93 Prozent Überlebensrate: Warum ein Posidonia-Projekt auf Mallorca jetzt als Hoffnungsträger gilt
In der Bucht von Pollença trägt die Wiederherstellung der Wunderpflanze Neptungras Früchte: Fast alle verpflanzten Exemplare leben und gedeihen sechs Jahre später

Pflanzung von Neptungras in der Bucht von Pollença. / Redeia
Ein Pilotprojekt für ein bedrohtes Ökosystem auf Mallorca zeigt Wirkung: Der "Meereswald" aus Neptungras (Posidonia oceanica) in der Bucht von Pollença entwickelt sich langsam, aber stetig. Am Mittwoch (18.3.) haben der spanische Netzbetreiber Redeia und das Meeresforschungsinstitut Imedea in Esporles die Ergebnisse der Wiederanpflanzung von zwei Hektar Posidonia in dieser Zone vorgestellt. Die Daten des Abschlussberichts zeigen, dass die Überlebensrate der wiederhergestellten Exemplare sechs Jahre nach der Pflanzung bis zu 93 Prozent beträgt.
Zwischen März 2018 und Februar 2020 hatten Red Eléctrica und Imedea gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium und dem Militärflugplatz von Pollença 12.800 Pflanzenfragmente des Neptungrases in der Bucht verpflanzt. Dafür verwendeten sie eine innovative Technik, bei der Taucher die Rhizomfragmente auf dem Meeresboden verankert haben. Die Pflanzung wurde anschließend überwacht, und das Gebiet wurde mit Schutzbojen abgegrenzt.
Zarte Pflänzchen: Posidionia bleibt klein
Jährlich verfolgten die Experten die Entwicklung der verpflanzten Rhizomfragmente. Demnach bleibt die durchschnittliche Größe der Pflänzchen ähnlich wie zum Zeitpunkt der Verpflanzung - sogar mit einer leichten sinkenden Tendenz, die aber nach fünf Jahren der Pflanzung stagniert. Zumindest einige Exempre haben ihre Größe auch um bis zu 32 Prozent erhöht. Die Daten belegen das langsame Wachstumstempo der Posidonia und damit auch der Erholung der schutzbedürftigen Neptungraswiesen.
Jorge Terrados, Wissenschaftler am Imedea, betonte aber, dass die Anpflanzung von Posidonia technisch machbar ist und erfolgreich sein kann. "Wir sind optimistisch, wir vertrauen darauf, dass unsere Pflanzung in den kommenden Jahrzehnten weiter wächst", versicherte er, fügte jedoch hinzu, dass die Erholung sehr langsam sei. "Das überrascht uns nicht, außerdem wird auch die Wiederherstellung des Ökosystems langsam sein", ergänzte Terrados. Es gehe darum, die Struktur der Posidonia, ihre ökologische Funktionsweise und den damit verbundenen Nutzen für das Ökosystem wiederzugewinnen.
Neptungras gilt als wahre Wunderpflanze, denn es ist als Lebensraum für Fische ein wichtiger Faktor für die Artenvielfalt und speichert in seinen Wurzelsystemen Dreck und CO2 – somit hält die Posidonia das Mittelmeer sauber und leistet auch einen Beitrag gegen den Klimawandel. Nach Angaben von Wissenschaftlern speichert jeder Hektar Seegraswiese 1.600 Tonnen Kohlenstoffdioxid.

Ein Fischschwarm über einer Seegraswiese / Ajuntament Eivissa
Abkommen zwischen Forschern und Netzbetreiber
Das Projekt zur Wiederaufforstung in der Bucht von Pollença entstand im Kontext der Stromkabel, die seit dem Jahr 2007 zwischen den Balearen-Inseln einerseits und dem Festland andererseits verlegt wurden. Da der spanische Netzbetreiber seine Kabel dabei auch durch Neptunggraswiesen ziehen musste, kam ein Abkommen mit dem Meeresforschungsinstitut zustande.
Später entstand daraus die Plattform Bosque Marino von Redeia, die sich darum bemüht, die Erhaltung und Wiederherstellung mariner Ökosysteme mit wissenschaftlich fundierten Methoden voranzutreiben sowie Umweltbildung und Umweltaufklärung zu fördern. Derzeit verfügt Bosque Marino über mehrere Projekte, die auf verschiedene marine Lebensräume ausgerichtet sind, neben der Posidonia im Mittelmeer auch auf Gorgonien im Atlantik und künftig auf Makroalgen.
Praktischer Leitfaden für die Posidonia-Aufforstung
Während der Veranstaltung war die Imedea-Forscherin Inés Castejón dafür zuständig, eine neue Ausgabe des "Leitfadens für die Pflanzung von Posidonia" vorzustellen, der die verwendete wissenschaftliche Pflanztechnik zusammenfasst. Die Erkenntnisse sollen so weitere Verbreitung finden und auch von anderen Einrichtungen angewandt werden können. So könne die gesammelte Erfahrung zur Wiederherstellung und Erhaltung dieses einzigartigen und ökologisch hochwertigen Lebensraums beitragen.
Jorge Terrados erklärte, dass der in Pollença erzielte Erfolg es ermöglicht hat, die Technik auf andere Orte der Balearen zu übertragen, wie im Fall von Menorca, wo sie bereits in Cala en Bosch, in der Bucht von Fornells und in Cala Blanca zum Einsatz kam. /bro
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