Tropennächte auf Mallorca: "Schlecht zu schlafen ist schlimmer, als die ganze Nacht die Klimaanlage laufen zu lassen"
Schlafexpertin Mónica de la Peña gibt Tipps, wie man während der heißesten Sommernächten auf Mallorca besser schläft

Kennt sich mit dem Thema "Schlaf" bestens aus: Mónica de la Peña. / ALBERTO DEL SALVADOR/HUSE
Wohl die wenigsten Urlauber und Residenten können dieser Tage behaupten, dass sie genügend geschlafen haben und erholt aufgewacht sind. Hitze, längeren Tageslichtzeiten, veränderte Gewohnheiten und die Tatsache, dass es selbst nachts kaum abkühlt: All das macht vielen zu schaffen. Die Lungenfachärztin und Spezialistin für Schlafstörungen Mónica de la Peña räumt im Interview mit der MZ-Schwesterzeitung mit einigen weitverbreiteten Mythen auf und hat auch ein paar Tipps parat, die zu besserem Schlaf während der heißen Sommernächten verhelfen sollen:
Tropische und sogenannte heiße Nächte treten immer häufiger auf. Wirkt sich das direkt auf die Schlafqualität aus?
Ja. Früher gab es nur wenige tropische Nächte, heute gehören sie praktisch zum Sommer dazu. Je höher die Außentemperatur ist, desto schwerer kann unser Organismus Wärme abgeben. Das erklärt, warum wir schlechter einschlafen, häufiger aufwachen und uns weniger gut erholen.
Warum schlafen wir schlechter, wenn es so heiß ist?
Weil unser Körper seine Körpertemperatur um ungefähr ein Grad senken muss, damit wir einschlafen können. Dieser Temperaturrückgang ist sowohl für das Einschlafen als auch für das Durchschlafen unerlässlich. Wenn die Umgebungstemperatur sehr hoch ist, fällt es dem Körper deutlich schwerer, die Wärme nach außen abzugeben.
Ist es normal, dass man im Sommer schlechter schläft, oder kann dahinter auch ein gesundheitliches Problem stecken?
Im Sommer ist es völlig normal, schlechter zu schlafen. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Erkrankung vorliegt. Drei Faktoren beeinträchtigen den Schlaf in dieser Jahreszeit besonders stark: die Hitze, die längeren Tageslichtzeiten und veränderte Gewohnheiten. All das sendet unserem Gehirn Signale, aktiv zu bleiben, statt sich auf den Schlaf vorzubereiten.
Was wäre der wichtigste Rat, um bei großer Hitze besser zu schlafen?
Man sollte versuchen, in einer möglichst kühlen Umgebung zu schlafen. Das ist die wirksamste Maßnahme. Idealerweise hält man während der gesamten Nacht eine angenehme Temperatur aufrecht. Wenn sich das Zimmer während des Schlafens wieder aufheizt, steigt auch unsere Körpertemperatur, und es ist sehr wahrscheinlich, dass wir dadurch aufwachen.
Manche schalten die Klimaanlage vor dem Zubettgehen ein und später wieder aus. Reicht das aus?
Wahrscheinlich nicht. Viele Menschen schaffen es so zwar einzuschlafen, doch wenn sich das Zimmer im Laufe der Nacht wieder aufheizt, steigt auch die Körpertemperatur. Das begünstigt nächtliches Aufwachen.
Ist es ungesund, die ganze Nacht bei eingeschalteter Klimaanlage zu schlafen?
Schlecht zu schlafen ist schlimmer, als die Klimaanlage die ganze Nacht laufen zu lassen. Allerdings kann die Klimaanlage die Raumluft austrocknen, sodass manche Menschen einen trockenen Hals oder trockene Schleimhäute bemerken. In solchen Fällen kann ein Luftbefeuchter helfen oder eine Kombination aus Klimaanlage und Ventilator. Wichtig ist außerdem, die Filter des Geräts sauber zu halten, um Probleme durch Staub oder Allergien zu vermeiden.
Und ein Ventilator?
Er kann helfen. Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass ein Ventilator die Luft nicht kühlt. Er bewegt sie lediglich und erzeugt dadurch ein Gefühl von Frische. Wenn der Raum sehr heiß ist, kann ein Ventilator die Temperatur nicht so senken wie eine Klimaanlage. Er kann die Hitze aber erträglicher machen.
Was können wir außer dem Kühlen des Schlafzimmers noch tun, um besser zu schlafen?
Es ist wichtig, in den zwei oder drei Stunden vor dem Zubettgehen keinen intensiven Sport zu treiben. Dadurch steigen die Körpertemperatur und auch Hormone wie Cortisol, die die Wachsamkeit fördern. Hilfreich sind außerdem Bettwäsche und Kleidung aus atmungsaktiven Stoffen wie Baumwolle oder Leinen sowie eine lauwarme Dusche vor dem Schlafengehen.

Derzeit sind die Temperaturen auf Mallorca selbst nachts so hoch, dass dies den Schlaf negativ beeinflusst. / DPA
Lauwarm und nicht kalt?
Ja. Viele Menschen denken, je kälter, desto besser, aber das ist nicht notwendig. Entscheidend ist, dass die Körpertemperatur schrittweise gesenkt wird. Eine lauwarme Dusche erzielt diesen Effekt bereits.
Kann die sogenannte „ägyptische Methode“, bei der die Bettwäsche angefeuchtet wird, funktionieren?
Das ist sinnvoll, weil diese Methode direkt auf die Temperatur einwirkt. Alles, was dazu beiträgt, dass der Körper Wärme verliert, kann das Einschlafen erleichtern. In diesem Sinne kann es hilfreich sein, die Bettwäsche leicht anzufeuchten oder ein kühles Handtuch zu verwenden.
Im Sommer gehen wir häufig später ins Bett, halten längere Mittagsschläfchen oder trinken mehr Alkohol. Beeinträchtigt das ebenfalls den Schlaf?
Natürlich. Veränderte Tagesabläufe, ein späteres Zubettgehen, Alkoholkonsum am Abend oder zu lange Mittagsschläfchen stören unseren zirkadianen Rhythmus. Diese Gewohnheiten sind im Urlaub sehr verbreitet, und wir wissen, dass es schwierig ist, sie zu vermeiden. Je weniger wir unsere Routinen jedoch verändern, desto besser werden wir schlafen.
Welche Folgen kann es haben, mehrere Tage hintereinander schlecht zu schlafen?
Es wirkt sich auf praktisch alle Lebensbereiche aus. Wir sind müder, gereizter, können uns schlechter konzentrieren, sind bei der Arbeit weniger leistungsfähig und leiden tagsüber stärker unter Schläfrigkeit. Dauerhaft schlechter Schlaf beeinträchtigt außerdem das Gedächtnis und führt dazu, dass der Schlaf immer weniger erholsam wird.
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