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Nur wenige Kilometer entfernt – und doch völlig anderes Wetter: Darum ticken die Balearen klimatisch so verschieden

Ob Wind auf Menorca, wolkenloser Himmel auf Ibiza, Trockenheit auf Formentera oder Wetterextreme auf Mallorca: Zwei Meteorologen erklären, warum sich das Klima der Balearen-Inseln trotz der geografischen Nähe zueinander so deutlich unterscheidet – und welche Insel dem Klimawandel bislang entwischt ist

Die Balearen liegen recht nah beieinander und haben doch alle ihre eigenen Klimawelten.

Die Balearen liegen recht nah beieinander und haben doch alle ihre eigenen Klimawelten. / Gobierno de España

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Simone Werner

Simone Werner

Dafür, dass die balearischen Inseln relativ nah beieinanderliegen, gibt es kuriose klimatische Unterschiede zwischen ihnen. Während auf Mallorca tagsüber die Hitze brütet, scheint es beispielsweise auf den Nachbarinseln immer ein paar Grad angenehmer zu sein. Menorca wiederum ist als „Windinsel“ bekannt, Ibiza darf sich mit den meisten wolkenlosen Tagen als „Sonneninsel“ rühmen, Formentera mit den geringsten Niederschlagsmengen als Trockenste der Inseln. Wir haben die Chefin des spanischen Wetterdienstes auf den Balearen, María José Guerrero, und den mittlerweile pensionierten Meteorologen Agustí Jansa Clar, der 43 Jahre dort gearbeitet hat, gefragt, wieso das so ist und wie sich der Klimawandel auf den Balearen im Speziellen auswirkt.

Windiges Menorca

Für viele Unterschiede entscheidende Klimafaktoren sind im Falle der Balearen laut den Meteorologen etwa ihre genaue jeweilige Lage im Mittelmeer, die Distanz zum spanischen Festland und ihre Größe. „Menorca ist beispielsweise die Insel, die den ‚Tramuntana-Winden‘ am stärksten ausgesetzt ist. Diese sind das Ergebnis der Kanalisierung der Luft zwischen den Pyrenäen und dem französischen Zentralmassiv. Auf der Insel treten an etwa 22 Tagen im Jahr starke Winde mit mehr als 40 km/h auf“, so María José Guerrero. Nach Westen hin nehme die Belastung durch die Nordwinde ab. „Die Pityusen (Ibiza und Formentera) also sind aufgrund ihrer Lage vor dem Wind geschützt. Auf Ibiza tritt der starke Tramuntana im Vergleich zu Menorca nur in zehn bis 20 Prozent der Fälle auf“, erklärt María José Guerrero. Bei einer Studie, die der spanische Wetterdienst seit 1966 mit Daten vom Flughafen Menorca macht, kam heraus, dass die Häufigkeit des Tramuntana-Windes abnimmt.

„Menorca ist zudem die Insel, die am weitesten vom Festland weg ist, sie hat damit das maritimste Klima“, fügt Agustí Jansa Clar hinzu. Ibiza und Formentera liegen deutlich näher am Festland. Daher sei dort der Einfluss vom Festland-Klima stärker ausgeprägt.

Fähre zwischen Menorca und Mallorca.

Fähre zwischen Menorca und Mallorca. / Foto: Balearia

Kontinentales Mallorca

Mallorca sei so groß, dass die Insel selbst wie ein kleiner Kontinent funktioniert. Hier herrschen an vielen Orten eher kontinentale Einflüsse vor und maritime seien im Gegensatz zu den anderen Inseln eher weniger spürbar, führt der 77-Jährige aus. Daher komme es auch, dass die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht oder auch Sommer und Winter auf Mallorca oft größer sind als auf den anderen balearischen Inseln. „Der Einfluss des Meeres schwächt dies ab“, so Agustí Jansa Clar. Schließlich besitze das Meer eine größere thermische Trägheit als das Land. „Tagsüber erwärmt es sich nicht so stark und nachts kühlt es nicht so stark ab“, so Guerrero. Im Sommer sei es je nach Wind im Inselinneren auch deswegen heißer als an den Küsten.

Zudem gibt es innerhalb Mallorcas aufgrund der komplexeren Topografie eine größere Vielfalt lokaler Klimaverhältnisse und klimatische Extreme. „Im Volksmund ist Mallorca zwar als ‚Insel der Ruhe‘ bekannt. Dabei treten im Winter dort regelmäßig heftige Stürme auf“, weiß Guerrero.

DAS GEHEIMNIS DER REGENSCHAUER IN DER INSELMITTE

Aufgrund der größeren Ausdehnung von Mallorca entstehen laut Aemet-Chefin María José Guerrero tagsüber stärkere Temperaturunterschiede zwischen Land und Meer, die Meeresbrisen ins Inselinnere treiben und dort für Abkühlung sorgen. An Tagen mit instabiler Wetterlage können die von den verschiedenen Küsten ins Landesinnere strömenden Meereswinde an einem Punkt im Inneren der Inseln zusammentreffen. Dadurch können sich am Nachmittag Quellwolken bilden, die örtliche und kurz andauernde Schauer oder Gewitter verursachen.

Wie stark es auf Mallorca regnet, ist von Ort zu Ort oft sehr unterschiedlich.

Wie stark es auf Mallorca regnet, ist von Ort zu Ort oft sehr unterschiedlich. / Manu Mielniezuk

Mallorca: starke Schwankungen bei Niederschlagsmenge

Eine Gegebenheit, an der man merkt, wie unterschiedlich es an den verschiedenen Orten auf Mallorca zugehen kann, ist die Niederschlagsmenge. „Während im Süden der Insel im Jahresdurchschnitt etwa 300 bis 500 Liter pro Quadratmeter fallen, sind es im Herzen der Serra de Tramuntana mehr als 1.200 Liter“, so Guerrero. Schuld daran ist insbesondere der geländebedingte Einfluss der Tramuntana. Wer sich an den Geografie-Unterricht in der Schule erinnert, dem leuchtet Guerreros Begründung schnell ein: „Das Gebirge verstärkt die Aufwärtsbewegung der feuchten Luft, die die Insel erreicht: Trifft die Luft auf das Relief, wird sie zum Aufsteigen gezwungen, wodurch Kondensation und Niederschläge begünstigt werden.“ Im Unterschied zu den anderen Inseln hat Mallorca recht hohe Berge, bis zu fast 1.500 Meter.

Auch der Wind spielt bei den Niederschlägen eine Rolle. „Da Nord- und Nordostwinde besonders günstige Bedingungen für sie mit sich bringen, fällt im Norden Mallorcas mehr Regen. Richtung Süden entsteht dagegen ein sogenannter Regenschatten“, erklärt María José Guerrero.

Regenreiches Ibiza

Mallorca liegt im balearenweiten Vergleich in Sachen durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge mit 557 Litern pro Quadratmeter auf Platz zwei. Dahinter liegt mit 514 Liter pro Quadratmeter Menorca. Auf Formentera braucht man bei 322 Litern pro Quadratmeter am seltensten einen Regenschirm. Spitzenreiter ist damit Ibiza mit 577 Litern pro Quadratmeter. Die Werte stammen aus dem Referenzzeitraum 1991 bis 2020, der derzeit gültigen 30-jährigen Klimanormalperiode.

Ibiza ist als "Sonneninsel" bekannt.

Ibiza ist als "Sonneninsel" bekannt. / Julia K.

Da passt, zumindest für den Laien, eher nicht dazu, dass Ibiza gleichzeitig die Insel mit den meisten Tagen mit klarem Himmel ist. „Geht man von den Daten der Flughäfen aus, gibt es auf Ibiza im Durchschnitt pro Jahr fast 90 Tage mit wolkenlosem Himmel, gegenüber 71 Tagen am Flughafen Palma und 63 Tagen am Flughafen Menorca“, so María José Guerrero. Das liegt daran, dass Ibiza den Tiefdruckgebieten weniger stark ausgesetzt ist. „In Gebieten, in denen der Einfluss von Tiefdruckgebieten stärker ist, gibt es mehr Wolken“, erklärt Agustí Jansa Clar.

Mit 9,3 Tagen im Jahr ist Mallorca die "Schneekönigin"

Dass es auf Mallorca, schon wegen der höheren Lagen in der Tramuntana, vor allem dort ab und an schneit, ist kein Geheimnis. Laut den Zahlen von Aemet aus dem Zeitraum 1990 bis 2024 gibt es auf der größten Balearen-Insel im Durchschnitt 9,3 Schneetage pro Jahr. Noch gut dürfte einigen Langzeitresidenten das Jahr 2012 in Erinnerung geblieben sein. Damals verwandelte sich sogar Palma in eine Winterlandschaft, erinnert sich Agustí Jansa Clar. Zehn Jahre später gab es in den Küstenbereichen der Gemeinde anlässlich des Sturmtiefs Juliette zumindest Schneeregen.

Selten schneit es auf Mallorca auch an der Küste: Schnee in Cala Fornells Aldea III in Peguera.

Selten schneit es auf Mallorca auch an der Küste: Schnee in Cala Fornells Aldea III in Peguera. / Archiv Aldea III

„Auf Menorca wurden zwischen 1990 und 2024 insgesamt 30 Tage mit Schnee registriert. Das entspricht einem Durchschnitt von fast einem Tag pro Jahr, genauer gesagt 0,9 Tagen“, so María José Guerrero. Auf den Pityusen wird es eher nichts mit dem Schneemann-Bauen, zumal der Schnee in diesen Breiten ohnehin sehr schnell auftaut. Im Schnitt wurde nur an 0,4 Tagen pro Jahr Schnee beobachtet, also eigentlich nur ein paar Stunden.

Mallorca ist nicht nur Spitzenreiter in Sachen Schnee, sondern auch Frost. „Das hängt damit zusammen, dass es auf der Insel nachts stärker abkühlt als auf den anderen Balearen-Inseln. Gründe dafür sind der Effekt der ‚Kontinentalität‘ sowie das stärker ausgeprägte Relief“, erklärt die Meteorologin. Der Einfluss des Reliefs auf die Frosthäufigkeit zeige sich auch in Sant Joan de Labritja, einer Gemeinde im Norden Ibizas. Dort trete Frost deutlich häufiger auf als im übrigen Teil der Insel.

Vernebelter Flughafen

Vielleicht hatte Ihr Flug deswegen schon einmal Verspätung: Ausgerechnet rund um den Flughafen auf Mallorca kommt es häufig zu Nebel. Auch dafür hat die Aemet-Chefin eine Erklärung: „Nebel entsteht durch die Kondensation des in der Luft enthaltenen Wasserdampfs. In klaren und windarmen Nächten verliert der Boden durch Ausstrahlung Wärme und kühlt dadurch die darüberliegende Luft ab. Ist die Luftfeuchtigkeit hoch genug, kann die Abkühlung dazu führen, dass die Luft den Sättigungspunkt erreicht. Der Wasserdampf kondensiert, es bildet sich Nebel.“

Nebel am Flughafen von Mallorca.

Nebel am Flughafen von Mallorca. / DM

Genau diese Bedingungen treten ausgerechnet in der Umgebung des Airport Son Sant Juan besonders häufig auf. „Der Flughafen liegt in einer Ebene, in der sich kalte Luft sammelt, die aus dem Inselinneren herabströmt. Zudem begünstigt bereits vorhandene Feuchtigkeit in den unteren Luftschichten die Nebelbildung zusätzlich, etwa nach Wetterlagen mit südlichen Winden“, führt Guerrero aus.

Auch im Osten Mallorcas bildet sich den Meteorologen zufolge häufiger Nebel und hat dort Auswirkungen auf den Straßenverkehr. „Seine Entstehung wird durch schwache Ostwinde begünstigt, die Feuchtigkeit in diese Gebiete bringen“, erklärt Guerrero.

Mehr und mehr Tropennächte und Hitzewellen

Tau, Schnee und Nebel erinnern sehr an Winterwetter, das bei vielen Insulanern und Urlaubern derzeit sehr willkommen wäre. Stattdessen stehen sehr warme Tropennächte auf der August-Agenda. Die Erderwärmung hat auf der Inselgruppe zur Folge, dass die Zahl tropischer Nächte steigt, je nach Gebiet unterschiedlich stark. „Am Flughafen Ibiza, wo im Zeitraum 1991 bis 2020 im Durchschnitt 79 tropische Nächte pro Jahr registriert wurden, zeigt sich ein steigender Trend von rund 2,4 zusätzlichen Nächten pro Jahrzehnt. Am Flughafen Palma, wo der Durchschnitt bei 30 Tropennächten pro Jahr liegt, ist der Anstieg deutlicher: Dort kommen pro Jahrzehnt im Schnitt etwa sieben Tropennächte hinzu. Auf Menorca hingegen lässt sich bislang kein ebenso klarer Trend erkennen“, so Guerrero.

Immer heißer? Nicht überall...

Parallel nehme auch die Häufigkeit von Hitzewellen zu. Allen voran auf Mallorca seien solche Episoden in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich häufiger geworden. Auf Ibiza ist die Entwicklung ähnlich. Auf Menorca ist die Zahl der registrierten Abweichungen vom langfristigen Durchschnitt dagegen bislang zu gering, um auch für diese Insel einen eindeutigen Trend feststellen zu können. Auffällig sei außerdem die steigende Zahl sehr warmer Tage, an denen sowohl tagsüber hohe Temperaturen als auch nachts hohe Mindesttemperaturen gemessen werden.

In Sachen Temperatur-Trends hat sich insbesondere auf Formentera die Luft zwischen 1981 und 2010 und 1991 und 2020 um 0,6 Grad Celsius erwärmt, Mallorca um 0,2 Grad Celsius, Ibiza um 0,1 Grad Celsius. Auf Menorca ist die durchschnittliche Jahrestemperatur unverändert geblieben.

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