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Fischzucht auf Mallorca: Von einer dunklen Halle an der Playa de Palma auf Ihren Teller

Bei Acuicultura Balear an der Playa de Palma werden jährlich 40 Millionen Jungfische gemästet, um danach in Zuchtanlagen an der Festlandküste gebracht zu werden

Sarah López

Sarah López

In der abgedunkelten Halle befinden sich vier runde Becken. Es ist still, nur das leise Plätschern des Wassers ist zu hören. Mit dem bloßem Auge sehen die Behälter leer aus – doch sobald eine Taschenlampe hineinstrahlt, werden Tausende winzige Fischlarven sichtbar, nicht größer als eine Nadel.

„In Spanien entfällt 50 Prozent der Fischbrut der Goldbrassen auf uns. Bei der Brut der Wolfsbarsche sind es sogar 85 Prozent“, sagt Alberto Morente, Leiter des Fischzuchtbetriebs Acuicultura Balear. Der Betrieb in Es Carnatge an der Playa de Palma liefert einen Großteil der Goldbrassen (doradas), Wolfsbarsche (lubinas) und Adlerfische (corvinas), die in Spanien über die Fischtheken gehen. Jährlich schwimmen 40 Millionen kleine Fische in den Becken, bis sie groß genug sind, um in Zuchtanlagen an der Festlandküste weiter aufgezogen zu werden.

Steuerung der Fortpflanzung: Jungfische schon im Frühjahr

„Die normale Fortpflanzungszeit der Fische ist meist im Dezember oder Januar“, erklärt Morente. Sein Team beginnt bereits im August mit dieser „Produktion von Jungfischen“. So kann schon im März die erste Fischbrut ins Meer gesetzt werden. Die Zuchtfische, also die Eltern, befinden sich in Becken, in denen Licht und Wassertemperatur reguliert werden kann, um das Laichverhalten auszulösen. „Wir verschieben ihren natürlichen Reproduktionszyklus einfach“, erklärt Morente. Schon am nächsten Morgen können dann die Eier eingesammelt werden. Die Fortpflanzung findet in dem Bereich mit der höchsten Biosicherheit statt, zu dem nur vier Personen Zutritt haben. „Für uns ist das der Kern des Geschäfts“, betont Morente.

Herausforderung der ersten Wochen

Die ersten 35 Tage sind entscheidend: Etwa 30 bis 40 Prozent der Larven überleben nicht. Die Fischlarven werden in runden Becken mit dämmrigen Licht gehalten und mit Zooplankton gefüttert – winzigen Organismen, die direkt in der Anlage gezüchtet werden.

Acuicultura Balear hat den Zuchtprozess kürzlich modernisiert, um neueste Technologien zu nutzen und den Bestand an Zuchttieren besser zu schützen. An diesem Freitag (28.3.) soll das neue Gebäude offiziell eingeweiht werden. Statt der bislang 40 Millionen sollen hier in Zukunft bis zu 100 Millionen Jungfische heranwachsen können.

So klein sind die Fische am Anfang des Züchtungsprozesses

So klein sind die Fische am Anfang des Züchtungsprozesses / Nele Bendgens

Der Weg ins offene Meer: Impfung und Ernährung der Jungfische

Für die überlebende Fischbrut geht es weiter in den nächsten Bereich der Anlage. Die Tiere werden zwei Mal in ihrem Leben geimpft: Zunächst nehmen sie den Impfstoff über das Wasser auf. Später, bei einem Gewicht von etwa zwölf Gramm, erhalten sie eine Injektion. Die Jungfische ernähren sich von Fischfutter, das aus Fischmehl, Fischöl, pflanzlichen Mehlen und Ölen besteht. Sobald sie 15 Gramm schwer und 15 Zentimeter lang sind, sind sie bereit für ihre Reise übers Mittelmeer zu den Zuchtstationen an der Festlandküste.

Mallorca als idealer Standort für die Zucht von Jungtieren

„Mallorca liegt geografisch ideal für die Zucht von Fischbrut“, erklärt Morente. Die Transportschiffe können von hier in ein bis zwei Tagen die spanischen Zuchtanlagen sowie weitere Kunden im Mittelmeerraum beliefern. Zudem sei die Wasserqualität auf Mallorca hervorragend, sagt Morente. Das Wasser für die Zuchtbecken stammt aus Meeresbrunnen auf dem Gelände, das direkt an der Küste liegt. Der Kalkarenit im Untergrund sei ein poröser Stein – ein natürlicher Filter. So leben die Fische in Wasser mit den gleichen Eigenschaften wie im Meer, aber rein und keimfrei.

Transport aufs Festland

Bei dem Transport werden 500.000 bis 600.000 Fische in Lastwagen geladen und zum Hafen gebracht. Dort kommen sie in einen 40 Meter langen Frachter, der mit zwei Becken versehen ist. Die Fische werden auf nüchternen Magen an Bord geladen, auch während der Fahrt gibt es kein Futter: „Es ist vorteilhaft, dass sie nicht gerade mit der Verdauung beschäftigt sind“, sagt Alberto Morente. Voller Magen und Stress seien nicht gut vereinbar. „Sie halten problemlos zwei Tage ohne Futter aus. Normalerweise erholen sie sich, sobald sie im Zuchtbereich im offenen Meer angekommen sind.“

Endlich im Meer

Die Fischzuchtanlagen liegen einige Seemeilen von der Küste entfernt. Die runden Netzkäfige haben einen Durchmesser von 80 bis 90 Metern, sind etwa 15 Meter tief und beherbergen rund 200.000 Fische. Hier wachsen die Tiere unter natürlichen Bedingungen auf mit Sonnenlicht, Strömungen und Wellen – nur mit dem Unterschied, dass sie nicht in die Unendlichkeit des Meeres entkommen können. Nach einem bis fünf Jahren Lebenszeit – abhängig davon, ob sie große Fischfilets abgeben sollen, haben die Goldbrassen und Wolfsbarsche ihr Lebensziel erreicht: groß und schmackhaft genug zu sein, um bei uns auf dem Teller zu landen.

Fischzucht auf Mallorca aktuell

Theoretisch könnten die Fische auch direkt in den Gewässern rund um Mallorca aufgezogen werden. „Die Behörden zeigen aber wenig Interesse daran, eine Aquakultur-Industrie im offenen Meer zu fördern, die mit dem Tourismus um Raum konkurrieren könnte“, sagt Morente. Anläufe, daran etwas zu ändern, stießen auf wenig Zustimmung in der Bevölkerung. Bis 2005 existierten 18 Zuchtkäfige in der Bucht von Portocolom, in denen über 22 Jahre lang Fische gezüchtet wurden. Doch mangelnde Rentabilität und Meeresverschmutzung führten schließlich zur Aufgabe. Ein erneuter Versuch im Jahr 2015 scheiterte.

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