Frischer Fisch von Mallorca: Die Ausländer kennen die Arten nicht - und die Jüngeren wollen sie nicht zubereiten
Antoni Grau, Generaldirektor für Fischerei der Balearen-Regierung, über die Vorlieben der Verbraucher, den Weg vom Fang bis auf den Teller und den Sinn von Meeresschutzgebieten

Fischer auf Mallorca. / Bernardo Arzayus
Fragen an Antoni Grau, Generaldirektor für Fischerei der Balearen-Regierung.
Sie warnen davor, dass der Konsum von frischem Fisch auf den Balearen in Gefahr ist. Warum?
Weil manche Auflagen nicht zu erfüllen sind. Fischen ist nicht nur der Fang an sich; dahinter steckt eine Kultur und eine nachhaltige Wirtschaftsform. Traditionell wird der rund um die Balearen gefangene Fisch von den Bewohnern konsumiert. Die Ausländer kennen unsere Arten ja nicht.
Wie verändert sich derzeit der Konsum?
Die Jüngeren essen zwar weiter gerne Fisch, aber sie mögen es nicht, ihn zuzubereiten. Und wir haben das Problem, dass viele Menschen unsere Arten nicht mehr kennen.
Was lässt sich dagegen tun?
Als Erstes die Identifizierung des Fisches auf den Märkten erleichtern. Man muss den lokalen Fisch kennen, um ihn genießen zu können. Hier kommen auch die Freizeitfischer ins Spiel. Sie lernen, die Arten zu identifizieren. Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass die Freizeitfischer einen Großteil der Konsumenten des lokalen Fisches ausmachen.
Was wird seitens der Regierung getan, um den Konsum zu fördern?
Wir entwickeln mehrere Programme. Eines davon ist, die Zubereitung von Fischbrühe mit Felsenfisch zu fördern, um diese Arten besser vermarkten zu können. Die Leute reagieren positiv darauf.
Ist lokaler Fisch teuer?
Das hängt von der Art ab. Der gerret (Schnauzenbrasse, Anm. d. Red.) ist zum Beispiel sehr günstig und wird hier schon immer gegessen. Was keinen Sinn ergibt, ist, dass auf den Balearen der am meisten konsumierte Fisch der norwegische Lachs ist. Es sollte eine Art sein, die in unseren Gewässern gefangen wird.

Setzt sich für den Konsum des lokalen Fisches ein: Generaldirektor Antoni Grau, hier neben einer Karte des Meeresschutzgebietes Ponent. / B. Ramon
Lässt sich feststellen, ob der lokale Fisch, der in Restaurants serviert wird, tatsächlich auf den Balearen gefangen wurde?
Grundsätzlich ja, denn die Boote müssen, wenn sie im Hafen ankommen, ihren Fang bei der Fischauktion abliefern, und dort wird der Fisch etikettiert. Das bedeutet nicht, dass alle Restaurants sich daran halten. Wir wollen deswegen ein Verzeichnis jener Restaurants erstellen, in denen nur einheimisches Produkt verkauft wird.
Gibt es Fischer, die weiterhin direkt an die Restaurants verkaufen?
Ja, ich nehme an. Es ist unmöglich, das zu kontrollieren. Der Direktverkauf ist aber verboten. Jeder gefangene Fisch muss zur Auktion gebracht werden.
Gibt es eine einheimische Meeresart, die vom Aussterben bedroht ist?
Die am meisten konsumierte Fische sind nicht vom Aussterben bedroht. Es gibt einige Arten, die gefährdet sind, aber nicht erst jetzt, sondern seit vielen Jahren, seit die Fanggeräte verändert wurden. Zudem haben sich dank der EU-Auflagen viele Arten wieder etwas erholt. Der Zustand unserer Gewässer ist allgemein sehr gut, die auferlegten Einschränkungen wirken sich positiv aus. Und die Fischer ziehen es vor, größere Fische zu fangen, weil sie teurer sind.
Wie würden Sie die Fischer der Balearen definieren?
Schwierig. Wenn überhaupt würde ich sagen, dass sie konservativer sind als in anderen Gebieten. Sie haben erkannt, dass sie, wenn Arten geschützt werden, zum Beispiel durch Meeresschutzgebiete, mehr Fisch fangen, und das bei weniger Arbeitstagen.
Wie gehen Sie gegen illegale Fischerei vor? Welche Strafen drohen?
Die meisten Verstöße sind wegen Fischens in geschützten Zonen oder außerhalb der Saison. Es wird auch bestraft, zu kleine Fische zu fangen. Wenn der Fischer die Regeln nicht kennt und aus Unwissenheit handelt, sind es geringe Sanktionen. Die meisten Geldstrafen liegen zwischen 150 und 30.000 Euro. Es hängt von der Schwere des Verstoßes ab.
Die Balearen verfügen über zwölf Meeresschutzgebiete. Sind weitere geplant?
Wir haben zwei Projekte auf dem Tisch eines vor Formentera und ein weiteres vor Sóller. Wir sind dafür, aber die Ausweisung als Meeresschutzgebiet hängt nicht von der Landesregierung ab, sondern von anderen Verwaltungen. Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass es nicht mehr Schutzgebiete geben darf als Bereiche, in denen man fischen darf.
Abonnieren, um zu lesen
- Wegen des Iran-Kriegs: Plötzlich sind Immobilien auf Mallorca für Investoren aus Dubai interessant
- Rekord gebrochen: Nie hat es so viel am Flughafen Mallorca geregnet wie diesen Winter
- Wetter auf Mallorca: Sturmtief sorgt für Schnee, Hagel und Kälteeinbruch am Wochenende
- Langzeitprognose: So soll das Wetter im Frühling 2026 auf Mallorca werden
- Wie viel es kostet, auf Mallorca eine Bar oder ein Restaurant zu eröffnen - und welche Fallen lauern
- Vergabe-Krimi auf Mallorca beendet: Die Playa de Palma hat einen neuen Betreiber
- Flughafen-Bus schlagartig 2 Euro billiger: Palma senkt den Fahrtpreis für Mallorca-Urlauber kräftig
- Mallorcas MotoGP-Held Jorge Lorenzo über seinen neuen Job: 'Lange Zeit hatte ich selbst Zweifel
