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Wohl absichtlich von Fischern getötet: Zwei tote Haie an Küste vor Mallorca aufgetaucht

Zuletzt feierten die Experten die Sichtung der Sechskiemerhaie noch als Erfolg. Nun bedauern sie den Tod zweier Exemplare

Die Kadaver werden nun ins Palma Aquarium gebracht.

Die Kadaver werden nun ins Palma Aquarium gebracht. / Palma Aquarium

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Ralf Petzold

Ralf Petzold

Die Stiftung Meeresschutz des Palma Aquariums beklagt den Tod zweier Haie vor Mallorca. Wie die Fundación mitteilte, meldete eine Privatperson am Dienstag (19.5.) den Fund der im Meer treibenden Kadaver. Die Experten gehen davon aus, dass Fischer die Tiere absichtlich getötet haben.

Gegen 11.30 Uhr wählte die Privatperson den Notruf 112. Die Guardia Civil fand einen toten Hai zwischen Illetes und Cala Nova und bot sich an, den Kadaver an Land zu bringen. Die Stiftung Meeresschutz fuhr mit Hilfe der Besatzung des Hafens Port Cala Nova hinaus und fand ein zweites totes Exemplar.

Meist reglos in der Tiefe

Bei den Tieren handelt es sich um Stumpfnasen-Sechskiemerhai (Hexanchus griseus), auch Grauhai genannt. Erst vor einem halben Jahr feierten die Haiexperten die Sichtung eines Exemplars vor der mallorquinischen Küste.

Hier schwimmt der Stumpfnasen-Sechskiemerhai vor den Balearen

Hier schwimmt der Stumpfnasen-Sechskiemerhai vor den Balearen / Sharkmed

Denn die bis zu fünf Meter langen Urzeittiere - sie lebten bereits vor 200 Millionen Jahren - halten sich bevorzugt am Meeresgrund auf und suchen dort nach Aas, Krebstieren, Kopffüßern, Fischen und Knorpelfischen. Meist treiben die Sechskiemerhaie tagsüber reglos in 150 bis 200 Metern Tiefe. Erst nachts begeben sie sich in seichtere Gewässer.

Dann kommt es gelegentlich zu Zusammenstößen mit Schleppnetzfischern. Die seien gar nicht so selten, schreibt die Stiftung Meeresschutz in der Pressemitteilung. Für die Fischer sei es ein unliebsamer Beifang, da die Haie die Netze beschädigen, den Fang vernichten und ein Risiko für die Crew darstellen kann.

Mit der Axt getötet?

"Garnelen sind fragil, und wenn man zu ihnen eine 200-Kilo-Kreatur ins Netz presst, zerstört das den ganzen Fang", erklärte der Meeresbiologe Aniol Esteban, Leiter der Meeresschutzstiftung Fundació Marilles, in einem MZ-Interview 2023. „Einige Haie, die hier tot angespült wurden, wiesen Axtspuren am Körper auf.“

Auch die nun gefundenen Tiere sind keines natürlichen Todes gestorben. "Es handelt sich um zwei Weibchen, die in einem hervorragenden körperlichen Zustand waren", schreiben die Experten des Palma Aquariums. Beide Kadaver wiesen "schwere Wunden in der Rückenregion, die das Rückenmark durchtrennten und den Tod der Tiere verursachten" auf. Die Haie seien erst kürzlich verstorben. Die Stiftung Meeresschutz geht von Fischern aus, die die Tiere mit scharfen Gegenständen attackierten. Ob es sich dabei um eine Axt handelte, bleibt offen.

Die Guardia Civil brachte einen Kadaver an Land.

Die Guardia Civil brachte einen Kadaver an Land. / Palma Aquarium

Die Kadaver werden nun zu weiteren Untersuchungen ins Palma Aquarium gebracht, um mehr über die Haiart herauszufinden. "Die große Mehrheit an Fischern geht ihrem Job verantwortungsvoll nach", schreibt die Stiftung Meeresschutz. "Jedoch zeigen uns solche Funde, dass eine bessere Zusammenarbeit zwischen Fischern, Wissenschaftlern und Behörden nötig ist, um die Fischerei und den Erhalt der Tierarten unter einen Hut zu bringen."

Vergleichsweise viel Nachwuchs

Haie stehen vor der Herausforderung, dass sie langsam wachsen, erst nach einigen Jahren geschlechtsreif werden und meist nur wenig Nachwuchs haben – das macht sie besonders anfällig für jede Art von Bedrohung. Der Stumpfnasen-Sechskiemerhai hat jedoch vergleichsweise viele Nachkommen, da in ihm 30 bis 90 Eier heranreifen können.

Er ist ovovivipar, das heißt: Die Eier werden im Mutterleib ausgebrütet, und die Jungtiere schlüpfen noch im Körper des Muttertieres. „Die Ersten fressen die Eier und Embryone ihrer Geschwister – das nennt man intrauterinen Kannibalismus“, sagte Esteban. Auch wenn am Ende nur die Hälfte der Jungtiere übrig bleibe, sei die Zahl der überlebenden Baby-Haie durch die „Ei-Lebend-Geburt“ höher als bei vielen anderen Arten.

Dass die Tiere mal wieder an der Küste vor Calvià gefunden wurden, sei kein Zufall. Dort befinden sich laut Esteban seit einigen Jahren infolge einer illegalen Fangmethode Thunfischkadaver auf dem Meeresgrund und ziehen die Haie an.

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