"Können nicht abwarten, bis der nächste Hai mit Axtwunden auftaucht": Tierschützer schreiben offenen Brief an Fischer auf Mallorca
Die auf den Meeresschutz spezialisierte Stiftung Marilles hat sich zu den zwei Haikadavern auf Mallorca geäußert

Einer der beiden Haikadaver vor Mallorca. / Palma Aquarium
Die Stiftung Marilles hat die balearische Fischereiflotte und insbesondere die Schleppnetzfischer aufgefordert, die Tötung unbeabsichtigt gefangener Stumpfnasen-Sechskiemerhaie zu beenden. Anlass sind zwei Tiere, die am Dienstag (19.5.) bei Cala Nova auf Mallorca gefunden wurden. „Es liegt in den Händen der balearischen Flotte, dafür zu sorgen, dass die Sechskiemerhaie vom 19. Mai die letzten sind, die an Bord eines balearischen Fischereifahrzeugs getötet wurden“, heißt es in der Pressemitteilung der Stiftung.
Der Stumpfnasen-Sechskiemerhai, auf Katalanisch boca dolça genannt, kommt nach Angaben von Marilles häufig in den Gewässern der Balearen vor. Er lebt in großer Tiefe und ernährt sich vor allem von bereits toten Tieren. Die wichtigste Todesursache sei die unbeabsichtigte Interaktion mit der Schleppnetzfischerei in tieferen Fanggebieten.
Marilles kritisiert, dass eine Minderheit von Fischern die Tiere nach dem Fang nicht freilasse, sondern an Bord töte. Die Stiftung verweist auf typische Verletzungen: Schnitte oder Hiebe am Nacken beziehungsweise an der Wirbelsäule. Solche Wunden seien auch bei den beiden in Cala Nova gefundenen Haien festgestellt worden. Ähnliche Fälle habe es bereits am Strand von Can Pere Antoni (Palma) im August 2025, in Puerto Portals im Jahr 2019 und in Molinar (Palma) im Jahr 2016 gegeben.
Welche Alternativen Marilles vorschlägt
Die Organisation betont zugleich, dass das Fehlverhalten weniger nicht den Ruf der gesamten Branche beschädigen dürfe. Die balearische Flotte habe in den vergangenen Jahren Anstrengungen unternommen, um nachhaltiger zu fischen – etwa durch weniger Fangtage oder dem Einrichten von Meeresschutzgebieten. Jeder getötete Hai werte diese Bemühungen ab, so Marilles sinngemäß.

Hier schwimmt der Stumpfnasen-Sechskiemerhai vor den Balearen / Sharkmed
Die Stiftung fordert nun, dass alle Schleppnetzboote Protokolle zur Freilassung lebend gefangener Tiere erhalten. Außerdem sollen alle unbeabsichtigten Fänge von Haien und Rochen dokumentiert werden, einschließlich des Zustands, in dem die Tiere wieder ins Meer gelassen werden. Die Behörden müssten zudem Verfahren beschleunigen, um technische Schutzmaßnahmen an Bord zu erlauben.
Als mögliche Lösung nennt Marilles unter anderem den Einsatz von Kränen, wenn große Tiere lebend an Bord kommen. Zudem habe die balearische Schleppnetzflotte bereits Systeme entwickelt, um Beifänge großer Tiere zu verhindern. Dabei handelt es sich um grobe Netzbarrieren, die sich jedoch noch in der Entwicklungsphase befinden und bisher nicht offiziell genehmigt sind.
Fischer sind nicht alleine schuld
Marilles macht auch deutlich, dass die Verantwortung nicht allein bei den Fischern liege. Die öffentlichen Verwaltungen müssten Systeme und Protokolle fördern, um unbeabsichtigte Fänge zu vermeiden und die Freilassung der Tiere zu erleichtern. Zugleich müssten Daten über Beifänge von Haien und Rochen erhoben werden, um bessere Schutzmaßnahmen zu entwickeln.
Die Stiftung erinnert daran, dass die balearische Schleppnetzflotte nach ihrer Ansicht vom spanischen Ministerium bei Fangtagen und Quoten schlecht behandelt worden sei. Auch durch ins Meer geworfene Thunfische anderer Fangflotten sei sie belastet worden. Dennoch könne man angesichts der Tötung von Haien „nicht schweigen“, so Marilles. "Wir können nicht untätig abwarten, bis in einigen Monaten oder Jahren wieder ein Hai mit einem Axthieb auftaucht", heißt es vonseiten der Stiftung.
Haie und Rochen seien für gesunde Meeresökosysteme unverzichtbar. „Ein Meer ohne Haie ist kein gesundes Meer“, heißt es in der Mitteilung. In der spanischen Mittelmeerregion gelten laut Marilles 55,2 Prozent der bewerteten Knorpelfischarten als bedroht. Auf den Balearen seien 54 Arten registriert, 31 davon bedroht, und zehn gelten als hierzulande ausgestorben.
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