Anwalt erklärt: So will die Eigentümerfamilie die Instagram-Bucht Caló des Moro schützen
Die Bucht im Südosten der Insel erstickt am Tourismus der Massen. Die deutschen Eigentümer des Grundstücks wollen dem nun einen Riegel vorschieben. Ihr Anwalt erklärt, wie genau

Der Strom der "Pilger", die zur Bucht Caló des Moro unterwegs sind, hier ein Bild aus dem Sommer 2025. / Nele Bendgens
Es ist eine der wohl bekanntesten Buchten der Insel und wird jeden Sommer von Hunderttausenden Urlaubern heimgesucht: der Caló des Moro, bisweilen auch als „Instagram-Bucht“ bezeichnet. Mitten im Sommer, bei 40 Grad, gibt es Menschen, die bereit sind, hier zwei oder mehr Stunden anzustehen.
Am Meer angekommen, machen sie ein Selfie, laden es in die sozialen Netzwerke hoch und gehen wieder. Viele Tausende klettern aber auch über die Abbruchkante in die schwer zugängliche Bucht hinunter. Der Weg führt dabei über Höhlensysteme, die durch die Besuchermassen inzwischen einsturzgefährdet sind. Die Erosion ist mit bloßem Auge zu erkennen.

Die Lage des Caló des Moro und der Cala s'Almunia nahe Cala Llombards im Südosten von Mallorca. / Datawrapper
Möglicherweise könnte bald Schluss sein mit den Horden am kleinen Strand. Die deutsche Eigentümerfamilie Oehm, der das weitläufige, an die Bucht angrenzende Grundstück gehört, will bei den Behörden den Antrag stellen, den Privatbesitz besser zu schützen und das Grundstück umzäunen zu können.
Allerdings müsste das von der zuständigen Gemeinde Santanyí, Mallorcas Inselrat sowie der Küstenbehörde genehmigt werden. Die Familie strebe eine Regulierung des Zugangs an, nicht jedoch eine vollständige Sperrung der Bucht, betont Hans-Peter Oehm gegenüber der Mallorca Zeitung. Letzteres ist auch gar nicht möglich: Der Küstenstreifen ist in Spanien öffentlicher Grund.
Die Familie hat deswegen unter Beteiligung von Architekten ein Projekt ausgearbeitet, das die Abgrenzungen der Küstenlinie respektiert. Die komplizierte juristische Sachlage vertraute sie der Kanzlei von Rafael Barber-Llorente an. Die MZ hat mit dem Anwalt gesprochen.
Wie lange haben Sie an dem Projekt gesessen?
Wir haben die vergangenen Monate konkret daran gearbeitet, die Idee bestand aber schon lange als eine der Optionen, um mit der Besucherlawine fertigzuwerden.
Was ist genau der Plan?
Es ist vorgesehen, lediglich das Eigentum der Familie Oehm einzuzäunen, sodass die Besucher genötigt sind, den öffentlichen Zugang zu nutzen. Das Grundstück der Oehms soll nicht als bequemer Zugang zum Strand erhalten bleiben. Wir glauben, dadurch könnte sich die Anzahl der Besucher reduzieren. Das ist aber nur eine vage Hoffnung. Im Moment haben wir dort an acht Monaten im Jahr zwischen 4.000 und 5.000 Besucher am Tag. Der Strand ist ungefähr 70 Meter lang. Das ist eine große Belastung für die Natur. Es geht nicht um die Familie Oehm, sondern es geht um ein kleines Stück Mallorca, was erhaltenswert ist und erhalten werden muss.

Oehm-Anwalt Rafael Barber-Llorente. / privat
Sie würden also das Grundstück absperren, der Zugang zur Bucht soll aber gleichzeitig nach Möglichkeit erschwert werden.
Er soll jedenfalls nicht vereinfacht werden und nicht so einfach bleiben wie jetzt, wo der Zugang durch die Mitte des Grundstücks der Familie Oehm läuft. Das ist ja momentan so, als würde man als Hausbesitzer alle Leute durch den eigenen Garten marschieren lassen.
Es ist aber ein Unterschied, ob ich irgendwo am Waldrand wohne, wo ohnehin niemand unterwegs ist, oder mir ein Grundstück kaufe, das an zwei beliebte und wunderschöne Buchten angrenzt.
Es soll auf jeden Fall gewährleistet bleiben, dass die Einwohner von Santanyí und vor allem natürlich die Anlieger der Cala s’Almunia weiterhin uneingeschränkten Zugang haben werden, auch über das Grundstück der Familie Oehm. Das soll dann so ähnlich wie bei der Familie March laufen (auf dem Landgut s’Avall in den Gemeinden Ses Salines und Santanyí, Anm. d. Red.). Da zeigt man einen Ausweis vor und kann durch. Der Eingriff gilt insbesondere auswärtigen Besuchern, die für zwei, drei Stunden dort hinkommen, ein Selfie machen und kurz ins Wasser gehen. Diese Masse soll besser kontrolliert werden. Es ist auch nur ein Versuch und die letzte Option, die einem Eigentümer einfällt, der zehn bis 20 Jahre die Verwaltung angefleht hat, eine Lösung zu finden.
Was alles gehört zum Grundstück der Oehms?
Im Grunde die gesamte Halbinsel. Kurz nach den Fischerhäuschen der Cala s’Almunia steht eine Art Zaun mit einer Gartentür, die dann verschlossen wird.
Wo würde dann der öffentliche Zugang entlangführen?
Entweder die Treppe hinunter und dann außen an der Küstenlinie entlang oder über den Zugang, der näher am Parkplatz liegt und derzeit ja schon genutzt wird. Dieser führt über andere Privatgrundstücke. Mit den Eigentümern haben wir bisher aber keine Absprachen.
Haben Sie sich mit den Anwohnern von s’Almunia kurzgeschlossen?
Wir wollen sie nun alle zusammenbringen. Es gibt schon eine WhatsApp-Gruppe. Die sitzen da und lesen Dinge in der Zeitung. Wir müssen ihnen erklären, dass da nichts weiter dahintersteckt, und wir wollen keine falschen Gerüchte streuen.
Der Zugang des Caló des Moro wird weiterhin uneingeschränkt sein, ohne Reservierung oder ohne Eintritt?
Ja. Entweder über die Nachbargrundstücke oder die Küstenlinie.
Ist der Weg, der mitten über das Grundstück der Oehms führt, nicht ein öffentlicher Weg?
Nein, definitiv nicht. Es gibt sehr alte Luftbilder von dem Grundstück, da sind das alles Felder. Da gibt es keinen Weg und es ist auch kein Wegerecht darauf. Der Weg ist in keinem Wegekatalog eingezeichnet, wir nehmen da niemandem ein Recht weg. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass es sich hier um ein Antragsverfahren handelt. Wir fangen ja nicht morgen an, hier einen Zaun zu ziehen. Ich rechne damit, dass die Genehmigung sehr lange dauert bei der Verwaltung.
Wo reichen Sie den Antrag ein?
Bei der Gemeinde und der Küstenbehörde. Denn der Küstenstreifen ist unterteilt in verschiedene Bereiche und ganz vorne gibt es den sogenannten dominio público und den dominio tránsito, da dürfen wir ohnehin nichts einzäunen.
Wie argumentiert die Familie Oehm?
Mit dem Schutz der Halbinsel. Es gibt unterirdische Höhlen, die absacken. Jeden Tag wird Sand vom ohnehin kleinen Strand abgetragen. Das Fleckchen liegt der Familie am Herzen. Sie könnte auch oben in ihrem Haus sitzen und sagen: Mir doch egal, was da unten passiert. Aber es wird ja deutlich, dass die Oehms das Gebiet erhalten wollen, wenn man die Vegetation sieht. Sie wollen dort ja keinen Pool bauen. Aus juristischer Sicht ist der Schritt für mich eine Notwehr für das Land, nicht für die Oehms.
Warum kommen Sie bei der Gemeinde nicht weiter?
Termine werden oft verschoben. Bisher kam gar nichts von der Gemeinde. Es sind so viele Jahre vergangen, in denen bis auf den neuen Parkplatz nichts passiert ist. Die Küstenbehörde hat sogar Bußgeldbescheide gegen die Familie erlassen, weil die Oehms auf ihrem Grundstück Vegetation angepflanzt haben. Das sind aber einheimische Pflanzen und nicht etwa deutsche Vergissmeinnicht.

Heillos überlaufen: So geht es in der Instagram-Bucht Caló des Moro auf Mallorca zu / B. Ramon
Wie sollen die Einwohner von Santanyí das Gebiet betreten? Mit einer Einlasskontrolle?
Das haben wir noch nicht genauer definiert. Klar ist nur, dass sich der Zugang wirklich auf die Einwohner von Santanyí beschränken soll, die anderen Balearen-Bewohner sind ebenfalls ausgeschlossen. Das soll so ähnlich funktionieren wie es auch bei der Finca s’Estalella nahe Sa Ràpita geplant ist.
Muss man nun Angst haben, dass mit diesem Prozedere weitere Gebiete auf Mallorca abgesperrt werden?
Es gibt nicht viele Fincas, die dafür infrage kommen. Einige Gebiete sind inzwischen öffentlich, der Inselrat kauft ja immer wieder Fincas auf.
Aus ethischer Perspektive gefragt: Darf man einen Caló des Moro der Allgemeinheit vorenthalten? Solche Schätze machen Mallorca schließlich aus.
Solange es keine Regelung gibt, die die Übernutzung verhindert, bleibt keine andere Lösung, als dass die privaten Eigentümer die Bösen im Film spielen.
Welche Rolle spielt bei der ganzen Aufregung, dass die Oehms Deutsche sind?
Es spielt eine Rolle. Die Deutschen sind sehr dominant auf Mallorca. Es gibt viele deutsche Unternehmer hier, die sehr rege sind, Dinge optimieren wollen und Geschäfte machen. Dadurch fallen sie auf. Engländer und Franzosen sind weniger dominant. Wären die Oehms Mallorquiner, hätte man sie früher gehört und es hätte keinen solchen Wirbel gegeben.
Schürt das Vorhaben der Oehms neue Ressentiments gegen Deutsche?
Ich hoffe nicht. Viele sehen ja das Ziel der Oehms. Dass es ihnen nicht darum geht, einen Pool zu bauen, sondern das Land zu erhalten.
Ist es nicht sowieso an der Zeit, diese Bucht aus Sicherheitsgründen komplett zu sperren?
Für die Bucht wäre es wohl das Richtige.
Abonnieren, um zu lesen
- Weißer Hai im spanischen Mittelmeer nachgewiesen: Studie bestätigt seltenen Fund
- Openings am Ballermann 2026: Wann Megapark, Bierkönig, Bamboleo, Oberbayern und Co. in die Saison starten
- Wegen 'erheblicher Verunsicherung': Steigenberger Hotel Camp de Mar bittet um Unterstützung und Vertrauen der Gäste
- Ich bin schon ein Arschloch': 'Goodbye Deutschland'-Mallorca-Auswanderer Steff Jerkel hat Peggy Jerofke Only-Fans-Villa-Projekt verheimlicht
- Nach 13 Jahren: Das 'Goodbye Deutschland'-Lokal Red Rubber Duck in Peguera hat zugemacht
- Passagierin im durchgestarteten Eurowings-Flieger auf Mallorca: 'Die Leute haben vor Panik geschrien
- Die Uhr tickt: Findet sich noch vor Saisonbeginn ein Betreiber der Playa de Palma?
- Das große Krabbeln auf Mallorca hat begonnen: Hüten Sie sich jetzt vor den Prozessionsspinner-Raupen