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Der Müll von Ibiza und Formentera soll künftig auf Mallorca verbrannt werden

Die Inselratspräsidenten und die Balearen-Regierung haben ein Abkommen unterzeichnet, das Mallorca 50 Millionen Euro beschert

Wird künftig noch mehr: Müll in der Anlage Son Reus.

Wird künftig noch mehr: Müll in der Anlage Son Reus. / Nele Bendgens

Redaktion DM

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Die konservativ regierten Inselräte von Ibiza und Mallorca sowie die ebenfalls konservative balearische Landesregierung der Volkspartei PP haben sich auf ein Abkommen geeinigt: Der Müll, der derzeit noch auf der Deponie Ca na Putxa auf Ibiza gelagert wird, soll künftig zur Verbrennung nach Mallorca transportiert werden. Ein Pilotversuch zur Erprobung der Logistik – inklusive See- und Landtransport – soll im Oktober oder November beginnen, wie Ibizas Inselratspräsident Vicent Marí am Montag bekanntgab. Die touristische Hochsaison soll auf jeden Fall noch abgewartet werden.

Die Vereinbarung wurde im Anschluss an eine Konferenz der Inselratspräsidenten auf dem Gelände der phönizischen Ausgrabungsstätte Sa Caleta auf Ibiza vorgestellt. Zugegen war neben dem Inselratspräsidenten von Mallorca, Llorenç Galmés, auch die balearische Ministerpräsidentin Marga Prohens.

50 Millionen Euro Ausgleich für Mallorca

Die Vertreter der verschiedenen Inselräte handelten einen Deal aus: Für die Aufnahme des Mülls aus Ibiza und Formentera soll der Inselrat von Mallorca mit einer Finanzspritze in Höhe von 50 Millionen Euro entschädigt werden, die über mehrere Jahre verteilt wird. Dank dieser Vereinbarung sollen die Müllgebühren für die Bevölkerung auf Mallorca ab dem Jahr 2026 um zehn Prozent gesenkt werden.

Handelten den Deal aus: (v l.i.) Ibizas Inselratspräsident Vicent Marí, Balearen-Ministerpräsidentin Marga Prohens sowie Formenteras Inselratspräsident Óscar Portas.

Handelten den Deal aus: (v l.i.) Ibizas Inselratspräsident Vicent Marí, Balearen-Ministerpräsidentin Marga Prohens sowie Formenteras Inselratspräsident Óscar Portas. / Diario de Ibiza

Langfristig ist jedoch noch keine endgültige Lösung für das Abfallproblem auf Ibiza und Formentera gefunden. Der Inselratspräsident von Ibiza, Vicent Marí, erklärte, dass der laufende Bürgerbeteiligungsprozess zur Entwicklung eines nachhaltigen Entsorgungskonzepts weitergeführt wird – der Mülltransport auf die Nachbarinsel sei zunächst nur eine Übergangslösung.

Für Verbrennungsanlage Son Reus kein Problem

Allerdings eine, die Mallorca auch Vorteile bringe, wie Inselratspräsident Llorenç Galmés herausstellte. Der Mülltransport beschere der Insel "zwei zusätzliche Einnahmequellen": zum einen die 50 Millionen Euro für die Einfuhr des Abfalls, zum anderen Einnahmen für den Verkauf der zusätzlichen Energie, die mit der höheren Müllmenge in der Verbrennungsanlage Son Reus erzeugt wird.

Für Son Reus sei der zusätzliche Müll ohne Weiteres zu schultern, denn derzeit laufe die Anlage nur auf 70 Prozent Auslastung. Der Müll von Ibiza und Formentera werde keinerlei Problem weder für die Anlage, noch für die Mallorquiner bedeuten. Galmés rechnet mit rund 85.000 Tonnen Müll von den beiden Nachbarinseln.

Scharfe Kritik von Més per Mallorca

Derweil kommt scharfe Kritik von der Partei Més per Mallorca. Ihr Sprecher im Inselrat, Jaume Alzamora, warf Präsident Galmés vor, „ständig den Kopf zu senken“ und Entscheidungen mitzutragen, die „der Bevölkerung schaden und lediglich der PP nützen“. Mallorca werde so zur „Müllhalde“ der Balearen gemacht.

Alzamora spricht von einem „ökologischen Skandal“, durch den nicht nur die Müllverbrennung auf Mallorca zunehme, sondern auch das Verkehrsaufkommen durch Schwerlasttransporte in Richtung der Verbrennungsanlage. Zudem sieht er wirtschaftliche Interessen im Vordergrund: Die Entsorgungsfirma profitiere von steigenden Müllmengen und öffentlicher Finanzierung. Bereits 62 Millionen Euro seien in dieser Legislaturperiode in die Entsorgung geflossen – mit dem neuen Abkommen kämen nun weitere 50 Millionen hinzu.

„Ein Umweltproblem wird verlagert, nicht gelöst“, kritisiert Alzamora. Er warnt vor neuen Problemen für Mallorca, während das Müllproblem auf Ibiza "kosmetisch" gelöst werde. /jk

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