Greenpeace warnt vor hoher Nitratbelastung im Grundwasser auf Mallorca: Wasser häufig nicht mehr trinkbar
Die Umweltschutzorganisation kritisiert die intensive Landwirtschaft und die Viehzucht als Hauptverursacher

Das Wasser aus dem Hahn ist in vielen Gemeinden auf Mallorca kaum mehr genießbar. / Agenturen
Die Qualität der Wasserreserven auf Mallorca ist in einem besorgniserregenden Zustand. Laut einem Bericht der Umweltschutzorganisation Greenpeace, der auf Daten des nationalen Informationssystems für Trinkwasser (SINAC) und eigenen Messungen beruht, gehören die Balearen zu den am stärksten von Nitrat belasteten Regionen Spaniens. Die Analyse ist eindeutig: 100 Prozent des Grundwassers auf den Inseln weisen eine geringere oder auch größere Nitratverschmutzung auf – einmalig in ganz Spanien.
Der Greenpeace-Bericht hebt hervor, dass 2025 mehrere Gemeinden auf Mallorca Werte von mehr als 50 Milligramm pro Liter registrierten – den nach geltendem Recht zulässigen Höchstwert. Orte wie Sineu, Petra, Campos und Ariany fallen in die „schwarze“ Kategorie der Karte, was bedeutet, dass ihr Wasser zu verschiedenen Zeitpunkten des Jahres als nicht trinkbar eingestuft wurde.
Auch Llucmajor, Vilafranca oder Santanyí gefährdet
Die Umweltschützer warnen jedoch, dass das Problem viel weiter reicht. Llucmajor etwa befindet sich dauerhaft in der „roten Kategorie“ unter strenger Beobachtung und liegt konstant nahe am gesetzlichen Grenzwert. Gleiches gilt zu Teilen auch für Vilafranca de Bonany, Ses Salines und Santanyí.
Greenpeace setzt einen wissenschaftlichen Schwellenwert von 6 Milligramm pro Liter als Obergrenze an, um den langfristigen Gesundheitsschutz zu gewährleisten – insbesondere mit Blick auf Risiken wie Darmkrebs. Nach diesem deutlich strengeren Maßstab weisen große Teile der Region Es Pla sowie Gemeinden wie Sa Pobla, Muro und Felanitx eine deutliche Belastung auf, die zwar gesetzlich noch zulässig, aus Sicht von Greenpeace jedoch höchst besorgniserregend ist.
Der aktuellste Fall kommt aus Sa Pobla, wo die Gemeinde seit Donnerstag (9.4.) das Trinkwasser für nicht genießbar erklärt hat. Die Nitratbelastung könne zeitweise außerhalb der Grenzwerte liegen, heißt es. Das Problem sei entstanden, weil es zu einem Defekt in der Trinkwasseraufbereitungsanlage gekommen sei. Bis dieser nicht behoben sei, solle das Wasser nicht getrunken werden.
Viehhaltung einer der Hauptverursacher
Greenpeace macht vor allem die intensive Landwirtschaft und die industrielle Viehzucht für dieses Problem verantwortlich. Stickstoffhaltige Düngemittel sowie Gülle aus Großbetrieben sickern in den Untergrund und belasten die Grundwasserleiter, die auf Mallorca begrenzt und nur sehr langsam regenerierbar sind.
„Wir exportieren Fleisch, aber bleiben auf Wasser von miserabler Qualität sitzen“, kritisiert die Organisation und fordert die Behörden auf, den Einsatz chemischer Düngemittel drastisch zu reduzieren und die Ausweitung der industriellen Tierhaltung zu stoppen, um die Wasserreserven der Insel zu retten.
Nach Angaben der Umweltorganisation „ist Nitratverschmutzung weder sichtbar noch riechbar. Sie ist da und nimmt zu – vor allem infolge des Einsatzes synthetischer Düngemittel in der intensiven Landwirtschaft und der enormen Menge an Exkrementen aus der industriellen Tierhaltung“.
Interaktive Karte zur Nitratbelastung in den Gemeinden

Die Karte von Greenpeace zeigt, wo die Probleme am stärksten sind. / DM
Greenpeace hat eine interaktive Karte veröffentlicht, auf die Wasserqualität aller Gemeinde im Hinblick auf die Nitratkonzentration eingesehen werden kann. Dieses Instrument, das auf den Daten für das Jahr 2024 aus dem nationalen Trinkwasser-Informationssystem SINAC des spanischen Gesundheitsministeriums basiert, macht die besorgniserregende Lage in Spanien sichtbar.
Die Karte – sie kann online eingesehen werden – zeigt die 332 Gemeinden, in denen das Leitungswasser im Jahr 2024 zeitweise nicht trinkbar war, weil die Nitratkonzentration den derzeitigen gesetzlichen Grenzwert von 50 mg/l überschritt.
Mehr als die Hälfte der Gemeinden über dem Grenzwert
Darüber hinaus verzeichnet sie 2.860 Gemeinden, in denen 2024 zumindest einmal der von der Wissenschaft empfohlene Wert von 6 mg/l erreicht oder überschritten wurde – jener Wert also, der nach wissenschaftlicher Einschätzung notwendig ist, um Menschen wirksam vor Krankheiten zu schützen, die mit Nitratbelastung in Verbindung gebracht werden, insbesondere vor Darmkrebs, der in Spanien die häufigste Krebsart ist. Insgesamt weisen 51,17 Prozent der untersuchten Gemeinden eine Nitratkonzentration im Wasser auf, die über dem von der Wissenschaft empfohlenen Grenzwert liegt.
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