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Abschied von einer Dreckschleuder: Kohlekraftwerk Es Murterar wird 2026 endgültig abgeschaltet

Nach über vier Jahrzehnten soll das Kohlekraftwerk Es Murterar in Alcúdia endgültig vom Netz gehen. Stromversorger Endesa bereitet bereits den Rückzug vor

Seit 1981 auf Mallorca im Dienst: Es Murterar.

Seit 1981 auf Mallorca im Dienst: Es Murterar. / Foto: Terrassa

Das Kohlekraftwerk Es Murterar in der Gemeinde Alcúdia im Norden von Mallorca könnte im kommenden Jahr endgültig vom Netz genommen werden. Wie der Stromversorger Endesa gegenüber der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" bestätigte, habe man „die Möglichkeit ins Auge gefasst“, im kommenden Jahr die Genehmigung für die Stilllegung des Kraftwerks zu beantragen, um die Vorgaben der Energiewende und der Dekarbonisierungsprozesse einzuhalten.

Das Unternehmen hat mit den rund 50 verbliebenen Beschäftigten bereits Gespräche über mögliche Vorruhestände oder Versetzungen in andere Betriebsstätten begonnen. Ziel sei es, so das Unternehmen, dass es „zu keinen traumatischen Abgängen kommen muss“.

Seit 1981 in Betrieb

Es Murterar ist seit 1981 in Betrieb. Es handelt sich um eine der letzten Stromerzeugungsanlagen in Spanien, die noch Kohle als Hauptbrennstoff nutzt - ein absoluter Klimakiller. Dass es vom Netz genommen wird, gilt als beschlossene Sache. Wann es genau passieren wird, hängt derzeit von verschiedenen Gutachten ab. Das letzte Wort wird dabei Red Eléctrica de España haben, der Betreiber des spanischen Stromsystems und der Übertragungsnetze. Dieses Unternehmen muss prüfen, ob die vorhandenen Energiequellen die Stromversorgung nach der endgültigen Schließung des Kraftwerks garantieren können.

Dies gilt als wahrscheinlich. Seit sechs Jahren ist der Anteil des Kohlekraftwerks an der Stromerzeugung praktisch nur noch symbolisch. Es wird ausschließlich für Notfälle im Energiesystem gehalten – und selbst dann spielt es keine nennenswerte Rolle. Dass die Balearen im vergangenen April dem großflächigen Stromausfall entgingen, der große Teile Spaniens und anderer europäischer Länder traf, hatte nichts mit der Aktivität von Es Murterar zu tun. Nach Angaben verschiedener Fachleute wurden damals genau null Watt aus der Anlage genutzt, um das Energiesystem des Archipels stabil zu halten.

Es Murterar nahe Port d'Alcúdia geht noch einmal zwei Monate in Betrieb.

Es Murterar nahe Port d'Alcúdia. / Foto: DM

Rückbau seit 2019

Der schrittweise Rückbau der Anlage begann am 31. Dezember 2019, als die Kohleblöcke 1 und 2 abgeschaltet wurden und die beiden übrigen nur noch 1.500 Stunden jährlich in Betrieb sein durften. Anderthalb Jahre später, im August 2021, wurde die Laufzeit der Blöcke 3 und 4 auf lediglich 500 Stunden pro Jahr reduziert (rund 20 Tage). Diese Betriebszeit war im laufenden Jahr 2025 bereits vor Ende des ersten Halbjahres ausgeschöpft.

Ursprünglich sah ein Abkommen zwischen Zentralregierung, Landesregierung und Endesa vor, den endgültigen Rückbau erst einzuleiten, wenn das zweite Stromkabel zur Anbindung Mallorcas an das Festlandnetz in Betrieb geht. Dieses befindet sich jedoch noch im Stadium der öffentlichen Auslegung. Nun deutet alles darauf hin, dass nicht auf die Inbetriebnahme des Kabels gewartet wird. /pss

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