Delfine vor Cabrera: Studie zeigt, wie wichtig Mallorcas Meeres-Nationalpark ist
Eine Studie der Vereinigung Tursiops schätzt die Population der Großen Tümmler im Nationalpark Cabrera auf etwa 82 Tiere, davon zwölf dauerhaft ansässig

Tursiops
Mindestens 82 Große Tümmler (Tursiops truncatus) haben sich in den vergangenen zwei Jahren in den Gewässern des Nationalparks Cabrera aufgehalten. Das geht aus einer Studie der Vereinigung Tursiops hervor, die erstmals eine Schätzung zur Größe der dortigen Delfinpopulation vorgelegt hat. Demnach leben rund zwölf Tiere dauerhaft in dem Schutzgebiet, etwa 60 weitere nutzen es zeitweise. Im Schnitt halten sich 17,8 Delfine gleichzeitig in den geschützten Gewässern auf.
Die Untersuchung kommt zudem zu dem Ergebnis, dass der derzeitige Schiffsverkehr im Nationalpark die Population nicht beeinträchtigt. Der wissenschaftliche Leiter des Projekts, José María Brotons, führte dies auf die bestehenden Schutzmaßnahmen zurück, darunter Geschwindigkeitsbegrenzungen für Boote und die geringe Zahl zugelassener Ankerplätze. Dadurch unterscheide sich die Lärmsituation im Nationalpark Cabrera deutlich von anderen Gebieten der Balearen.

Duna Márquez
213.000 Tondateien ausgewertet
Für die Studie werteten Brotons und sein Team mehr als 213.000 Tondateien aus. Sie waren über zwei Jahre mit sechs Unterwassermikrofonen aufgenommen worden, die rund um den Nationalpark in 30 bis 80 Metern Tiefe installiert waren. Die Forscher identifizierten dabei 82 verschiedene „Signaturpfiffe“ – individuelle Laute mit denen sich einzelne Tiere unterscheiden lassen.
Von den registrierten Delfinen wurden 58 mehr als einmal erfasst, zwölf Tiere tauchten in allen Monaten des Jahres auf. Das deutet nach Angaben der Forscher auf eine ansässige Population hin. Ein einzelnes Tier wurde akustisch sogar 193 Mal identifiziert. Die Anwesenheit der Delfine nimmt der Studie zufolge in den Sommermonaten ab. Als wahrscheinlichste Erklärung nennen die Forscher, dass die Tiere das Gebiet vorübergehend verlassen, um ihren Beutetieren zu folgen und andere Nahrungsgebiete zu nutzen.
Erhebliche Wissenslücken
Brotons wies darauf hin, dass es auf den Balearen trotz der weltweit guten Erforschung des Großen Tümmlers weiterhin erhebliche Wissenslücken gebe. Der Archipel sei ein besonders sensibler Lebensraum, weil die Delfinpopulationen dort isoliert seien und es eine Trennung zwischen den Beständen rund um Mallorca und Menorca einerseits sowie Ibiza und Formentera andererseits gebe.

Redaktion MZ
Zwar steigt der Unterwasserlärm in Cabrera in den zentralen Sommermonaten an, ein statistisch signifikanter Zusammenhang mit der Anwesenheit der Delfine wurde in der Studie jedoch nicht festgestellt. Anders sei die Lage auf Ibiza und Formentera, wo die Schallpegel nach Angaben von Brotons etwa doppelt so hoch seien wie rund um Cabrera und ein direkter Zusammenhang zwischen Lärmzunahme und Delfinvorkommen festgestellt wurde.
Der Forscher warnte zugleich davor, die Ergebnisse als Anlass für eine Lockerung des Schutzes zu verstehen. Die bestehenden Maßnahmen müssten fortgeführt werden, um die aktuelle Situation zu erhalten. Zudem forderte Brotons, die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf die gesamte erweiterte Zone des Nationalparks auszudehnen, um die Auswirkungen des Verkehrs großer Schiffe und Fähren auf andere Meeressäuger wie den Pottwal zu verringern. "Der Nationalpark schützt die Artenvielfalt, aber da kann sich noch was verbessern“, sagte er.
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