Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Pottwal, Buckelwal und Co.: Diese Walarten tummeln sich im Meer rund um Mallorca

Immer wieder kommt es zu Sichtungen der Meeressäuger vor der Küste Mallorcas. Die MZ gibt einen Überblick über die verschiedenen Walarten, was man über sie wissen muss und wie man sie schützen kann

Auch vor der Küste Mallorcas kommt es immer wieder zu Walsichtungen.

Auch vor der Küste Mallorcas kommt es immer wieder zu Walsichtungen. / Foto: Asociación Tursiops

In den vergangenen Tagen hat ein Buckelwal vor der Insel Poel in Deutschland für Aufsehen gesorgt. Doch auch vor der Küste Mallorcas tummeln sich zahlreiche dieser Meeressäuger im Mittelmeer. Die Wale sind dabei besonders zwischen der Insel und dem spanischen Festland zu finden. Das Gebiet ist seit 2018 daher geschützt, nachdem ein sogenannter "Walkorridor" eingerichtet wurde. Besonders im Norden der Insel werden immer wieder Wale gesichtet. Welche Arten es im Meer vor Mallorca gibt und was man sonst noch über die Meeressäuger wissen muss. Ein Überblick.

Finnwale

Insbesondere Finnwale (Balaenoptera physalus) werden regelmäßig vor Mallorca gesichtet, oft im Frühjahr oder im Sommer. Die Tiere ziehen dabei durch die Gewässer der Balearen und sind schnelle Schwimmer und Tieftaucher. Finnwale können mehr als 20 Meter lang werden und gehören zu den Bartwalen, das heißt, dass sie sich von gefiltertem Krill ernähren. Für sie ist das Meer vor der spanischen Küste ein wichtiger Wanderweg.

Spektakuläre Aufnahmen vor Mallorca: Zwei Finnwale gesichtet

Ein Finnwal vor der Küste Mallorcas. / Josep Canyelles

Buckelwale

Eine Art, die im Mittelmeer eher selten gesichtet wird, ist der Buckelwal (Megaptera novaeangliae). Trotzdem gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Sichtungen. Wenn sich diese Wale vor der Küste von Mallorca zeigen, sind sie in der Regel unterwegs, um in kühlere und tiefere Gewässer zu gelangen, in denen sie Nahrung finden können. Der Bestand von Buckelwalen wird weltweit aktuell auf etwa 80.000 geschätzt.

Zuletzt wurde eines der Exemplare im März 2023 vor Mallorca gesichtet. Die Sichtung eines Buckelwals im Jahr davor nahm jedoch ein trauriges Ende: Im Mai 2022 war ein zehn Meter langes Exemplar, das sich in einem Treibnetz verfangen hatte, im Meer vor Mallorca zunächst von Tauchern bei einer spektakulären Aktion gerettet worden. Doch der Wal wies Hunderte von Schnittwunden auf und überlebte trotz des Einsatzes nicht.

Taucher mussten den Buckelwal befreien, der in ein Treibnetz eingewickelt war.

Taucher mussten 2022 einen Buckelwal befreien, der vor der Küste Mallorcas in ein Treibnetz eingewickelt war. / Padro Riera

Pottwale

Auch für Pottwale (Physeter macrocephalus) sind die Gewässer rund um die Balearen-Insel ideal. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Sichtungen, hauptsächlich jedoch von verendeten Exemplaren.

Die Cachalotes (Pottwale) erreichen eine Körperlänge von mehr als 20 Meter. Sie sind die größten Raubtiere der Erde. Ihr Leben spielt vor allem sich in schwindelerregenden Tiefen ab, deshalb sieht man oft nicht mehr als die Schwanzflosse beim Abtauchen. Sie machen vor allem Jagd auf Tintenfische, aber auch Riesenkalmare stehen auf ihrem Speiseplan. 

Laut der Marilles-Stiftung gibt es schätzungsweise eine schwankende Population von etwa 223 bis 543 Pottwalen rund um die Balearen, mit saisonalen Veränderungen und hoher Fluktuation. Im gesamten westlichen Mittelmeer gibt es im Vergleich etwa 1.009 Individuen.

Zwei Pottwale in klarem Wasser.

Zwei Pottwale in klarem Wasser. / Wolfgang Poelzer, 2012

Grindwale

Die Grindwale gehören wohl zu den kleinsten Walen, die man rund um die Balearen sichten kann. Sie erreichen eine Körperlänge von rund acht Metern und gehören zur Walgattung der Delfine. Diese Walart lässt sich öfter an der Oberfläche blicken, ebenso wie Große Tümmler oder Streifendelfine. Grindwale ernähren sich hauptsächlich vom Beifang und den Resten der Fischkutter und schwimmen diesen daher gerne hinterher.

Toben gerne zwischen einem Tiefseeberg und dem anderen hin und her: Grindwale.

Toben gerne zwischen einem Tiefseeberg und dem anderen hin und her: Grindwale. / Foto: Tursiops

Cuvier-Schnabelwale

Diese Walart ist extrem selten zu sehen, lebt jedoch in den Mittelmeer-Gewässern. Dass man die Cuvier-Schnabelwale (Ziphius cavirostris) kaum zu Gesicht bekommt, liegt auch daran, dass auch sie zu den Tieftauchern zählen. Bis zu drei Kilometer tief tauchen die Tiere unter die Meeresoberfläche ab und können bis zu zwei Stunden die Luft anhalten. Besonders empfindlich reagieren die Wale auf Unterwasserlärm.

Der Cuvier-Schnabelwal gehört zu der weit verbreiteten Art der Schnabelwale. Bei dieser Art ist der "Schnabel" jedoch kürzer und ähnelt dem einer Gans. Diese Walart kann bis zu sieben Meter lang und drei Tonnen schwer werden.

Diese Delfin-Arten gibt es im Mittelmeer

Auch Delfine gehören zur Gruppe der Wale. Im Meer rund um Mallorca leben der Große Tümmler (Tursiops truncatus), Streifendelfin (Stenella coeruleoalba) und Gemeine Delfin (Delphinus delphis) sowie der (Globicephala melas) der Rundkopfdelfin (Grampus griseus).

Delfine kommen auf Mallorca schon häufiger vor

Delfine kommen auf Mallorca schon häufiger vor / Tursiops

Was bedroht die Wale im Mittelmeer?

"Eine der größten Bedrohungen ist die Geschwindigkeit und Dichte des Schiffsverkehrs, da sie das Risiko von Kollisionen mit Schiffen erhöht. Dieses Problem ist besonders gravierend in stark befahrenen Gebieten, da Wale oft nicht rechtzeitig ausweichen können, vor allem wenn sie an der Oberfläche fressen oder ruhen", sagt Marina, Sprecherin der Marilles-Stiftung. Die Marilles-Stiftung beschäftigt sich besonders mit den Herausforderungen des Meeresschutzes.

Eine weitere wichtige Bedrohung sei der Unterwasserlärm durch Motoren. Wale sind auf Geräusche angewiesen, um sich zu orientieren, zu kommunizieren und Nahrung zu finden. Starker Lärm störe daher ihre „Gesänge“ und könne zu Desorientierung oder Kommunikationsproblemen führen.

Zwischen Mallorca und dem spanischen Festland tummeln sich besonders viele Wale. Daher ist das Gebiet seit 2018 geschützt. | FOTO: OCEANCARE

Zwischen Mallorca und dem spanischen Festland tummeln sich besonders viele Wale. Daher ist das Gebiet seit 2018 geschützt. | FOTO: OCEANCARE / Simone Werner

Besonders bedroht im Mittelmeer sind laut Marina von der Marilles-Stiftung die Pottwale. Obwohl 2022 ein Vorschlag zur Höherstufung des Schutzstatus eingebracht und auch vom Senat unterstützt wurde, wurde dieser vom spanischen Umweltministerium abgelehnt. "Dadurch ergibt sich die paradoxe Situation, dass die mediterrane Pottwalpopulation international als gefährdet anerkannt ist, aber nicht auf nationaler Ebene", sagt sie.

Wie können Wale rund um die Balearen geschützt werden?

"Die Schifffahrt sollte, insbesondere die Geschwindigkeit der Schiffe, und Gebiete von besonderem Interesse sollten geschützt werden, wie etwa der Norden Menorcas. Denn dort liegt das einzige bekannte Fortpflanzungsgebiet des Pottwals im westlichen Mittelmeer", erklärt Marina. Außerdem seien die Balearen besonders für Pottwale ein Schlüsselgebiet: So nutzen die Tiere die Gewässer hauptsächlich zur Nahrungssuche.

Im Juli 2023 wurde im nordwestlichen Mittelmeer eine „Besonders empfindliche Meereszone“ (PSSA) eingerichtet, initiiert von Frankreich, Italien, Spanien und Monaco. Sie umfasst unter anderem das Pelagos-Schutzgebiet und wichtige Migrationskorridore für Wale. "Allerdings schließt diese Zone die Gewässer rund um die Balearen nicht ein, obwohl Daten zeigen, dass dort häufig Gruppen mit Jungtieren vorkommen – eine besonders anfällige Population für Schiffskollisionen. Eine mögliche Umleitung des Schiffsverkehrs könnte diesen sensiblen Bereich sogar zusätzlich belasten", sagt Marina.

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents