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Ombubäume in Palma gefällt – Kritik an Stadt und Bürgermeister wächst

Trotz massiver Proteste hat Palma 17 prächtige Ombubäume gefällt – die Kritik an Bürgermeister Jaime Martínez reißt nicht ab

Die Reste der 17 gefällten Ombubäume liegen auf der Plaça Llorenç Villalonga auf der Stadtmauer von Palma.

Die Reste der 17 gefällten Ombubäume liegen auf der Plaça Llorenç Villalonga auf der Stadtmauer von Palma. / Andrew Mac Lear

Johannes Krayer

Johannes Krayer

Jetzt sind sie Geschichte, die 17 herrlich eigenwillig gewachsenen Ombubäume mit ihrer prächtigen Krone auf der Plaça Llorenç Villalonga oberhalb des Parc de la Mar in Palma. Alle Proteste waren letztlich umsonst: Am Donnerstagmorgen (18.12.) rückten die Arbeiter der Stadt mit ihren Motorsägen an und fällten einen Baum nach dem anderen, bis am frühen Abend keines der 50 bis 80 Jahre alten Exemplare der auf Lateinisch Phytolacca dioica genannten Gewächse mehr an seinem Platz stand. Jeder Schritt der Arbeiter wurde dabei vor allem zu Beginn von zahlreichen Anwohnern und Mitgliedern verschiedener Bürgerinitiativen kritisch bis feindselig beäugt, vereinzelt kam es zu verbalen Unmutsäußerungen gegen die Abholzung.

Als Zeichen des Protests errichteten die Demonstranten an der Stadtmauer von Palma einen improvisierten Traueraltar für die gefällten Bäume.

Politikum und Bürgerprotest

Der Kahlschlag war in den zurückliegenden Tagen und Wochen ein veritables Politikum in Palma. Besonders schlecht kamen dabei in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem die konservative Stadtregierung und allen voran Bürgermeister Jaime Martínez weg. Die Ablehnung gegen die Abholzung der schattenspendenden Riesenbäume zog sich quer durch die Bevölkerung. Die Verantwortlichen der Stadt ließen nicht mit sich reden und mussten sich dem Vorwurf der Undurchsichtigkeit aussetzen.

Die Bürger versuchten es mit immer wieder neuen Vorstößen: Protestkundgebungen, persönliche Gespräche mit den bei der Stadt Zuständigen, sogar eine einstweilige Verfügung reichte die Umweltschutzvereinigung Amics de la Terra ein, um Zeit für eine eingehendere Prüfung der Bäume zu bekommen. Diese Eingabe kam zwar in der ersten Instanz durch, wurde im nächsten Schritt allerdings innerhalb von kürzester Zeit vom Gericht abgewiesen. Manche sprachen schon von einem Kampf der Stadtverwaltung gegen die Bürger.

Begründung der Stadt und Zweifel

Der Standpunkt der Stadt war klar: Die Bäume sind krank und müssen aus Sicherheitsgründen weg. Immer wieder kam das Argument aus dem Rathaus, dass Berichte und Studien vorlägen, die eine große Bedrohung für Passanten durch herabfallende Äste oder komplett umstürzende Bäume sehen. Im August 2019 war tatsächlich ein Ombubaum an der Plaça de la Reina auf ein Auto gestürzt.

Die Anwohner bezweifeln allerdings die Dringlichkeit, mit der nun Hand angelegt wurde. Einige beschimpften Bürgermeister Martínez bei der Abholzung als „Terroristen“. „Wir haben diese Studien nicht mit eigenen Augen gesehen“, beklagte sich beispielsweise die Vorsitzende der Nachbarschaftsvereinigung Calatrava, Edita Navarro. Sie habe sich eigens mit der zuständigen Stadträtin Belén Soto getroffen und die Berichte verlangt. Doch ohne Ergebnis.

Kritik und Verdachtsmomente

Auch der britische Fotograf Andrew Mac Lear, der um die Ecke des Platzes wohnt und regelmäßig durch sein Viertel spaziert, trauert um die Bäume. Er hielt das Ergebnis des Kahlschlags mit seiner Kamera fest und sagt: „Es ist wirklich eine Katastrophe. Ich bin sicher, dass es Alternativen zur kompletten Abholzung gegeben hätte“, sagt er der MZ. In erster Linie hätte das eine behutsamere Pflege in der Vergangenheit gewesen sein können.

Die Meinung, dass es Alternativen gegeben habe, vertritt auch die balearische Baumvereinigung ABA. Von dort heißt es außerdem, es sei wenig glaubwürdig, dass alle 17 Bäume in einem derart miserablen Zustand gewesen seien, dass sie hätten gefällt werden müssen. Böse Zungen mutmaßen gar, die Abholzung sei möglicherweise vom schnöden Mammon motiviert. „Von den Hotels am Platz hat man jetzt einen wunderbaren Meerblick, nachdem die Bäume gefällt wurden“, sagte etwa der Präsident der Amics de la Terra, Mariano Reaño.

Die Anwohnervereinigungen haben noch eine andere Vermutung: „Der Platz war bisher der einzige in der Altstadt ohne Außenbewirtung. Die Zeit wird zeigen, ob es dabei bleibt“, sagt Edita Navarro. Die Stadt Palma dementiert energisch, dass es künftig dort Restaurantterrassen geben soll. Im Gegenteil: An der Stelle der Ombubäume sollen neue Bäume gepflanzt werden. Die Anwohner werden die weitere Entwicklung peinlich genau begleiten.

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