung
Waldbrandbekämpfung auf Mallorca hat viele Gesichter. Es gibt die spektakulären Bilder vom Kampf gegen die Flammen wie vergangenes Wochenende bei Andratx, wo ein Feuer 70 Hektar zerstörte. Und es gibt die Prävention, vor allem im Winterhalbjahr. Dabei geht es um Wasserdepots, Zufahrtswege oder die Anlage von Brandschneisen im Wald.
Es sei keinesfalls Zufall oder Glück, dass die Insel seit dem großen Feuer von Andratx 2013 und letztlich auch im Dezember glimpflich davongekommen sei, so der Mallorquiner, der beim Ibanat – die Abkürzung steht für Institut Balear de la Natura – die Umsetzung der Präventionsarbeiten organisiert. Die Behörde der balearischen Landesregierung, in deren Zuständigkeit neben der Forstwirtschaft auch der Erhalt von Naturschutzgebieten, öffentlichen Landgütern, Schutzhütten oder Campingplätzen fällt, hat insgesamt mehr als 500 Mitarbeiter. Allein von Ibanat stehen auf Mallorca während der Waldbrandsaison im Sommerhalbjahr 87 Einsatzkräfte bereit, in der Prävention sind derzeit 57 Männer und Frauen im Einsatz. Um was sie sich von Oktober bis Mai kümmern, hat sich die MZ vor Ort angeschaut.

Alarm in der Nacht: Waldbrand in der Gemeinde Andratx / Eckbert Waldleben
Wo ist hier die Brandschneise?
Erste Station, das Gebiet Son Olivar bei Santa Maria. Der Dienstwagen von Pons holpert über einen unebenen Waldweg, der das Fahrzeug auch bei Schrittgeschwindigkeit durchschüttelt. Dass der Weg gleichzeitig eine Brandschneise markiert, ist für Laien nicht zu erkennen. Denn auch wenn diese faixa rund 50 Meter breit ist, wird die Vegetation nicht vollständig gerodet, sondern nur ausgedünnt. Vor allem Buschwerk und die schnell wachsenden wie auch schnell brennenden Aleppo-Kiefern müssen weichen. „Wir betreiben Brandschutz, aber auch Landschaftsschutz“, erklärt Pons.
Einzelne Bäume bleiben stehen, etwa die schwer entflammbaren Steineichen. Dass die Brandschneise nicht weiter ins Auge fällt, liegt auch daran, dass natürliche Brandbarrieren einbezogen werden, Anbauflächen beispielsweise oder das Flussbett eines Sturzbachs. Dennoch haben die drei Arbeiter in Schutzkleidung, die gerade die Brandschneise in Schuss bringen, alle Hände voll zu tun, um das nachgewachsene Unterholz zu entfernen. Mit Forstfreischneidern in den Händen, die einen ähnlichen Krach machen wie Rasentrimmer, bahnen sie sich am Hang einen Weg zwischen den Bäumen hindurch. Es wächst eben eine Menge nach im Lauf von vier Jahren, dem Rhythmus, in dem die einmal angelegten Brandschneisen regelmäßig nachgearbeitet werden müssen. Allein die faixa von Son Olivar macht eine Fläche von mehr als sieben Hektar aus.
Auch hier handelt es sich um Privatbesitz, aber die Eigentümer sind froh, wenn sich jemand um die Bäume auf ihrem Grund kümmert. Holzwirtschaft ist auf Mallorca ein unrentables Geschäft. Was nicht die Ibanat-Arbeiter aus dem Wald holen, bleibt stehen oder liegen und ist Futter für Waldbrände, eine von Jahr zu Jahr wachsende Gefahr. Die zunehmende Trockenheit sorgt darüber hinaus dafür, dass die Waldbrandsaison in der Praxis immer länger dauert: Zunehmend brechen Feuer in der Nebensaison aus.
Die Forstbehörde wartet deswegen nicht nur die bestehenden Brandschneisen, sondern legt auch neue an – und da braucht es mehr als Freischneider. Wir fahren Richtung Bunyola, aber nicht über die Landstraße, sondern über Privatwege. Pons gibt an einem Metalltor einen PIN ein, um es zu öffnen. Das signalfarbene Gelb der Ibanat-Fahrzeuge ist nicht nur aus der Luft für die Löschflugzeuge gut auszumachen, sondern auch auf jeder für die Allgemeinheit abgeschotteten Finca gerne gesehen.
Zugewucherte Olivenhaine
Station zwei, ein Waldweg in der Nähe des Puig de s’Estremera. Hier wird eine Brandschneise neu angelegt. Das ist eigentlich ein Job für eine ganze Brigade, bestehend aus fünf Forstarbeitern, heute aber sind Biel und Joan allein zugange. Auf dem Weg steht ein Kranwagen mit Greifarm, der das gerodete Holz in den Trichter eines Häckslers hievt. Fällen, roden, säubern –die Arbeit besteht aus mehreren Etappen und kommt deswegen nur langsam voran, erklären die beiden Mallorquiner, nachdem sie die Maschinen kurz gestoppt haben.

Weg mit dem Futter fürs Feuer: Die gerodeten Bäume und Büsche werden klein gehäckselt. / Frank Feldmeier
Es riecht holzig nach frisch gefällten Bäumen, Stämme sind am Wegesrand gestapelt. Dort, wo der Wald bereits gelichtet wurde, zeigt sich: Eigentlich war hier einmal ein Olivenhain, den die Kiefern dann aber im Laufe der Jahrzehnte überwuchert haben. Pons deutet auf die sorgfältig angelegten Terrassen, die wieder sichtbar werden. „Früher hat man jeden Quadratmeter bewirtschaftet, heute lohnt sich das nicht mehr.“ Solche Anbaugebiete waren ein natürlicher Brandschutz. Futter fürs Feuer liefern neben dem Wildwuchs aber auch bei Stürmen umgestürzte Bäume, die liegen bleiben – die Spuren von Juliette, die Anfang 2023 in Mallorcas Wäldern wütete, sind links und rechts des Weges noch immer zu sehen. Hier liegt noch Arbeit für viele Monate im Wald.
Die Investition in die Brandschneisen lohnt sich jedoch. Sie haben in der Vergangenheit mehrfach verhindert, dass Brände außer Kontrolle geraten, etwa in der Comuna de Bunyola im März 2012 oder auf dem Landgut s’Alqueria Vella im Parc de Llevant im Jahr 2005.
Ein Feuer stoppen, bevor es sich ausbreiten kann – dieser Grundsatz dürfte das Erfolgsrezept der vergangenen Jahre sein. Neben den Präventionsmaßnahmen gehört dazu auch, bei kleineren Bränden sofort mit allen verfügbaren Mitteln einzugreifen, also beispielsweise auch mit Löschflugzeugen von den Nachbarinseln. „Das ist die Lehre aus dem Brand von Andratx von 2013“, sagt Pons. Entscheidend sei, das nötige Löschgerät jederzeit vor Ort zur Verfügung zu haben und nicht erst auf die Hilfe vom fernen Festland und von nicht ortskundigen Einsatzkräften angewiesen zu sein.
Mal abgesehen vom vergangenen Wochenende, als der starke Wind den Einsatz der Fluggeräte lange verhinderte, ging die Rechnung auf, gerade im Vergleich zu den Großbränden im restlichen Spanien – und auch, wenn im zu Ende gehenden Jahr großflächige Schilfbrände im Feuchtgebiet s’Albufera an der Nordküste auf den ersten Blick die Statistik verhagelt haben. Die 94 Feuer, die zwischen Januar und November auf den Balearen registriert worden sind, zerstörten zwar knapp 250 Hektar, davon aber nur knapp zwölf Hektar mit Baumbewuchs. Hinzu kommt der jetzige Brand von Andratx. Im Vorjahreszeitraum waren es 105 Brände mit einer zerstörten Fläche von 22 Hektar.
Freie Fahrt für Tanklöschfahrzeuge
Um bei Bränden schnell vor Ort sein zu können, müssen die Wege in Schuss sein, vor allem die zu den Löschwasserdepots. Darum kümmern sich heute zwei weitere Mitarbeiter auf dem Camí de sa Comuna, der in Serpentinen von Bunyola hoch bis zum Naherholungsgebiet Cas Garriguer führt, der dritten Station der heutigen Tour. Das Problem: Wenn die Abflussrinne am Weg nicht gesäubert ist, fließt der Starkregen über die nicht asphaltierte Fahrbahn und höhlt sie aus, sie wird für die Tanklöschfahrzeuge unpassierbar Ohnehin unterhält das Ibanat für die malträtierten Gefährte eigene Werkstätten an den Standorten des Fuhrparks, im Gewerbegebiet von Inca sowie in der früheren Kaserne Son Tous bei Palma.

Marta und Castor sorgen dafür, dass hier Tanklöschfahrzeuge passieren können. / Frank Feldmeier
Die Reparatur des Wegs ist Sache von Marta und Castor. Der Aushub der Abflussrinne liegt auf der Fahrbahn verstreut. Marta hackt ihn klein, Castor manövriert einen Bagger darüber. Dessen Schaufel presst Kies und Erde in die Schlaglöcher, glättet alles mit durchdringendem Quietschen. „Wenn es stark regnet, ist ein Teil der Arbeit wieder dahin“, meint Castor. Der Kampf gegen die Flammen im Sommer mag schnelle Reaktionsfähigkeit verlangen, im Winter ist er vor allem Sisyphusarbeit, dafür aber auch weitgehend plan- und vorhersehbar.

Toni Pons kontrolliert den Pegel in einem Löschwasserdepot im Gebiet der Comuna de Bunyola. / Frank Feldmeier
Zur Reaktionsfähigkeit gehört außerdem, dass die Tanklöschfahrzeuge im Brandfall schnell zu den Wasserdepots gelangen, um sie für die Löschhubschrauber aufzufüllen. Ein solches steht weiter oben am Weg, im Gegensatz zu den meisten anderen Löschwasserdepots auf Mallorca – inselweit gibt es 6 1 – verfügt es über eine Abdeckung. So kann es keinen Regen aufnehmen, ist aber vor Verdunstung geschützt. Der Ibanat-Koordinator löst das Schloss an einer Klappe und kontrolliert den Wasserstand – alles im grünen Bereich. Es gibt noch genügend andere Aufgaben, die bis zum Beginn der nächsten Waldbrandsaison bewältigt sein wollen.
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