Müllchaos in Santanyí: Abfalltrennung überfordert Urlaubergebiete
Die Gemeinde hat am 10. Juni in weiteren Ortsteilen auf Abholung an der Haustür umgestellt

Kein schöner Anblick, der sich in der Gemeinde Santanyí derzeit bietet. / Ingo Walsleben
Die Bilder der zugemüllten Traumbucht Caló des Moro im Südosten von Mallorca haben bei vielen MZ-Lesern für Empörung und Unverständnis gesorgt. Unter anderem am Montag (23.6.) und Dienstag war der obere Zugang der "Instagram"-Bucht von großen Abfallbergen bedeckt. Am Mittwoch (25.6.) setzten sich dann Mitarbeiter des Rathauses von Santanyí über ihre Kompetenzen hinweg - für den Caló des Moro ist eigentlich die Küstenbehörde zuständig - und räumten den Müll weg.

So sieht es in Teilen der Gemeinde Santanyí aus. / Ingo Walsleben
Doch diese Ecke der Gemeinde ist nicht die einzige, in der sich seit Tagen der Abfall stapelte. MZ-Leser Ingo Walsleben schickt Fotos von überquellenden Containern aus Cala Llombards, eine andere Zuschrift beinhaltet Aufnahmen, die dasselbe Problem in Cala d'Or zeigen. Allenthalben stehen Mülltüten auch neben den Containern, weil diese längst viel zu voll sind. Der Wind tut dann sein Übriges und verteilt den Müll in der Umgebung. Doch was läuft da in Santanyí gerade schief?
Am 10. Juni neues Recyclingsystem eingeführt
Der Sprecher des Rathauses versucht, eine Erklärung zu liefern. "Wir haben in diesem Frühjahr in vier Ortsteilen, darunter Santanyí selbst, die Müllabholung an der Haustür eingeführt. Das hat auch bestens geklappt, die Recyclingquote in der Gemeinde ist inzwischen von 18 auf 33 Prozent angestiegen. Problematisch wurde es nun im Juni, als weitere Ortsteile die Haustürabholung eingeführt haben", sagt der Sprecher.
Am 10. Juni wurde unter anderem in den Küstengebieten auf Haustürabholung umgestellt. Die großen Container, die zuvor an der Straße gestanden hatten, wurden entfernt. "An ausgewählten Stellen in jedem Ortsteil gibt es aber auch weiterhin Bereiche mit Containern, die wie eine Art Wertstoffhof funktionieren, allerdings nicht beaufsichtigt sind", erklärt der Sprecher des Rathauses, der einräumt, dass der Beginn des Sommers möglicherweise nicht der optimale Zeitpunkt war, diese Neuerung in den Urlaubergebieten einzuführen.
Wertstoffhöfe derzeit noch offen zugänglich
Später haben nur noch Bewohner und Betriebe mit einer speziellen Karte Zugang zu den Müllablagepunkten. Das Problem: Derzeit sind die Bereiche noch für jedermann zugänglich, um den Menschen in einem Übergangszeitraum den Wechsel hin zu dem neuen Recyclingsystem zu erleichtern.
Doch das wird offensichtlich ausgenutzt, vor allem von Einzelhandel und Gastronomie - und vor allem in den touristischen Gebieten an der Küste. Der Sprecher des Rathauses lässt durchblicken, dass die Betriebe der Gemeinde deutlich mehr Müll produzieren, als vorher von den Verantwortlichen kalkuliert worden war. Auch MZ-Leser Ingo Walsleben hat beobachtet, dass die derzeit noch offen zugänglichen Container zweckentfremdet werden.
Müll vom Chiringuito einfach abgeladen
"Gestern Abend haben wir gesehen, wie ein Lkw den gesamten Tagesmüll vom Chiringuito und dem Strand von Cala Llombards dort abgeladen hat. Mir scheint, dass die Behörden hier vollkommen überfordert sind", schreibt Walsleben.
Eine gewisse Überforderung ist der Gemeindeverwaltung wohl nicht abzusprechen, auch wenn der Rathaussprecher versucht, einen anderen Eindruck zu erwecken. So würden, sobald man erfahre, dass sich an einer Stelle der Müll staple, sofort die Mitarbeiter der Gemeinde losgeschickt, um die Abfallberge abzutransportieren - ganz gleich, ob das gerade im Plan stehe oder nicht. Ansonsten funktioniere die Abholung weitgehend reibungslos.
Anlaufschwierigkeiten normal
Man müsse einfach noch ein bisschen Geduld haben und hier und da nachjustieren, dann werde sich das Problem mit der Zeit schon lösen, hofft der Sprecher des Rathauses. Anlaufschwierigkeiten bei Neuerungen seien normal, die Menschen müssten sich erst einmal darauf einstellen.

Der Zugang zum Caló des Moro am Montagmorgen. / Markus Puchta
Wie es allerdings im Caló des Moro weitergeht, ist fraglich. Hier fällt weiterhin jeden Tag Müll durch die Tausenden Besucher an, der nicht adäquat entsorgt werden kann. Zum einen, weil die Mitarbeiterin der Stiftung "Fundació Amics d‘Es Caló des Moro – S’Almonia", die bisher den Abfall Tag für Tag entfernt hat, Anfang Juni von einem brutalen Urlauber mit einer Kopfnuss außer Gefecht gesetzt wurde.
Zum anderen, weil der Müllcontainer, der bisher oben am Strandzugang in der Siedlung stand, an einen anderen Standort weiter entfernt gerückt wurde. So ist die Müllentsorgung für die Verantwortlichen der Stiftung noch mühsamer geworden.
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