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Pools auf Mallorca werden auch für Tiere immer wieder zur tödlichen Falle

Pools auf Mallorca sind nicht nur für kleine Kinder gefährlich. Auch Vögel, Katzen und andere Tiere können darin ertrinken, weil sie aus vielen Becken nicht mehr herauskommen. Die Zahl der Rettungseinsätze steigt

Vorsicht, nicht abrutschen! Immer wieder fallen auf Mallorca auch Katzen in Gewässer und kommen nicht aus eigener Kraft wieder heraus.

Vorsicht, nicht abrutschen! Immer wieder fallen auf Mallorca auch Katzen in Gewässer und kommen nicht aus eigener Kraft wieder heraus. / DIMA SOLOMIN/UNSPLASH

Sarah López

Sarah López

Als Kind hatte ich einen weißen Kater namens Moritz. Eines Tages war er verschwunden. Meine Familie und ich suchten die ganze Nachbarschaft ab, klopften an Türen und hängten Zettel mit seinem Foto an die Straßenlaternen. Dabei war er die ganze Zeit ganz in unserer Nähe. Er war in den Pool unseres Nachbarn gefallen und kam nicht mehr heraus. Moritz lag tagelang im abgestandenen Wasser. Ich weiß noch, wie mein Vater stöhnte, als er den leblosen Körper aus dem Becken zog. Der Kater war so schwer, weil er sich komplett mit Wasser vollgesogen hatte.

Die Geschichte spielte sich vor 20 Jahren im Großraum Valencia ab, sie könnte aber genauso gut heute auf Mallorca passiert sein. Auch auf der Insel verlieren regelmäßig Tiere bei Stürzen ins Wasser ihr Leben. Zahlen dazu hat die Auffangstation für Wildtiere der Artenschutzbehörde Cofib: In den vergangenen fünf Jahren musste diese auf den Balearen 255 Mal ausrücken, um Tiere aus dem Wasser zu holen. Häufig kamen sie zu spät. Viele Tiere seien bei der Ankunft ihrer Mitarbeiter bereits tot gewesen, teilt die Behörde der MZ mit. Dabei ist diese Statistik lediglich die Spitze des Eisbergs, denn nur Wildtiere werden gezählt. Für Haustiere, die in Pools ertrinken, gibt es keine offiziellen Zahlen.

Die Zahl der Einsätze steigt

Cofib muss Jahr für Jahr mehr Tiere aus Pools, Wasserbecken auf Fincas sowie dem Meer holen. Die steigende Zahl an Einsätzen kann allerdings auch daran liegen, dass mehr Bürger solche Vorfälle meldeten. 2024 wurden 40 Tiere aus Gewässern gerettet, 2025 waren es 68.

Auch Rafael Guerra Fritsch, deutsch-mallorquinischer Tierarzt von Huellas Mallorca in Palmanyola, hat in seiner Praxis bereits Bekanntschaft mit derartigen Fällen gemacht, wenn auch eher selten. Ein- bis zweimal im Jahr komme das vor. „Wobei die Tierhalter oft berichten, dass das Tier nicht das erste Mal ins Wasser gefallen ist“, sagt er. Die Tiere kommen bei ihm meist unterkühlt an, aber würden überleben. Besonders gefährdet seien sehr junge oder sehr alte Haustiere.

Wie kommt es dazu?

Die meisten Unfälle passieren im Sommer. Sowohl Wild- als auch Haustiere suchen Abkühlung oder wollen aus den Becken trinken. „Das Design vieler Pools macht es den Tieren unmöglich, wieder herauszukommen“, sagt Guerra. Problematisch seien etwa Becken ohne breite Stufen. Auch hohe Ränder, verwinkelte Formen oder ein großer Abstand zwischen Wasserspiegel und Beckenrand könnten dazu führen, dass Tiere sich nicht abstützen und aus dem Wasser klettern können. Zwar können viele Tiere schwimmen, doch irgendwann lassen ihre Kräfte nach. Dann ertrinken sie oder sterben an Unterkühlung. „Ich habe von Tierhaltern auch schon gehört, dass kleinere Tiere in Skimmern hängen bleiben“, sagt Guerra.

Vor allem für Vögel sind Pools eine gefährliche Falle. Laut Cofib ertrinken vor allem sie immer wieder in Schwimmbecken und anderen Wasseranlagen. Besonders häufig passiere das gegen Ende des Sommers, wenn die erste Flugzeit der Jungvögel beginnt. Aber auch im Winter fielen bei starken Stürmen immer wieder Vögel ins Wasser.

Was passiert mit den Tieren?

Seit 2004 werden die geretteten Tiere nach Art und Fundort erfasst. Seither wurden Hunderte Vögel aus Pools und Wasserbecken geborgen. An erster Stelle stehen Triele (Burhinus eodicnemus) mit 60 geretteten Tieren, gefolgt von Turmfalken (Falco tinnunculus) mit 50 Exemplaren. In Bewässerungsbecken auf Feldern rettet die Behörde ebenfalls vor allem Vögel, darunter 54 Rotmilane (Milvus milvus) und 43 Zwergadler (Hieraaetus pennatus).

Die geretteten Tiere werden in der Auffangstation versorgt und aufgepäppelt. „Die Verletzungen, die die Tiere erleiden, sind sehr vielfältig: Schnittwunden, Prellungen, abgebrochene Federn, Knochenbrüche oder Infektionen“, heißt es seitens von Cofib. Haben sie sich erholt, werden sie markiert und wieder in der Natur ausgesetzt.

Vorsorge ist möglich

Doch es muss nicht so weit kommen: „Es gibt Schutzvorrichtungen wie Planen, Abdeckungen oder Begrenzungsbarrieren“, sagt Tierarzt Guerra Fritsch. Die Maßnahmen seien vergleichbar mit denen, die Familien mit kleinen Kindern zum Schutz am Pool ergreifen.

Auch Cofib informiert bei Rettungseinsätzen über mögliche Lösungen, etwa über Hilfskonstruktionen in Pools oder Wasserbecken, damit Tiere wieder herausklettern können.

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