35.000 Euro für einen Hektar Meer: Wie eine Initiative die Bucht von Portocolom schützen will
Die Stiftung Cleanwave will Tourismusunternehmen für ein Pilotprojekt in Sachen Meeresschutz gewinnen

Die Bucht von Portocolom, aufgeteilt in Blöcke: Hier können Unternehmen investieren, die sich für den Meeresschutz engagieren wollen. | F.: CLEANWAVE
Das Meer vor Mallorca ist für viele Urlauber vor allem Kulisse. Für die Stiftung Cleanwave ist es Arbeits- und Experimentierfeld zugleich. In der Bucht von Portocolom im Südosten der Insel will die Organisation ein Modell erproben, mit dem marine Lebensräume wiederhergestellt und private Geldgeber in den Meeresschutz eingebunden werden sollen.
Das Projekt begann 2022 als Pilotversuch. 2024 weitete es Cleanwave auf die gesamte Bucht aus. Die von Portocolom umfasst 75 Hektar. Im Mittelpunkt der Bestrebungen steht der Erhalt von Seegras-Wiesen und Makroalgenwäldern. Cleanwave setzt dabei nicht allein auf Pflanzaktionen. „Marine Restaurierung bedeutet nicht nur, den Meeresboden zu reinigen oder Posidonia zu pflanzen“, sagt Lucía Borges von Cleanwave. „Es ist ein ganzheitlicher Ansatz.“
Welche Maßnahmen ergriffen werden
Dazu gehören wissenschaftliches Monitoring unter Wasser, die Erfassung von Fischbeständen, die Kontrolle von Seegras- und Algenflächen, Maßnahmen gegen Belastungen wie Ankern sowie Bildungs- und Gemeinschaftsarbeit an Land. „Wenn man es sehr kurz zusammenfassen will, bedeutet marine Restaurierung, negative Einflüsse auf das Meer zu verringern – mit Unterstützung der lokalen Gemeinschaft und dort, wo es sinnvoll ist, auch durch Wiederanpflanzung“, sagt Borges.
Ein zentraler Punkt des Modells ist die Nachvollziehbarkeit. Cleanwave spricht von drei Elementen: Glaubwürdigkeit, Rückverfolgbarkeit und Sichtbarkeit. Nach Angaben der Stiftung haben unabhängige Fachleute ihr wissenschaftliches Protokoll für mediterrane Ökosysteme validiert, also für gutgeheißen. Auch die konkrete Umsetzung in Portocolom sei geprüft worden, unter anderem mit Blick auf Genehmigungen und lokale Steuerung. Borges nennt das den eigentlichen Pionieraspekt: die „doppelte Validierung“.
Für die technische und datenbasierte Seite arbeitet Cleanwave mit The Landbanking Group zusammen, einem deutschen Unternehmen aus dem Bereich Naturkapital. Dessen Rolle liegt nicht in der Restaurierungsarbeit vor Ort, sondern in der Aufbereitung der Daten. Karten, Messwerte, Bilder und Projektfortschritte sollen so dargestellt werden, dass Unternehmen und deren Nachhaltigkeitsabteilungen nachvollziehen können, was in der Bucht geschieht.
35.000 Euro por Hektar
Finanziert werden soll das Vorhaben über sogenannte Blöcke mariner Biodiversität. Cleanwave hat die Bucht in 75 Abschnitte aufgeteilt. Ein Block steht für die Finanzierung von Restaurierungs- und Schutzmaßnahmen auf einem Hektar über zehn Jahre. Die Beteiligung liegt pro Block bei 35.000 Euro. Anders als bei handelbaren CO₂-Zertifikaten soll es dabei keinen finanziellen Ertrag und keinen Weiterverkauf geben. „Wir versprechen keinen handelbaren finanziellen Wert“, sagt Lucía Borges. „Wir dokumentieren die Restaurierungsmaßnahmen.“ Zu den ersten Unternehmen, die das Projekt unterstützen, gehören laut Cleanwave die Hotelketten Riu und Universal, sowie die Firma Flor de Sal d'es Trenc.
Unternehmen, vor allem aus dem Tourismussektor, könnten dann damit werben und die Maßnahmen ihren Kunden vermitteln. Über die digitale Plattform „A Window into the Sea“ soll bekannt gemacht werden, wo gearbeitet wird, welche Daten erhoben werden und wie sich das Projekt entwickelt. „Tourismusunternehmen nutzen das Reiseziel so nicht nur als Teil ihres Geschäftsmodells“, sagt Borges. „Sie können es auch erhalten.“
Noch ist Portocolom der erste große Anwendungsfall. Cleanwave strebt aber eine deutliche Ausweitung an. Das Protokoll solle auch anderen Organisationen offenstehen. Ziel sei es, bis 2030 auf 1.000 Hektar restaurierte Fläche zu kommen.
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