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Umweltschützer warnen vor Folgen der Steinmännchen auf Mallorca: „Fürs Foto vergessen die Menschen alles“

Der Geograf Biel Perelló verweist auf Umweltfolgen und die Verwechslungsgefahr mit Wander-Markierungen

Steinmännchen am Turm Talaia d'Albercutx (Pollença).

Steinmännchen am Turm Talaia d'Albercutx (Pollença). / Bielperello.com

Das Stapeln von Steinen zu Steinmännchen hat auf Mallorca inselweit zugenommen. Dabei verursacht es Umweltprobleme und kann in den Bergen zur Verwirrung führen, da Wanderer die Türmchen mit den sogenannten fites (Steinmarkierungen zur Orientierung auf Wanderwegen) verwechseln könnten.

Bereits vor zehn Jahren hat die Umweltschutzorganisation Terraferida Alarm geschlagen. Vergangene Woche tat es nun der Fotograf und Geograf Biel Perelló auf seiner Internetseite bielperello.com, nachdem er die Talaia d’Albercutx in Pollença besucht hatte. „Es ist eine Schande. Im Sommer sieht man bei Sonnenuntergängen Hunderte von Steinen. Die Leute kommen mit Keyboards, Lautsprechern und zelebrieren Rituale und meditieren. Die Steinhaufen, die ich sehe, werfe ich um“, stellte er klar: „Sie machen es für Instagram. Es ist reine Selbstdarstellung. Es gibt Leute, die eine mystische Atmosphäre schaffen und dafür Geld verlangen", so seine Worte.

Perelló betonte, dass vor allem Unwissenheit dahinterstecke. „In sozialen Netzwerken mag das gut aus, aber es ist Ignoranz. Ich habe versucht zu erklären, warum man Steine nicht bewegen darf. Es braucht mehr Information seitens der autonomen Gemeinschaft. Auf den Kanaren wissen die Leute zum Beispiel, dass man bestraft wird, wenn man etwas mitnimmt. Die Menschen vergessen alles, nur um Fotos zu machen. Wir hatten unser ganzes Leben lang fites, um uns in den Bergen nicht zu verirren. Die Geschichte mit den anderen Steinmännchen ist seltsam und die Leute können beides miteinander verwechseln“, sagte er.

Kettenreaktion mit Folgen für Natur und Orientierung

„Viele sehen darin einen Trend, und es entsteht ein Nachahmungseffekt. Aufgrund der Kettenreaktion entstehen weitere sinnlose Steinhaufen“, erklärte Perelló.

Zugleich warnte er vor den Auswirkungen auf die Biodiversität der Insel: „Der große Fehler ist, zu glauben, dass ein Stein am Boden keinen Zweck erfüllt. Steine liegen dort nicht zufällig: An der Küste schützen sie vor Erosion und der Kraft des Meeres. In den Bergen stabilisieren sie den Boden und regulieren natürliche Prozesse. Unter jedem Stein leben Reptilien, Insekten, Schnecken oder Spinnen. Außerdem dienen sie als Unterlage für Flechten und Moos und schützen den Boden, weil sie verhindern, dass Regen und Wind die fruchtbare Erde abtragen.“

Für die MZ legte eine Urlauberin ein letztes Steinchen auf einen bereits bestehenden Turm

Für die MZ legte eine Urlauberin ein letztes Steinchen auf einen bereits bestehenden Turm / Foto: Nele Bendgens

Auswirkungen auf Wanderer

Bernat Fiol, Sprecher der Umweltschutzorganisation Gadma und langjähriges Mitglied der Plattform pro camins públics i oberts (Initiative für öffentliche und zugängliche Wege), erklärt, dass das Problem zunehme. „Die fites markieren den Weg, und wenn Menschen Steine stapeln, kann das die Route verfälschen. Wer die Berge nicht kennt oder unsicher ist, kann dadurch verwirrt werden“, sagte er.

Er unterschied zwei Arten von "Tätern": „Diejenigen, die glauben, etwas Gutes zu tun, und diejenigen, die eigentlich wissen, dass es falsch ist. Eine Route aus Nachlässigkeit oder zum Spaß zu verändern, ergibt keinen Sinn. Erfahrene Wanderer machen so etwas nicht. Es gibt aber Menschen, die eine fita zerstören und eine alternative Markierung setzen“, so Fiol.

Zwar sei es danke Handys in Gebieten mit Empfang schwer, sich zu verirren, doch in Abschnitten ohne Netz seien gut gesetzte fites eine wichtige Hilfe. „Unerfahrene Wanderer können Probleme bekommen. Die Berge sind ein sehr ernstzunehmender Ort. Steinhaufen stellten ein Risiko dar, insbesondere für Anfänger oder Menschen, die eine Route zum ersten Mal gingen.

So sieht das Schild aus, dass das Stapeln von Steinen zu Steinmännchen verbietet.

So sieht das Schild aus, dass das Stapeln von Steinen zu Steinmännchen verbietet. / DM

Alarm bereits vor zehn Jahren in Ses Salines

Jaume Adrover, Sprecher von Terraferida, erinnerte daran, dass seine Organisation bereits vor zehn Jahren auf das Phänomen hingewiesen habe. „Wir haben in Ses Salines begonnen und wollten verstehen, was die Menschen dazu bewegt. Es handelte sich um eine buddhistische Tradition, die sich durch Nachahmung weltweit verbreitete“, erklärte er.

Ein damals veröffentlichter Artikel habe große Wirkung gezeigt. „Wir haben erreicht, dass die Behörden Schilder und Symbole aufstellen, die das Stapeln von Steinen verbieten. Manche respektieren das, andere nicht“, sagte Adrover, der fordert, dass die Behörden noch mehr eingreifen. „Die Steinhaufen müssen entfernt werden, und in sensiblen Gebieten sollte es ab und an Kontrollen und auch Sanktionen geben. Früher haben wir den öffentlichen Raum nicht so stark verändert wie heute. Die Einheimischen sind sich dessen eher bewusst." Meist seien Urlauber für die Steinmännchen verantwortlich.

Das Phänomen müsse rasch angegangen werden, da die Folgen in einigen Jahren auf ganz Mallorca deutlich sichtbar sein könnten.

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