Prozess um deutschen Schildkrötenzüchter auf Mallorca: "Fanden 14 der 50 am meisten geschützten Arten vor"
Der Prozess gegen das deutsche Pärchen in Palma neigt sich langsam dem Ende entgegen

Diese Schildkröten sollen zwei Deutsche auf Mallorca illegal gezüchtet haben / Nele Bendgens
"Wir haben 14 der 50 am meisten geschützten Arten vorgefunden", hat am Montag (26.1.) ein Experte des Natura Parcs auf Mallorca im Zuge des Prozesses gegen zwei mutmaßlich illegale deutsche Schildkrötenzüchter ausgesagt. Wobei er selbst viele Arten auf den ersten Blick nicht mal kannte. "Das waren keine einfachen Schildkröten. Ihr Erhalt hatte einen hohen Wert für die Umwelt."
Laut dem Experten kümmerte sich die Tierschutzabteilung der Guardia Civil um die Identifizierung der Tiere. "Ich half beim Transport in die verschiedenen Auffangzentren", sagte der Natura Parc-Mitarbeiter. Manche kamen in Zoos, andere in Einrichtungen auf dem Festland. "Zweimal haben wir dem Angeklagten Schildkröten zurückgegeben. Es leben aber noch weitere in den Zentren."
Deutsche kümmerten sich gut um die Tiere – oder doch nicht?
Seine Kollegin bescheinigte den deutschen Züchtern eine artgerechte Haltung. "Die meisten waren Wasserschildkröten, die in Flüssen oder Seen daheim sind. Viele pflanzten sich fort, entsprechend gut waren die Bedingungen." Der aufgezwungene Umzug tat den Tieren hingegen nicht gut. "Das löst Stress aus. Ich kann mich nicht erinnern, wie viele gestorben sind und wie viele noch leben."
Ein Umweltinspekteur widersprach den Natura Parc-Mitarbeitern. Die Haltung auf der Finca in Llucmajor sei schlecht gewesen. Die Deutschen hätten die Tiere vor sich hinvegetieren lassen. Der Umzug sei der einzig richtige Weg gewesen.
Diese Strafe droht den Angeklagten
Die Polizei kam den Deutschen auf die Fährte, als ihnen eine Schildkrötenlieferung ins Netz ging. Die Zollbehörde am Flughafen beschlagnahmte im März 2017 acht Exemplare, die an eine Tierarztpraxis an der Playa de Palma geliefert werden sollten, die die Angeklagte leitete. Sie behauptete, die Tiere gehören ihrem Mann.
Die Polizei befragte auch den Absender der abgefangenen Postsendung. Dabei handelte es sich um einen Betreiber einer Reptilienhandlung in Barcelona. Der Spanier sagte aus, dass die fraglichen Schildkröten nie länger bei ihm gewesen seien. Er habe sie nur aus Freundschaft zu dem Deutschen verschickt, der zuvor wohl bei einer wichtigen Konferenz als Redner auftrat und die Tiere zu Vorführungszwecken dabei hatte.
Anders als der Deutsche habe der Spanier ohne Einwände mit der Polizei kooperiert. Auch er sitzt auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft fordert für ihn zwei Jahre Haft, für das deutsche Paar fünfeinhalb Jahre Haft. Zudem sollen die Angeklagten anderthalb Millionen Euro Strafe zahlen.
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