4.500 Euro Rabatt auf Stromer: So funktionieren die Subventionen für Elektroautos auf Mallorca
Der Generaldirektor von Faconauto erklärt, was Käufer beachten müssen, um in den Genuss der Finanzspritze zu kommen

Wer sich einen Stromer zulegt, bekommt Tausende Euro vom Kaufpreis erlassen. / DM
Wer sich überlegt, ein Elektroauto zu kaufen, hat viele Fragen – von der Ladeinfrastruktur über die Reichweite bis hin zu Subventionen beim Kauf. José Ignacio Moya, Generaldirektor von Faconauto, der Vereinigung der Autohändler in Spanien, klärt auf und spricht vor allem über die finanziellen Anreize.
Es scheint, dass auf Mallorca inzwischen deutlich mehr Elektroautos unterwegs sind als vor ein paar Jahren. Stimmt der Eindruck?
Es stimmt, dass speziell in diesem Jahr die Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen auf den Inseln sehr deutlich zugelegt haben. Derzeit liegt der Marktanteil bei Neuzulassungen von Hybrid- und Elektrofahrzeugen in Spanien bei 19 Prozent. Auf den Balearen liegt der Anteil ein wenig niedriger und erreicht momentan 17,6 Prozent. Aber auch hier war das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr sehr stark. Die Neuzulassungen auf den Inseln haben um 114,9 Prozent im Vergleich zu 2024 zugelegt. Wir nähern uns also langsam dem Ziel von Faconauto, 25 Prozent der Neuzulassungen bei Elektroautos zu haben. Ob wir das dieses Jahr noch schaffen, weiß ich nicht. Aber man muss sehen, dass es 2024 Ende des Jahres gerade mal 11,4 Prozent waren. 2023 waren es sogar etwas mehr, mit 11,9 Prozent. Das Wachstum ist also deutlich, wenn auch noch nicht genügend aus unserer Sicht. Es zeigt sich, dass auch in Spanien das Elektroauto langsam Fuß fasst. Allerdings nicht in dem Tempo, in dem es die europäischen Vorgaben aus Brüssel verlangen. Denn es gibt leider immer noch zahlreiche Hürden: den Preis, die Ladesituation, die Ungewissheit der Käufer darüber, ob es nun finanzielle Hilfen gibt oder nicht.

Der Generaldirektor von Faconauto, José Ignacio Moya. / Faconauto
Schreiben Sie das deutliche Wachstum in diesem Jahr dem Subventionsprogramm Moves III zu?
Ja. Es gibt keinen Zweifel daran, dass Moves ein wichtiger Impuls für den Kauf ist. Obwohl das Programm in der Form, wie es verwaltet und organisiert ist, deutliches Verbesserungspotenzial aufweist. Das sollten wir für die nächsten Programme bedenken. Ein großer Teil der 19 Prozent elektrische Neuzulassungen ist auf die regionalen Ableger des spanienweiten Programms Moves III zurückzuführen. Aber nicht zu vergessen ist auch das Programm in Valencia, das nach dem Unwetter aufgelegt wurde, ReiniciaAuto+, das den Betroffenen helfen sollte, ihre zerstörten Autos zu ersetzen. Wir sehen, dass rund 85 Prozent des Wachstums des spanischen Markts auf Stimulationsprogramme zurückzuführen ist. Ohne die würden wir von einem Markt sprechen, der kaum von der Stelle kommt. Ohne die Mietwagenbranche würde es dann fast gar kein Wachstum geben. Dieser macht auch rund 18 Prozent des Fahrzeugbestands aus. Auch deshalb sind wir der Meinung, es braucht einen verlässlichen Subventionsrahmen für die Menschen, die sich ein Elektroauto kaufen wollen. Sonst erreichen wir die Ziele der EU nicht.
Es gibt seit Jahren Zuschüsse der verschiedenen Moves-Programme. Wieso fehlt hier aus Ihrer Sicht die Verlässlichkeit?
Die Moves-Programme haben im Jahr 2021 begonnen. Es war aber immer so, dass die Budgets irgendwann aufgebraucht waren. Dann wurden wieder welche nachgelegt. Aber es kam vor, dass die Menschen im Unklaren gelassen wurden, ob das Programm wieder nachgelegt wird, so zuletzt Ende 2024. 2025 hieß es dann zunächst, es werde ein Programm geben. Das kam dann aber nicht – und im April wurde es rückwirkend gestartet. All diese Manöver sorgen für Unsicherheit bei den Bürgern, die sich etwas verloren fühlen. Viele Menschen glauben zum Beispiel, dass ab 2035 Verbrennerfahrzeuge überhaupt nicht mehr in Spanien unterwegs sein dürfen. Das stimmt natürlich nicht. Sie werden ab dann nicht mehr verkauft, aber die existierenden dürfen weiter benutzt werden. Es gibt schon Zahlen darüber, dass Menschen, die in den kommenden zwölf Monaten ein Auto kaufen wollen, diesen Kauf aus Unsicherheit über die Hilfen hinauszögern. Wenn wir die flächendeckende Einführung von Elektroautos weiterhin als vorrangig erachten, was es ja sein sollte, dann braucht es ein verlässliches System von Subventionen für die Elektroautos.
Wie sieht es derzeit konkret aus mit Moves-Hilfen für das kommende Jahr?
Wir wissen bisher leider wirklich noch nicht, was passieren wird. Wir haben bisher keine offizielle Information vonseiten der Regierung und den zuständigen Ministerien. Die Botschaft, die wir aber ohne Probleme geben können ist: Moves III ist bis zum 31. Dezember aktiv. In einigen Autonomen Regionen sind die Budgets für die Hilfen weitgehend ausgeschöpft. Dort gibt es deutlich mehr Anträge als Geld da ist. Aber wir machen Druck auf die Zentralregierung, dass diese die Hilfen garantiert, auch für den Fall, dass das eigentliche Budget ausgeschöpft ist. Neben der Subvention sollten Käufer auch wissen, dass sie weiterhin 15 Prozent in ihrer Einkommensteuererklärung beim Kauf eines Elektroautos absetzen können. Das kann bis zu 3.000 Euro zusätzlich ausmachen. Es ist also ein guter Moment, um ein Elektroauto zu kaufen.
Wie muss man als Käufer vorgehen, um in den Genuss der Moves-Hilfen zu kommen?
Zuerst muss man sich beim Händler ein Auto aussuchen. Der nächste Schritt ist, die Hilfe zu beantragen. Danach kann man zum Händler gehen und das Auto kaufen. Und innerhalb von maximal sechs Monaten muss die Verwaltung der Autonomen Region antworten, ob der Antrag korrekt ist oder ob noch nachgebessert werden muss, um die Subvention zu bekommen. Und hier gibt es durchaus Verbesserungsbedarf, denn das funktioniert noch nicht so toll. Der Plan ReiniciaAuto+ aus Valencia hat uns dahingehend Hinweise gegeben, wie man es etwas agiler machen könnte. Und vor allem, dass der Rabatt dem Kunden direkt in der Rechnung beim Kauf abgezogen wird. Auf diese Weise würden wir bessere Ergebnisse erzielen. Es wäre viel attraktiver, den Rabatt direkt angewandt zu sehen. In Valencia funktionierte das sehr schnell, so dass auch die Händler nicht das Geld vorstrecken mussten.
Wie muss der Käufer weiter vorgehen?
Zur Beantragung der Hilfe gibt es eine Website der Balearen-Regierung, wo alles gut erklärt wird. Am besten gibt man bei Google „plan moves III baleares“ ein, dann ist es der erste Treffer. Dort kann man sich auch die nötigen Dokumente und Formulare herunterladen.
Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, um Anspruch auf die Subvention zu haben?
Für Privatleute darf das neue Auto höchstens 45.000 Euro kosten. Dann gibt es 4.500 Euro Zuschuss. Wenn man sein mehr als sieben Jahre altes Auto verschrottet, gibt es 7.000 Euro. Käufer müssen Residenten in Spanien sein, sonst haben sie kein Anrecht auf die Hilfe.
Hilft der Autohändler, wenn man selbst nicht mit dem Antrag zurechtkommt?
Ja, die Händler helfen gerne, sie haben im Normalfall natürlich deutlich mehr Erfahrung als die Käufer. Ich weiß nicht, ob es auf den Balearen möglich ist, dem Händler eine Vollmacht für die Beantragung der Hilfen zu geben, aber das könnte man im Einzelfall fragen. Ansonsten stehen die Händler bei Unklarheiten immer zur Seite.
Wie sieht es mit den Preisen aus? Gibt es inzwischen schon Modelle für 20.000 Euro?
Ja, auf jeden Fall. Es gibt inzwischen schon eine große Auswahl an preislich interessanten Modellen.
Wie sind Sie mit der Ladesituation zufrieden?
Das ist wohl eines der wichtigsten Themen. Wir brauchen hier aber mehr Geschwindigkeit. Die Ladepunkte vermehren isch nicht in dem Maße, wie sie müssten. Bis zu 24 Prozent der Ladepunkte funktionieren nicht. Ein weiteres Thema ist die Bezahlung: Wir können nicht mit unterschiedlichen Apps operieren, sondern man muss mit Kreditkarte bezahlen können wie in Portugal. Und die Ladepunkte müssen besser ausgeschildert werden. Politisch ist zu viel Bürokratie nötig, um einen Ladepunkt zu installieren. Das sind die wichtigsten Hindernisse momentan.
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