Ist bald Schluss mit der "Instagram-Bucht" auf Mallorca? Deutsche Eigentümerfamilie fordert Zugangsbeschränkungen
Die Familie Oehm, der das Grundstück an den Buchten Caló des Moro und Cala s'Almunia gehört, stellt einen entsprechenden Antrag an die Behörden

Heillos überlaufen: So geht es in der Instagram-Bucht Caló des Moro auf Mallorca zu / B. Ramon
Es ist eine der wohl bekanntesten Buchten der Insel und wird jeden Sommer von Hunderttausenden Urlaubern heimgesucht: der Caló des Moro, bisweilen auch als "Instagram-Bucht" bezeichnet. Mitten im Sommer, bei 40 Grad, gibt es Menschen, die bereit sind, zwei oder mehr Stunden anzustehen. Am Meer angekommen, machen sie ein Selfie, laden es in die sozialen Netzwerke hoch und gehen wieder.
Doch möglicherweise könnte bald Schluss sein mit den Horden am kleinen Strand. Die deutsche Eigentümerfamilie Oehm, der das weitläufige, an die Bucht angrenzende Grundstück gehört, hat bei den Behörden den Antrag gestellt, den Privatbesitz besser zu schützen. Auch eine Einzäunung (auf Spanisch: "vallado") könnte dabei eine Option sein. Allerdings müsste das von der zuständigen Gemeinde Santanyí, Mallorcas Inselrat sowie der Küstenbehörde genehmigt werden.
Um zu dem Strand zu gelangen, müssen die Badegäste einen rund ein Kilometer langen Fußmarsch auf sich nehmen - der Weg befindet sich auf dem Grundstück der Oehms. Und es sind auch die Eigentümer, die den Müll wegräumen, den die Urlauber vor Ort hinterlassen. Sie pflanzen beschädigte Vegetation nach und löschen sogar Brände.
Umfangreiches Gutachten
Die Familie strebe eine Regulierung des Zugangs an, nicht jedoch eine vollständige Sperrung der Bucht, betont Hans-Peter Oehm gegenüber der Mallorca Zeitung. Letzteres ist auch gar nicht möglich: Der Küstenstreifen ist in Spanien öffentlicher Grund.
Die Familie hat deswegen unter Beteiligung von Architekten ein vollständiges Projekt ausgearbeitet, das die Abgrenzungen der Küstenlinie und der Versorgungszonen respektiert. Die komplizierte juristische Sachlage vertraute sie der Kanzlei von Rafael Barber-Llorente an. Der Anwalt betont gegenüber der MZ, dass im Falle einer Beschränkung der "seitliche" Zugang zu der Bucht weiterhin möglich sein könnte - aber eben nicht unbedingt über das Grundstück der Familie.
Die Oehms leben das ganze Jahr über in ihrem Paradies in der Gemeinde Santanyí. Sie gehen davon aus, dass der Caló des Moro und die angrenzende Cala s’Almunia sechs Monate im Jahr von etwa 5.000 Menschen täglich besucht werden. Ein Bericht der spanischen Küstenbehörde spreche sogar von nahezu einer Million Badegästen pro Saison.
Keine Antwort von den Behörden
Die Oehms erklären, sie würden seit Jahren bei den Behörden „flehentlich“ um eine Lösung bitten, ohne eine zufriedenstellende Antwort zu erhalten. Sogar die Versuche, die möglichen Beschränkungen persönlich beim Rathaus Santanyí vorzustellen, seien bislang gescheitert. Der Termin sei bereits zweimal verschoben worden.
Als Vorbild für die Pläne dient der Familie ein Küstenanwesen der Bankiersfamilie March, dessen Zugänge eingeschränkt sind. Dort gelangt man nur mit einem Anwohnerausweis an den Strand. Die Erben des Bankiers Juan March Ordinas, die bald die einzigen mallorquinischen Großgrundbesitzer an der Inselküste sein dürften, wurden allerdings kürzlich aufgefordert, die Zugänge auf einem Grundstück in der Gemeinde Sóller zu öffnen. Die Oehms erklären, sie würden alle öffentlichen Wege respektieren. /pss
In einer vorherigen Version dieses Artikels war davon die Rede, dass die deutsche Familie den Zugang "sperren" will. Das ist in dieser verkürzten Form missverständlich. Anm. d. Red.
Abonnieren, um zu lesen
- Umweltschützer sprechen von 'Zeitbombe': Mallorca ist im Winter schon voller als Ende der 1990er im Sommer
- Leben und arbeiten auf 822 Metern Höhe: Das Castell d’Alaró auf Mallorca sucht einen neuen Hüttenwirt
- Harte Strafe wegen eines Dutzend Eiers: Vier Schüler auf Mallorca verurteilt, die das Haus der Rektorin bewarfen
- Jetzt auch noch Mode-Ratschläge: Mallorca-Flieger Ryanair empfiehlt Passagieren, auf dieses Kleidungsstück zu verzichten
- Offenbarung des Auslandsvermögens: Das hat sich für Mallorca-Residenten beim Modelo 720 geändert
- Seit Tagen ohne Krankenbett: Warum sich Patienten in Mallorcas größtem Krankenhaus Son Espases in der Notaufnahme stauen
- Sturmtief 'Leonardo' hält Andalusien in Atem: Vermisste in Málaga, Evakuierungen und Zug-Chaos
- Verdacht auf Steuerbetrug: Beamte durchsuchen Räume von großer Bettenbank auf Mallorca