Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Pottwale stoßen sich tatsächlich mit dem Kopf: Forscher bestätigen das Verhalten, das „Moby Dick“ inspirierte

Die Aufnahmen von Drohnen filmten das Verhalten von Pottwalen, in den Gewässern Nahe der Azoren und den Balearen zwischen 2020 und 2022

Forscher filmen erstmals Pottwale, die sich gegenseitig mit dem Kopf rammen / Agenturen

Schon Walfänger und Seeleute im 19. Jahrhundert berichteten davon, dass Pottwale ihren massigen Kopf einsetzen, um Gegenstände zu rammen – sogar Schiffe. Diese Erzählungen inspirierten einen der berühmtesten Romane der Weltliteratur: Moby Dick“.

Nun ist es Wissenschaftlern der Universität St. Andrews in Schottland erstmals gelungen, dieses Verhalten zu dokumentieren. Mithilfe von Drohnen filmte ein Forschungsteam, wie sich mehrere Pottwale gegenseitig Kopfstöße versetzen. Damit bestätigen die Aufnahmen Berichte, die bisher eher als Seemannsgarn galten. Die Szenen wurden zwischen 2020 und 2022 auf den Azoren und vor den Balearen aufgenommen. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden am Montag (23.3.) in der Fachzeitschrift „Marine Mammal Science“ veröffentlicht.

Balearische NGO an Studie beteiligt

„Es war wirklich aufregend, dieses Verhalten zu beobachten, von dem man seit Langem vermutet hatte, dass es existiert, das aber bislang weder dokumentiert noch systematisch beschrieben worden war“, erklärte Alec Burslem, der inzwischen an der Universität von Hawaii arbeitet. An der Studie beteiligt waren auch Forscher der Universität der Azoren sowie der auf den Balearen ansässigen NGO Tursiops, die sich für den Schutz von Meeressäugern einsetzt.

Die Aufnahmen zeigen, dass dieses Verhalten nicht nur bei ausgewachsenen Männchen vorkommt. Auch jüngere Tiere beteiligen sich daran. Welche Funktion diese Kopfstöße genau haben, ist bislang allerdings unklar. Die Wissenschaftler wollen nun herausfinden, ob sie etwa eine Rolle für den Zusammenhalt der Gruppe oder die soziale Dynamik der Tiere spielen.

Dafür seien weitere Aufnahmen nötig. „Wenn es Menschen gibt, die ähnliches Material haben, wären wir sehr daran interessiert“, sagte Burslem.

Grund für das Verhalten noch unklar

Seit Jahrzehnten gibt es verschiedene Theorien zu diesem Verhalten. Einige Forscher vermuten, dass es sich um Konkurrenzkämpfe zwischen Männchen handeln könnte, die meist unter der Wasseroberfläche stattfinden und deshalb schwer zu beobachten sind. Andere halten dagegen, dass Pottwale ihren Kopf kaum regelmäßig als Waffe einsetzen dürften, weil dabei empfindliche Strukturen beschädigt werden könnten, die für Echoortung und soziale Kommunikation wichtig sind.

Wahre Geschichte inspirierte "Moby Dick"

Der bekannteste Vorfall ist die Geschichte der „Essex“: Das 27 Meter lange Segelschiff soll 1820 vor den Galápagosinseln von einem großen Pottwal gerammt und versenkt worden sein. Der Vorfall diente später als Vorlage für Herman Melvilles berühmten Roman „Moby Dick“.

Auch von anderen Walfangschiffen wie der „Ann Alexander“ und der „Kathleen“ wurde im 19. Jahrhundert berichtet, dass sie nach Angriffen von Pottwalen sanken. /slr

Tracking Pixel Contents