09. August 2018
09.08.2018

Eurowings-Europa-Chef: "Am Himmel ist es enger geworden"

Seit 1999 arbeitet der Verkehrsingenieur Robert Jahn als Manager im Lufthansa-Konzern. 2016 baute er die Tochter Eurowings Europa auf. Mit der Pleite von Air Berlin mauserte sich der Low-Cost-Anbieter zum Platzhirsch in Palma de Mallorca – und machte zuletzt mit Flugausfällen von sich reden

09.08.2018 | 09:48
Robert Jahn, Geschäftsführer von Eurowings Europa, zu Besuch bei der Mallorca Zeitung.

Im ersten Halbjahr 2018 ging es drunter und drüber in der europäischen Luftfahrt. Zum Ausfall von Air Berlin und Niki kam der Fluglotsenstreik in Frankreich. Beim neuen Mallorca-Shuttle Eurowings zählten Reiseveranstalter bis zum Juli 2.600 Flug-Ausfälle.

Haben Sie sich bei Eurowings verhoben, als Sie der neue Mallorca-Shuttle werden wollten?
Nein, im Gegenteil. Wir sind stark gewachsen und aktuell mit mehr als 30 Prozent Markanteil der Marktführer in Palma. Dabei verbinden wir Mallorca bis zu 52 Mal täglich mit mehr als 20 Flughäfen. Diese Entwicklung freut uns natürlich sehr.

Was waren die Gründe für die Ausfälle und Verspätungen?
Das hat ganz bestimmte Gründe gehabt. Es hat bei den Sicherheitskontrollen und Flughäfen Engpässe gegeben, dazu kamen zeitweise Einflüsse wie extreme Wetterphänomene, außerdem gab es zahlreiche Streiks europäischer Fluglotsen. Ein weiterer Faktor sind die personellen Engpässe der Flugsicherungen, die zu Luftraumschließungen und immer wieder zu Staus am Himmel führen. Das hat dafür gesorgt, dass die, ich nenne sie mal „Luft-Autobahn nach Palma", nicht genutzt werden konnte. Wichtig war aber, dass wir frühzeitig zahlreiche Maßnahmen ergriffen haben, die unseren Flugbetrieb inzwischen spürbar verbessert haben: größere Puffer in den Flugplänen, bis zu 50 Prozent mehr Personal an den Stationen oder im Callcenter, um nur einige zu nennen. Inzwischen haben wir 76 der 77 ehemaligen Air-Berlin-Flugzeuge bei uns. Auch dadurch hat sich unsere Performance verbessert, denn nun haben wir mehr ­Reserveflugzeuge. Air Berlin war 40 Jahre lang im Markt. Uns blieben kaum 40 Wochen, um einen wesentlichen Teil dieser Flugkapazitäten aufzufangen und bei Eurowings zu integrieren. Bei alledem ist leider ein wenig untergegangen, dass wir im ersten Halbjahr mehr als 98 Prozent aller unserer Flüge durchgeführt haben – so viele wie viele andere europäische Airlines auch.

Wie hoch schlagen die Entschädigungszahlungen der Passagiere zu Buche?
Für die gesamte Lufthansa Group – also alle Airlines des Konzerns – ist es ein mittlerer, zweistelliger Millionenbetrag. Andere Airlines, so ist zu hören, müssen da wesentlich mehr zahlen.

Gibt es eine Einigung mit den Reisebüros, die ebenfalls Rechnungen geschickt haben?
Wir sind im engen Dialog mit den Reisebüros, aber auch mit dem Dachverband DRV. Wir hatten mit dem DRV bereits zwei sehr gute Treffen, auf denen wir beschlossen haben, die Herausforderungen im europäischen Luftverkehr gemeinsam anzugehen. Reisebüros sind und bleiben für uns wichtige Partner.

Wie wichtig ist der Markt Palma in der Zukunft für Eurowings?
Extrem wichtig. Palma ist – neben neuen Basen in Wien, Salzburg und München – unsere erste Station im nicht deutschsprachigen Ausland. Wir haben vier Flugzeuge inklusive Crews auf Mallorca stationiert und dabei gut 200 Arbeitsplätze geschaffen. Außerdem ist Mallorca als Europas Ferieninsel Nummer eins ein absoluter Hotspot in unserem Streckennetz. An Spitzentagen führen wir bis zu 52 tägliche Flüge durch, Rückflüge nicht mitgerechnet. An Palma führt eben kein Weg vorbei.

Mit welchen Passagierzahlen rechnen Sie in diesem Jahr?
Für Palma erwarten wir mehr als 3,2 Millionen Passagiere. Das ist eine Steigerung um 75 Prozent zum letzten Jahr – und ein Allzeithoch.

Für das erste Halbjahr 2018 verbuchte die Deutsche Flugsicherung 1,59 Millionen Flugbewegungen über Deutschland. Klaus-Dieter Scheuerle, der Chef der Deutschen Flugsicherung, bezeichnete den Luftraum als saturiert. Ist die Freiheit über den Wolken noch grenzenlos?
Am Himmel ist es enger geworden. Das liegt auch daran, dass wir nach wie vor keinen einheitlichen europäischen Luftraum haben. Weil er so fragmentiert und ineffizient organisiert ist, kommt es immer wieder zu Verzögerungen. Deshalb müssen alle am Luftverkehr in Europa Beteiligten – Flugsicherungen, Flughäfen, Airlines, aber auch die politischen Entscheidungsträger – besser zusammenarbeiten. Alle Zahnräder im Luftverkehr müssen für den Kunden ineinandergreifen und funktionieren – mehr denn je.

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