19. Januar 2019
19.01.2019

Den Dolmetscher auf Mallorca per App immer dabei

Deutsch reingesprochen und schon kommt es auf Spanisch wieder rausgeblubbert. Was taugen die Sprach-Apps
zum Übersetzen?

19.01.2019 | 01:00
Im MZ-Test haben vier Smartphone-Apps Rede und Antwort gestanden

Sie wollen einen Einheimischen auf Mallorca nach dem Weg zum Strand fragen und wissen, ob man dort kostenlos parken kann? Oder als Allergiker im Restaurant ein Gericht bestellen, das Ihnen bestimmt bekommt – können aber kein Spanisch? Mit Übersetzungs-Apps können Sie die gewünschten Sätze schnell einsprechen und sich eine übersetzte Sprachversion ausgeben lassen. Die MZ hat vier kostenlose Apps für iOS und Android mit Live-Übersetzungsfunktion zwischen Deutsch und Spanisch getestet. Vollkommen zufriedenstellend war keine.

Microsoft Translator

Wer in der Microsoft-Übersetzer-App mit grün-weißem Logo auf das Mikrofon-Symbol klickt, kann in der Ecke am unteren rechten Rand aus über 60 Wahlmöglichkeiten, unter denen auch Katalanisch ist, „Spanisch" auswählen. Bei den Ausgangssprachen am linken Rand hat man zumindest die Wahl aus 22 Optionen – hier bitte, falls noch nicht voreingestellt „Deutsch" anwählen. Anschließend klicken Sie, um Konversationen zu führen und Ihrem Gegenüber die Möglichkeit zu geben, auf Spanisch zu antworten, auf das Symbol mit den zwei nebeneinanderstehenden Mikrofonen. Hier können Anwender einen deutschen Satz einsprechen. Anschließend gibt die App die Übersetzung per Sprachausgabe und Textansicht aus.

Microsoft bietet dabei eine hilfreiche Funktion, die zwei der vier getesteten Anwendungen nicht haben: Nutzer können den Teil des Bildschirms mit dem spanischen Text, der nach dem Einsprechen von der App geschrieben wurde, umdrehen und so ihrem Gegenüber zeigen. Auch ein separater Mikrofon-Button befindet sich dann zur direkteren Aufnahme auf dessen Seite.

Ein Test mit den zwei erfundenen und bei allen vier Apps angewendeten zusammenhängenden Beispielsätzen zeigt, dass die App etwa das Wort „Paella" nur manchmal erkennt und in anderen Fällen „paraya" oder „perher" ausspuckt. Auch formt sie häufig aus Fragesätzen wie „Können Sie mir sagen, ob?...?" Aussagesätze. Nachdem die Anwendung die eingesprochenen Phrasen in Text verwandelt hat, der maximal acht Zeilen füllen kann, hört sie zudem automatisch auf aufzunehmen – egal, ob der Nutzer noch weiterspricht. Auch das führt zu Fehlübersetzungen.

Google-Übersetzer

Der Google Übersetzer mit blau-weißem Logo bietet am oberen Rand als Ausgangssprachen über 100 Optionen an. Zielsprachen stehen etwas weniger zur Auswahl. Wer das „Unterhaltungs-Symbol" anklickt, wird direkt aufgefordert, loszusprechen. Dabei ist automatisch „Deutsch" angewählt. Wer nichts sagt und danach auf das Mikrofon-Symbol klickt, kann sowohl auf Deutsch als auch auf Spanisch loslegen (beide Sprachen sind rot unterlegt). Sie können dann auch separat angewählt werden.

Im Vergleich zum Microsoft-Übersetzer eignet sich die App von Google auch für Geschichtenerzähler, da sie nicht nur bis zu acht Zeilen mitschreibt. Gerade Nutzer, die mehr einsprechen wollen, sollten jedoch unbedingt darauf achten, gar keine oder nur minimale Sprechpausen zu machen. Die App stoppt oft schon bei einer eigentlich natürlichen Sprechpause und fängt an zu übersetzen, obwohl der Nutzer den Satz womöglich noch gar nicht beendet hat.

„Paella" erkennt die Anwendung zwar, dafür übersetzt sie „Kostet das Parken etwas?" sprachlich unsauber mit „El estacionamiento cuesta un poco", was ein Spanier so nicht sagen würde. Bei anderen Beispielsätzen wiederum zeigen sich die Satzstruktur betreffende Unsauberheiten in der Übersetzung.

Wer fluchen möchte, sollte in den Einstellungen unter „Spracheingabe" abwählen, dass anstößige Wörter blockiert werden, sonst heißt es in der spanischen Ausgabe an der betreffenden Stelle nur „asterisco" (Sternchen).

Ein Plus der App: Wer zum Essen etwa in einem argentinischen Restaurant ist, kann unter „Sprechen-Bereich" für die Spracheingabe des Gegenübers die entsprechende Varietät des Spanischen anwählen.

Im Vergleich zu den anderen Apps fällt zudem auf, dass der Google-Übersetzer auch das Spanisch von Nicht-Muttersprachlern erkennt. Eine super Funktion, um Ihre Aussprache, falls Sie doch schon ein paar Wörter kennen, auf die Probe zu stellen.

SayHi

Auch bei der einfach gehaltenen App SayHi mit blau-weißem Logo sollten Nutzer unter dem blauen Mikrofon erst unter mehr als 100 Optionen als Ausgangssprache „Deutsch" und, falls nicht voreingestellt, „Sprachaufzeichnung" anwählen. Anschließend kann der Anwender sich für eine männliche oder weibliche Stimme entscheiden und das Sprechtempo festlegen. Das Gleiche sollte er dann auch unter dem grünen Mikrofon mit Spanisch tun. Hier empfiehlt es sich eventuell, den Geschwindigkeitsregler etwas nach links zu schieben.

Ist sich die App nicht sicher, ob sie das Gesprochene richtig wahrgenommen hat, fragt sie nach. Es erscheinen immer beide Versionen in Textform untereinander. Beim Draufklicken trägt die App sie in der eingestellten Geschwindigkeit vor. Unsere Beispiele werden dabei in der deutschen Version ohne jegliche Pausen vorgelesen, was etwas unnatürlich wirkt, da es sich um mehrere separate Sätze handelt. Auch aus der Paella wird bei SayHi im Deutschen „Payer" und im Spanischen dann „pagador". Beim Park-Beispiel übersetzt SayHi genauso sprachlich unsauber wie schon der Google-Übersetzer.

Hilfreich: Wer sich, etwa im Restaurant schämt, den Wunschtext laut auszusprechen, kann bei der Ausgangssprache „Texteingabe" anwählen, den Text dann eintippen und sich die spanische Übersetzung vorlesen lassen. Anschließend könnte der Kellner beim Klicken auf das Mikrofon etwas auf Spanisch einsprechen.

TTT Assistant

Die Übersetzungsmaske der App TTT Assistant, in deren Logo Worte in weißer Schrift auf einem dunkelblauen Hintergrund zu sehen sind, ähnelt der des Microsoft-Übersetzers. Auch hier kann man einen Teil des Bildschirms so drehen, dass das Gegenüber die spanische Sprachversion besser lesen und direkt von seiner Seite aus aufnehmen kann. Leider muss der Anwender während der Aufnahme die ganze Zeit mit dem Finger auf dem Bildschirm bleiben: „Halten Sie zu sprechen Deutsche", fordert die App einen in mangelhafter Übersetzung auf. „Paella" wurde zumindest in einem von zwei Fällen erkannt. Im zweiten hieß es im Deutschen „Bayer". Wenn man die Anweisung „Schütteln Sie sich zu wiederholen" befolgt und das Handy schnell hin- und herbewegt, ertönt die Stimme erneut.

Das MZ-Fazit

Keine der getesteten Apps ist in der Lage, einen Bekannten zu ersetzen, der Spanisch beherrscht und für Sie in Strandnähe oder im Restaurant dolmetschen kann. Alle Apps weisen mal mehr, mal weniger Fehler bei den Übersetzungen auf. Manchmal, das zeigen mehrmalige Versuche mit den gleichen Beispielsätzen, hängt schon von den Hintergrundgeräuschen ab, ob etwa „Paella" richtig verstanden wird oder nicht. Bezüglich einer benutzerfreundlichen Bedienbarkeit sind am ehesten der Microsoft Translator und SayHi zu empfehlen.

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