"Das Hauptproblem ist der Klimawandel": Artensterben im Nationalpark Cabrera schreitet rasend schnell voran
Eine Studie von katalonischen Forschern zeigt einen Rückgang der Artenvielfalt von etwa 40 Prozent innerhalb von sieben Jahren

Die Bucht von Cabrera. / Sabine Belz
Die Inselgruppe Cabrera südlich von Mallorca ist offenbar stark vom Artensterben betroffen. Eine Studie von Wissenschaftlern des Zentrums für fortgeschrittene Studien in Blanes (CEAB-CSIC) und der Universität Barcelona (UB), die auf fast einem Jahrzehnt an Datenerhebungen basiert, hat einen drastischen Rückgang der Artenvielfalt im dortigen Nationalpark festgestellt.
„Die großen Arten überleben, aber wir beobachten deutliche Veränderungen im Landschaftsbild – etwa das Verschwinden von Hornkorallen, die wie kleine Bäumchen wachsen, zusammen mit Schwämmen und anderen Korallenarten“, erklärt Xavier Turon, Forscher des CEAB und Hauptautor der Studie.

Wissenschaftler Xavier Turon. / DM
Ein Vergleich zwischen den ersten Erhebungen (2014–2015) und den jüngsten Daten (2021–2022) zeigt: Die Artenvielfalt hat um etwa 40 Prozent abgenommen. Insgesamt wurden rund 3.000 Arten in Cabrera identifiziert. Den größten Rückgang verzeichnen laut Turon kleine, empfindliche Arten, die besonders stark auf Störungen reagieren.
„Der Verlust an Biodiversität führt zu einfacheren Gemeinschaften mit weniger Arten. Diese Entwicklung wird sich wahrscheinlich fortsetzen“, so der Forscher.
Klimawandel als Hauptursache
Turon betont, dass es sich um ein globales, nicht ein lokales Problem handelt: „Der Rückgang lässt sich nicht auf Überfischung, Urbanisierung oder Verschmutzung zurückführen. Cabrera ist ein streng geschützter Nationalpark, diese Einflüsse sind dort minimal. Das Hauptproblem ist der Klimawandel.“
Der Forscher weist darauf hin, dass der Mittelmeerraum sich zunehmend aufheizt. „Die Hitzewellen im Jahr 2022 führten zu massenhaftem Absterben von Organismen und zeigten deutlich, dass etwas nicht stimmt.“ Hinzu komme der Einfluss invasiver Arten, vor allem Algen, die ganze Lebensgemeinschaften vereinfachten und verdrängten.
Meeresschutzgebiete allein lösen das Problem nicht
Zwar seien Meeresschutzgebiete unerlässlich, um lokale Ökosysteme zu bewahren, räumt Turon ein, doch allein könnten sie den globalen Trend nicht stoppen: „Wenn wir nur einzelne Meeresgebiete schützen, aber die Ursache – den Klimawandel – nicht bekämpfen, lösen wir das Problem nicht. Wir brauchen globale Lösungen.“
Die in der Fachzeitschrift Diversity and Distributions veröffentlichte Studie basiert auf wiederholten Probenahmen in denselben Lebensräumen zwischen 2014 und 2022 – von flachen, lichtdurchfluteten Regionen bis hin zu tieferen Sediment- und Kalkalgenböden.
Selbst kleinste Spuren des Erbguts erkennbar
Zur Überwachung der Artenvielfalt nutzten die Forscher genetische Analysetechniken: „Man nimmt dieselbe Probe und untersucht die DNA. So lassen sich alle vorhandenen Arten erkennen, selbst die kleinsten, die Spuren ihres Erbguts hinterlassen. Dadurch können wir die Biodiversität sehr genau messen“, erklärt Turon. „Wir haben immer dieselben Standorte in 20 bis 30 Metern Tiefe untersucht und exakt dieselben Methoden verwendet – das ergibt sehr klare Ergebnisse.“
Zum Schluss mahnt der Wissenschaftler: „Es ist entscheidend, weiter zu beobachten. Wenn ich heute Orte besuche, die wir vor Jahrzehnten erforscht haben, sehe ich, wie sehr sie sich verändert haben – und das ist schmerzhaft, weil sie nicht mehr das sind, was sie einmal waren.“
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