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Steinbruch-Skandal in Santa Margalida: Bauschutt statt Freiluftmuseum

Der Steinbruch von Vernissa auf Mallorca sollte ein Museum werden – heute türmen sich dort illegale Müllberge

Nicht nur der Steinbruch Vernissa, auch die dortigen Bauschutt-Berge (links) sind beeindruckend.  | FOTO: MICHAEL BRAND

Nicht nur der Steinbruch Vernissa, auch die dortigen Bauschutt-Berge (links) sind beeindruckend. | FOTO: MICHAEL BRAND

Ralf Petzold

Ralf Petzold

Steinbrüche sorgen auf Mallorca oft für Ärger. Sind sie aktiv, regen sich Anwohner über den Lärm und die Ausbeutung der Umwelt auf. Die Insel sehe aus der Luft wie ein Donut, heißt es dann. In der Gemeinde Santa Margalida wird seit langer Zeit schon kein Marès mehr abgebaut. Und dennoch sorgt der 2011 stillgelegte Vernissa-Steinbruch für Unmut. Der Eigentümer des Geländes hatte einer Müllfirma erlaubt, Bauschutt zu entsorgen.

Bereits 70 Mal war der MZ-Leser Michael Brand auf Mallorca im Urlaub. In letzter Zeit hat der Deutsche den Norden der Insel für sich entdeckt. Vor drei Jahren war er das erste Mal in der Pedrera de Vernissa. „Es war sehr beeindruckend, den alten verlassenen Steinbruch zu erleben. Da war noch alles in Ordnung“, erzählt er der MZ. Als er im vergangenen Mai zurückkehrte, traute er seinen Augen nicht. Riesige Berge an Bauschutt türmten sich auf.

Eine regelrechte „Verschandelung“ der Natur sei das, meint der Urlauber. Nicht nur ihm ist das aufgefallen. Das Rathaus unter dem damaligen Bürgermeister Joan Monjo ging gegen die Umweltsünde vor. Die Gemeinde verhing wegen eines sehr schwerwiegenden Vergehens zwei Bußgelder in Höhe von je 427.065 Euro gegen den Grundstücksbesitzer und die Müllfirma Mac Insular SL. Vorausgegangen war eine Inspektion am 21. Mai, bei der die Angestellten des Rathauses bis zu 2.500 Kubikmeter Bauschutt im Steinbruch feststellten.

Illegale Arbeiten und Schäden

In dem Gelände sind derzeit keinerlei Arbeiten erlaubt. Dennoch riss Mac Insular eine Wand ein, damit die Laster besser ein- und ausfahren können. Dabei wurde nicht nur Wald zerstört, sondern auf 1.500 Quadratmetern Erde bewegt. Fahrzeuge mit mehr als zehn Tonnen Gewicht sind dort übrigens generell verboten. Aus dem Bericht des Rathauses geht hervor, dass Mac Insular knapp 171.000 Euro für die Arbeiten bezahlte.

Die Firma bekam eine Frist von zwei Monaten, um den Schutt zu beseitigen und das Gelände wiederherzustellen. „Ich war im Oktober wieder dort, und nichts ist passiert“, sagt Michael Brand. „Kann man nicht endlich die Verantwortlichen in die Pflicht nehmen?“ Der Urlauber fragt auch, was aus dem hohen Bußgeld geworden ist, mit dem man auch die Reinigungsarbeiten bezahlen könnte. Zumal es sich nicht nur um Bauschutt handle. „In den Unmengen an verunreinigtem Kies befinden sich winzige elektronische Bauteile, Styropor, Plastikteilchen und Fliesen. Die sind teilweise geschreddert und komplett mit dem Kies durchmischt. Das ist alles Sondermüll.“

Juristischer Streit zieht sich hin

Nach dem wegen diverser Skandale umstrittenen Joan Monjo ist mittlerweile sein früherer Stellvertreter Martí Torres von der PP Chef im Rathaus von Santa Margalida. „Das ist ein heikles Thema und ich muss aufpassen, was ich sage“, meint er gegenüber der MZ. Mac Insular und der Grundstückseigentümer hätten fristgemäß Einspruch gegen die Strafe des Rathauses eingelegt. Einzelheiten könne er nicht preisgeben. „Das ist nun ein juristischer Prozess, bei dem es hin und her gehen wird.“ Weitere Einsprüche könnten folgen. „Die Angelegenheit wird sich ewig hinziehen und nicht in ein paar Monaten geregelt sein.“

Zukunft des Steinbruchs ungewiss

Der Steinbruch Vernissa ist dabei kein beliebiges Gelände. Bereits 2016 schützte das Rathaus das Gebiet und hatte sogar weitreichende Pläne. Aus dem Steinbruch sollte ein Freiluftmuseum werden, an dem der Abbau des für Mallorca typischen Marès-Steins gezeigt wird. Die Gemeinde Santa Margalida plante bereits den Kauf. „Das steht nun erst einmal alles in den Sternen“, sagt Martí Torres. „Zumal wir derzeit gar nicht das Geld für einen Kauf genehmigt bekommen würden.“

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