Umweltschützer fordern Abriss alter Bauten an der Naturbucht Cala Castell
Der Küstenstreifen mit Badestrand im Gemeindegebiet Pollença steht unter Schutz. Trotzdem will ein Unternehmen dort nun alte Bauten legalisieren lassen - ein Vorhaben, das die Umweltschützer verhindern möchten

Die Naturbucht Cala Castell. / Redaktion DM
Sie gilt als eine der wenigen Naturbuchten auf Mallorca, die nicht allsommerlich von Urlaubermassen überrannt werden. Kein Wunder: Die Cala Castell im Gemeindegebiet Pollença ist auf dem Landweg nur über eine knifflige Wanderroute zu erreichen, zudem brauchen Wanderer eine Passier-Genehmigung, wenn sie das angrenzende Landgut Ternelles durchlaufen wollen. In all der Idylle sind Aktivisten von Mallorcas größter Umweltschutzorganisation GOB die alten Bauten ein Dorn im Auge, die vor vielen Jahrzehnten an der Naturbucht errichtet sind und dort heute noch stehen. Jetzt fordern die Umweltschützer ihren Abriss.
"Privatisierung des Küstenstreifens"

Kollage von Fotos der alten Bauten direkt an der Naturbucht Cala Castell / GOB
Konkret geht es um eine seit sehr langer Zeit existierende Steinterrasse, ein Bootshäusschen und eine Treppe, die schon vor Jahrzehnten an der Naturbucht errichtet worden waren, als dort noch keine Naturschutzbestimmungen galten. Wenn es nach dem Unternehmen Menani S.A. geht, das die bekannte Bankiersfamilie March vertritt, sollen die alten Bauten endlich legalisiert werden, einen konkreten Antrag hat die Firma bereits eingereicht.
Genau hier setzt nun der GOB an. In einer offiziellen Beschwerde versuchen die Aktivisten, rechtlich gegen das Legalisierungs-Vorhaben vorzugehen. "Die Bauten stammen aus alten Konzessionen, die vor fast dreißig Jahren erloschen sind, was rechtlich dazu verpflichtet, sie aus dem öffentlichen Küstenbereich zu entfernen", so die Umweltaktivisten und verweisen auf das Küstenschutzgesetz (Ley de Costas). Sobald eine Konzession auslaufe, müsse die Verwaltung entscheiden, ob sie die Anlagen beibehält oder abreißt, argumentieren die Umweltschützer. "In diesem Fall ist keine Verwaltungsentscheidung dokumentiert, was kraft Gesetzes bedeutet, dass sie sich für deren Entfernung hätte entscheiden müssen; folglich kann keine neue Konzession für Bauten bearbeitet werden, die hätten entfernt werden müssen“, so das Resümee von GOB.
Zudem sehen die Aktivisten in den bestehenden Anlagen eine "ungerechtfertigte Privatisierung des Küstenstreifens“. „Sie verstoßen auch gegen die Umwelt- und Stadtplanungsvorschriften, da sie sich in einer geschützten Ausschlusszone der Tramuntana befinden, in der jegliche Bebauung oder Wohn-/Gewinnnutzung absolut verboten ist“, so der GOB.
"Beeinträchtigung des Landschaftsbildes"
Das Projekt weise darüber hinaus „schwerwiegende technische Mängel“ auf, wie etwa „die Verwendung veralteter Pläne, kartografische Unstimmigkeiten und die Einbeziehung eines zweiten Häuschens, das niemals genehmigt worden ist“. Die Bauten verursachen laut den Umweltschützern eine „erhebliche Beeinträchtigung des Landschaftsbildes". Auch Denkmalschutz käme für die alten Konstruktionen nach Ansicht des GOB nicht infrage.
Aus all diesen Gründen fordern die der GOB, die von Menani S.A. beantragte Konzession nicht zu erteilen und den Abriss sowie die Entfernung sämtlicher bestehender Bauten anzuordnen. So solle der natürliche Zustand der Küste wiederhergestellt werden. Denn, so betont der GOB: "Die Küste ist ein öffentliches Gut, das zum Wohle aller erhalten werden muss." /somo
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