Es Trenc in Gefahr? Streit um legalisierte Poloanlage auf Mallorca spitzt sich zu
Nach der Legalisierung der Anlage in Campos warnen Més und der Gob vor einer Aufweichung des Schutzstatus von Es Trenc. Ministerpräsidentin Marga Prohens spricht von „Fake News“

Archivbild von der Finca Sa Barralina. / DM
Die Auseinandersetzung um die illegal errichteten und nachträglich legalisierten Poloplätze von Sa Barralina im Süden von Mallorca geht weiter. Die Parlamentsfraktion von Més per Mallorca hat am Dienstag (21.4.) im Balearen-Parlament die 2025 von der PP betriebene Legalisierung der Anlage in der Gemeinde Campos mit den jüngsten Manövern der Landesregierung in Verbindung gebracht, die aus Sicht der ökologischen Regionalpartei darauf abzielen, „den Schutz“ des Naturparks Es Trenc zu „lockern“.
Im Rahmen einer parlamentarischen Anfrage an Ministerpräsidentin Marga Prohens erläuterte der Fraktionssprecher von Més per Mallorca, Lluís Apesteguia, die PP habe einen neuen Änderungsantrag in Bezug auf das sogenannte Dekret über strategische Projekte eingebracht, der „darauf abzielt, die hiesige Regelung für Strandbars der spanischen Gesetzgebung anzugleichen, die deutlich laxer ist“. Dieser Antrag komme zu jenem hinzu, den Més bereits vor wenigen Tagen angeprangert hatte und der es ermöglichen würde, das Gesetz zur Schaffung des Naturparks Es Trenc-Salobrar per Dekret zu verändern. Beide Schritte nähren bei Més den Verdacht, dass das derzeitige Schutzniveau des Naturparks im Süden der Insel gesenkt werden soll.
Ministerpräsidentin Prohens traf sich mit Unternehmern
Apesteguia koppelte seine Vermutung an die Vorgeschichte der vom Inselrat gegen das Polofeld Sa Barralina verhängte Strafe in Höhe von 400.000 Euro – wegen der Ausführung von Bauarbeiten ohne Genehmigung und wegen der Ausübung sportlicher Aktivitäten auf ländlichem Boden mit höchstem Schutzstatus ohne die dafür erforderliche Zulassung.
In diesem Zusammenhang erinnerte er daran, dass die deutsche Betreiberfirma des Polofeldes 2023 beim Obersten Gerichtshof der Balearen gegen das Dekret zur Genehmigung des Bewirtschaftungsplans (der sogenannte PORN) im Gebiet Es Trenc-Salobrar geklagt hatte und – ebenso wie andere Unternehmer – nach einem Treffen mit Ministerpräsidentin Prohens die Klage zurückzog. Més hatte bereits vor einigen Tagen angedeutet, dass eine mögliche Entschärfung des Schutzstatus von Es Trenc Teil eines „Versprechens“ von Prohens gegenüber Unternehmern aus Campos sein könnte, die sich seit Jahren gegen den Schutz dieses unberührten Küstenabschnitts stellen.

Auf der Finca Sa Barralina. / DM
Marga Prohens reagiert mit Ironie
Das Polofeld Sa Barralina in Campos steht seit Langem im Zentrum der Kontroverse. Vor diesem Hintergrund sieht Més in dessen Legalisierung einen weiteren mutmaßlichen Gefallen der Regierung Prohens gegenüber den in der Gemeinde ansässigen Unternehmen. „Mit dieser Vorgeschichte, mit diesen Begünstigten, die alles andere als vorbildlich und doch höchst bezeichnend sind – wie sollen wir da ruhig bleiben?“, fragte Apesteguia im Parlament.
Marga Prohens reagierte ihrerseits mit Ironie und erklärte, ihre einzigen Pläne in Bezug auf Es Trenc bestünden darin, „dort vielleicht einmal baden zu gehen, sofern es mein Terminkalender zulässt“ – eine Bemerkung, die auf der Regierungsbank mit Applaus aufgenommen wurde. Die Regierungschefin versicherte, der Schutzstatus für Es Trenc werde nicht aufgeweicht, und bezeichnete die Aussagen von Més in diesem Zusammenhang als „Fake News“.
Prohens fügte hinzu, dass „alle Naturparks per Dekret geregelt werden, sogar der Nationalpark Cabrera“, und dass auch das Gesetz zum Schutz ökologisch relevanter Räume (LECO) „festlegt, dass Planungsinstrumente per Dekret zu erlassen sind“.
Auch der Gob prangert die Legalisierung an
Més per Mallorca hatte vor einigen Jahren die Unregelmäßigkeiten rund um das Polofeld in Campos angezeigt, die nun in der Geldbuße von 400.000 Euro durch die Agència de Defensa del Territori (ADT) des Inselrats mündeten. Die Partei erklärte am Dienstag in einer Mitteilung zudem, die von der PP beschlossene Amnestie, mit der die Anlage legalisiert worden sei, „konsolidiere schwerwiegende Illegalitäten in geschütztem ländlichem Raum“. Die Botschaft sei „eindeutig: Wer gegen das Gesetz verstößt, kann am Ende davon profitieren, wenn sich die Situation später legalisieren und die Sanktion abmildern lässt“.
Blick ins Archiv – so genossen die Menschen früher das Leben am Traumstrand Es Trenc auf Mallorca / Archiv Diario de Mallorca
Auch die Umweltorganisation Gob prangerte in einem harten Kommuniqué den Fall des Polofeldes von Campos als „Paradebeispiel für Straffreiheit und Raumplanung nach Maß“ an. Die Umweltschützer erinnern daran, dass der Fall „eine lange Vorgeschichte“ habe und dass die Nutzung der Felder als Poloanlage bereits 2017 verboten worden und die Felder versiegelt worden seien. Trotzdem wurden 2024 wieder Wettkämpfe auf den Feldern abgehalten.
"Sehr gefährliche Botschaft"
Der Gob betont, der Fall sei „besonders gravierend“, weil sich die Aktivität „in ländlichem Raum mit höchstem Schutzstatus in unmittelbarer Nähe zu einem so sensiblen Gebiet wie Es Trenc verfestigt“. Wie Més hebt auch der Gob die „sehr gefährliche Botschaft“ hervor, die damit an die Öffentlichkeit gesendet werde: „Ein Verstoß gegen die Vorschriften kann sich lohnen, wenn man sich später eine gesetzliche Absicherung verschafft.“
Der Gob fordert daher vom Inselrat und von der Landesregierung, „diesen Praktiken ein Ende zu setzen und zu gewährleisten, dass die Vorschriften im Bereich der Raumplanung nicht zugunsten von Einzelinteressen verändert werden".
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