20. Juli 2018
20.07.2018

Der Mallorca-Shuttle Eurowings steckt in der Bredouille

Die Airline sorgt mit Ausfällen und Verspätungen für Schlagzeilen. Seit die Reisebüros Rechnungen an die Airline schicken, läuft es besser

20.07.2018 | 01:00
Maschinen transportieren im Hochsommer jede Woche knapp 160.000 Passagiere nach Mallorca.

Die deutschen Reisebüros und die Fluggesellschaft Eurowings liegen im Clinch. So sehr, dass die Agenturen seit Anfang Juli Rechnungen an die Airline verschicken, in der sie Eurowings zur Zahlung von 50 Euro pro Änderung oder Stornierung auffordern. Denn: Im ersten Halbjahr 2018 hat die Fluggesellschaft vor allem mit Flugplanänderungen und Flugausfällen von sich reden gemacht.

Die Vertreter der Reisebüros glauben, dass sich Eurowings verhoben hat und gaben der Airline bis Ende Juni Zeit, um eine Stellungnahme für bis dahin über 2.600 Ausfälle abzugeben. Jetzt in der Hochsaison (1.7. bis 1.9.) transportiert der Lowcost-Ableger der Lufthansa pro Woche knapp 160.000 Passagiere nach Mallorca und hat sich so zum Nachfolger von Air Berlin und Niki gemausert.

„Die Situation war unhaltbar. Unsere Mitarbeiter verbrachten viel zu viel Zeit mit diesen Änderungen, ohne dass wir dafür einen Cent von Eurowings gesehen hätten", berichtet Stefanie Deiters-Galiläa vom Reisebüro Urlaubs­oase im bayerischen Aichach. Bis Ende Juni hatten die Reisebüros fast 150 Schreiben an Eurowings verschickt, in denen die Inhaber der Agenturen ihren Unmut kundtaten. „Eine Antwort haben wir bis heute nicht bekommen", beklagte Deiters-Galiläa beim Gespräch mit der MZ vergangene Woche. Lediglich eine unpersönliche Rundmail sei eingegangen.

Ihr Kollege Michael Zytniak, Inhaber des Reisebüros Check-In Center in Mühlheim an der Ruhr, ergänzt: „Wir wollen ja Eurowings nicht sanktionieren, aber wir wollen klarmachen, welche Auswirkungen jede einzelne Flugplanänderung hat." Allein in Düsseldorf seien im ersten Halbjahr 1.800 Flüge ausgefallen, viele davon nach Mallorca. 1.500 Leute seien jeden Tag unverrichteter Dinge nach Hause geschickt worden, weil ihr Flugzeug nicht abgehoben sei. „Und bei Eurowings hat man einfach die Verantwortung auf uns abgeschoben. Wir durften alles ausbaden."

Und Eurowings steht nicht allein da. Auch die anderen deutschen Airlines bereiteten laut Zytniak den Reisebüros Pro­bleme. Das zeigt auch eine Statistik der Plattform Flightstats. Lag der Anteil der verspäteten Flüge im Mai 2017 bei den deutschen Airlines Eurowings, Condor, Germania und Lufthansa zwischen 20,2 Prozent (Lufthansa) und 34,2 Prozent (Eurowings), stieg diese Zahl im Mai 2018 deutlich auf 32,5 Prozent (Lufthansa) bis 42,5 Prozent (Condor). Die durchschnittliche Verspätung eines verspäteten Fluges stieg von rund 40 Minuten im Mai 2017 auf etwa 60 Minuten ein Jahr später, bei Condor gar auf 72,5 Minuten.

Nun scheint sich die Situation tatsächlich zu bessern. Seit dem Stichtag 1. Juli habe es bis dato nur vereinzelte Beschwerden über Änderungen gegeben, heißt es bei den Reisebüros. Zytniak hat erst zwei Rechnungen über je 50 Euro an Eurowings verschickt, Deiters-Galiläa noch keine. Und auch von anderen Reisebüros ist zu hören, dass die Probleme abgenommen haben.

Eurowings-Sprecher Matthias Burkard erklärt das damit, dass inzwischen nahezu alle angeforderten Flugzeuge beim Luftfahrtbundesamt angemeldet seien. „Wir mussten 77 neue Flugzeuge in Dienst stellen, und jede neue Anmeldung beim Luftfahrtbundesamt war mit einer rund 80.000 Seiten umfassenden Dokumentation über das Flugzeug verbunden", sagt Burkard. Da sei auch die Bundesbehörde an die Grenzen ihrer Kapazität gestoßen.

Zusätzlich habe auch die stabilere Wetterlage deutlich zur Verbesserung beigetragen. Im Frühjahr habe man in Deutschland das Zehnfache an Gewittern registriert wie in früheren Jahren. „Wir hatten sehr viele Blitzeinschläge in Flugzeuge, auch am Boden", sagt Burkard. Diese Zwischenfälle seien im Anschluss mit langen Sicherheitskontrollen verbunden. „Aber wir brauchen nicht lange drum he­rumzureden: Das war eine ­absolute Sondersituation. Die massiven Ausfälle tun uns sehr leid."

Wie Eurowings mit den Rechnungen der Reisebüros umgeht, ist noch unklar. Während Geschäftsführer Michael Knitter gegenüber dem Portal airliners.de Ende Juni finanzielle Kompensationen ablehnte, sagte Sprecher Burkard jetzt: „Wir treten in den Dialog mit den Reisebüro-Verbänden. Ich bin sicher, wir finden eine Lösung." Eine gute Beziehung dürfte im Sinne der Airline liegen, denn zahlreiche Reisebüros warnten die Kunden vor Buchungen mit Eurowings, einige rieten sogar kategorisch ab. Die Reisebüros unterdessen trauen dem neuen Frieden nicht. „Wir bleiben in Alarmbereitschaft. Sobald es wieder zu Problemen kommt, verschicken wir Rechnungen an Eurowings", sagt Deiters-Galiläa.

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