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"Besser, als die Milch wegzuschütten": Mallorcas Milch verlässt nach Molkerei-Aus jetzt die Insel

Nach der Schließung der Inselmolkerei Agama haben zwei mallorquinische Milchvieh-Betriebe eine vorläufige Lösung gefunden: Ab Freitag werden rund 22.000 Liter Milch alle zwei Tage per Schiff nach Valencia transportiert. Eigentlich total paradox

Miquel Vanrell vom Milchvieh-Betrieb Son Carbó in Campos.

Miquel Vanrell vom Milchvieh-Betrieb Son Carbó in Campos. / Manu Mielniezuk

Vorsichtiges Aufatmen in Mallorcas Milchvieh-Sektor: Die beiden Milchkuh-Betriebe, die ihre Milch bisher über den mallorquinischen Molkereizusammenschluss Agama vermarktet haben, können ihre Ware künftig über ein Molkereiunternehmen in Valencia vertreiben lassen. Ab Freitag (3.4.) werden alle zwei Tage insgesamt rund 22.000 Liter Milch von der Insel per Seetransport zum Festland gebracht. Das berichtet die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" unter Berufung auf Quellen der betroffenen Betriebe Son Carbó in Campos und Son Bernat in Llubí.

"Besser, als die Milch wegzuschütten"

Es waren die einzigen mallorquinischen Produzenten, die ihre Milch bis zuletzt über Agama vermarkteten. Als der Großkonzern der "Damm"-Gruppe, die Agama aufgekauft hatte, Anfang März die endgültige Schließung der Inselmolkerei zum 1. April bekannt gegeben hatte, traf die Nachricht den mallorquinischen Milchsektor wie ein Schlag ins Gesicht. Die größte Sorge der Landwirte: wohin mit den insgesamt rund 300.000 Liter Milch pro Monat?

Die Lieferungen nach Valencia sind nun eine Antwort darauf - wenn auch nur eine „vorübergehende“, "solange auf eine zufriedenstellende Lösung gewartet wird", die in der Vermarktung der Milch auf den Inseln bestehen würde, heißt es seitens der Betriebe.

Der Preis, den die mallorquinischen Produzenten fortan bekommen, ist nicht bekannt geworden. Beide Betriebe versicherten aber, dass es weniger sein wird, als die "Damm"-Gruppe bisher für einheimische Milch zahlte. "Aber es ist besser, als die Milch wegzuschütten“, betonen die Landwirte.

Nur Übergangslösung

Die Lösung, „die einzige, die wir jetzt haben“, sei bedauerlich und nicht zufriedenstellend, hieß es seitens Son Carbó. Auch die Genossenschaft der Holstein-Rinderhalter Mallorcas und die Organisation der Milchproduzenten (OPL) sind der Auffassung, dass die Situation trotz der Valencia-Lösung „einen schweren Schaden für den mallorquinischen Milchsektor darstellt – nicht nur wegen der zusätzlichen logistischen und wirtschaftlichen Kosten, die sie mit sich bringt, sondern auch wegen des Verlusts an Wertschöpfung für Mallorca und die Betriebe, die ohnehin schon unter besonders komplexen Bedingungen arbeiten“. Beide Einrichtungen, die ebenso wie die Gemeinde Campos die mallorquinische Gesellschaft dazu aufgerufen haben, keine Produkte der "Damm"-Gruppe mehr zu kaufen, warnen davor, dass der Abfluss der Milch von Mallorca „nicht zu einer strukturellen Lösung werden darf“.

Paradox: 95 Prozent der Milch, die Mallorca verbraucht, kommen von außerhalb

Auch die landwirtschaftliche Gewerkschaft UPA-AIA Balears betonte am Dienstag (31.3.) den „vorübergehenden“ Charakter dieser Maßnahme. Laut Joana Mascaró, der Exekutivsekretärin von UPA-AIA, sei es „lächerlich“, dass eine erhebliche Menge mallorquinischer Milch in eine andere autonome Gemeinschaft Spaniens exportiert werden müsse, während derzeit „nur 5 Prozent der Milch, die die Mallorquiner konsumieren, auf der Insel produziert werde“.

Es handelt sich um ein geradezu eklatantes Paradox, das den Willen, auf Ernährungssouveränität hinzuarbeiten und den Konsum lokaler Produkte zu fördern, zunichtemacht. Darüber hinaus sei es nicht nur eine vorläufige, sondern auch eine gefährliche Maßnahme, da es „nicht einfach ist, eine regelmäßige Gütertransportlinie zum Festland aufrechtzuerhalten, weil sie zudem von den Wetterbedingungen abhängig ist“, unterstreicht Joana Mascaró.

Die Produzenten prüfen gemeinsam mit der Landesregierung weiterhin neue Alternativen, um die Milch unterzubringen, räumen jedoch ein, dass es bislang noch keine zufriedenstellende Lösung gibt.

"Den Sektor begleiten"

Das balearische Landwirtschaftsministerium wiederum verteidigt, dass seit Beginn daran gearbeitet worden sei, „eine Lösung für die Schließung von Agama zu erleichtern und den Sektor jederzeit zu begleiten“. „Die aktuelle Situation ist durch die Entscheidung der Damm-Gruppe geprägt, die Milchsammlung früher als ursprünglich vorgesehen zu beenden – trotz der dem Sektor mitgeteilten Zusagen, die auf eine Fortführung bis September hindeuteten“, ergänzt das Ministerium. /somo

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