Ankern über Seegraswiesen oder Müll im Wasser: So geht es dem Meer vor Mallorca
Die Überwachung der Seegraswiesen zeigt Erfolge, während die Müllbeseitigung neue Herausforderungen darstellt

Taucher arbeiten an einem Aufforstungsprojekt für Seegraswiesen. / Arrels Marines
Enrique Casanova
Das Meer rund um Mallorca und die anderen Balearen-Inseln hat es nicht leicht: Immer mehr Freizeitboote erhöhen vor allem während der Sommermonate den Druck auf die Ökosysteme unter Wasser. Besonders betroffen sind die Seegraswiesen, einer der wertvollsten und am stärksten geschützten Lebensräume des Mittelmeers.
Zwar ist weiterhin nicht genau bekannt, wie viele Boote vor den Inseln unterwegs sind und dort ankern. Fest steht jedoch, dass Anker und Ketten die Seegraswiesen beschädigen und zu ihrer Zerstörung beitragen können.
Seegras-Sheriffs erfüllen ihren Zweck
Die Seegraswiesen stehen unter europäischem, spanischem und balearischem Schutz. Um Schäden durch falsches Ankern zu verringern, unterhält die Landesregierung den Posidonia-Überwachungsdienst der Naturschutzbehörde IBANAT.
In der Saison 2025 war dieser mit 19 Booten im Einsatz und führte entlang der Küsten fast 181.500 Kontrollen und Informationsmaßnahmen durch. Nach den jüngsten Ergebnissen sank der Anteil unsachgemäßer Ankermanöver auf den Balearen im Durchschnitt auf 6,4 Prozent – einer der niedrigsten Werte seit Einführung des Dienstes.

Knöllchen auf See: Wer über der „Posidonia" ankert, muss mit hohen Geldbußen rechnen. / Miguel Borrás
Ergänzt wird die Überwachung durch schonende Bojenfelder, an denen Boote festmachen können, ohne den Meeresboden zu beschädigen. Die regionale Hafenverwaltung Ports IB verwaltete 2025 insgesamt acht solcher Anlagen auf den Inseln. Die meisten Bojenfelder und Liegeplätze befanden sich rund um Mallorca.
Mehr Tourismus ist gleich mehr Müll
Ein weiteres Problem ist die zunehmende Menge an Meeresmüll infolge des ständig zunehmenden Fremdenverkehrs. Gleichzeitig wurde die Zahl der für die Müllbeseitigung eingesetzten Boote in den vergangenen 15 Jahren fast halbiert: von 40 im Jahr 2010 auf 22 bis 23 seit 2021.
Entsprechend deutlich sank die eingesammelte Müllmenge. 2024 wurden nur noch 28 Tonnen aus dem Meer geholt – fast zehnmal weniger als im langjährigen Jahresdurchschnitt.

Ein Müllboot im Einsatz um Mallorca. / CAIB
Immer mehr Laien beobachten den Lebensraum Meer
Eine immer wichtigere Rolle beim Schutz des Meeres spielt unterdessen die Wissenschaft, auch die von Laien. Plattformen wie Observadores del Mar, Biodibal und DAPERA ermöglichen es Freiwilligen, bei der Erfassung von Arten und Lebensräumen mitzuwirken. Observadores del Mar bestätigte zwischen 2000 und 2025 mehr als 24.000 Beobachtungen in ganz Spanien, davon über 8.000 in den Gewässern der Balearen.
Biodibal verzeichnet inzwischen mehr als 20.900 Beobachtungen von über 1.600 Meeresarten. Das Projekt DAPERA registrierte zudem 455 Sichtungen seltener Fische. Die Daten erweitern das Wissen über die Artenvielfalt des Archipels und stärken zugleich die Beteiligung der Bevölkerung am Schutz des Meeres.
Abonnieren, um zu lesen
- Weil mitten im Sommer die Strandliegen fehlen: Balearen-Regierung feuert oberste Küstenchefin
- Balearen-Regierung zu den Restriktionen am Tag der Sonnenfinsternis: 'Werden Mallorca-Urlauber weder bevorzugen noch benachteiligen
- Randalierender Ryanair-Passagier auf Mallorca-Flug zu Strafe und Schadenersatz verurteilt – so reagiert die Airline
- Sonnenfinsternis auf Mallorca für Spontane: So teuer sind Hotels und Flüge jetzt
- Auch das Meer kommt ins Schwitzen: Neuer Temperaturrekord vor Mallorca erreicht
- Gestrandete deutsche Segelyacht 'Acoa' vor Mallorca mit tourismuskritischen Graffiti besprüht
- Seltenes Phänomen: Grüner Lichtstrahl läutet Finale der Sonnenfinsternis ein
- Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig: Mallorca-Rückflug geht gehörig schief