11. Dezember 2019
11.12.2019

Von Mallorca aus barrierefrei fliegen

Wie der kostenlose Dienst für Menschen mit eingeschränkter Mobilität an Palma de Mallorcas Flughafen organisiert ist

11.12.2019 | 01:00
350 Rollstühle in Standardgröße und 30 weitere mit extra breiter Sitzfläche gibt es an Palma de Mallorcas Flughafen.

Ob wegen einer Geh- oder einer Sehbehinderung, Gehörlosigkeit oder Erkrankung: 2018 haben am Flughafen Son Sant Joan in Palma de Mallorca über 162.000 Passagiere den kostenlosen Dienst für Menschen mit eingeschränkter Mobilität (Personas de Mobilidad Reducida, PMR) genutzt. Wie auch alle anderen europäischen Flughäfen ist der Airport seit 2008 durch EU-Auflagen dazu verpflichtet, diesen Dienst anzubieten. Fluggäste können ihn auf den Websites der Airline oder des Flughafenbetreibers Aena buchen (http://www.aena.es/de/flughafen-palma-mallorca/personen-eingeschrankter-mobilitat.html, möglichst 48 Stunden Vorlauf). Reserviert werden kann auch per Aena-App oder Telefon (902-40 47 04). In Palma kümmern sich 350 Mitarbeiter um diesen Dienst. Wir haben uns den Service von der Ankunft bis zum Abflug angeschaut.

1. Am Flughafen ankommen und Bescheid sagen

Nutzer des PMR-Dienstes sollten sich mindestens zwei Stunden vor Abflug an eine der PMR-Informationsstellen begeben. Übersicht: http://www.aena.es/csee/Satellite?Language=ES_ES&ca=PMI&pagename=cartografia&ps=b&ti=T&pl=0 (links „Punto de encuentro PMR" eingeben). Alternativ gibt es auch mehrere Infosäulen  (siehe Foto). Dort den Knopf auf der rechten Seite betätigen. Die Passagiere werden telefonisch mit der Zentrale des PMR-Dienstes verbunden. Das Personal holt sie dann ab, hilft beim Check-in und bringt sie zum PMR-Hauptschalter. 
 

2. Sich zum Hauptschalter des PMR-Dienstes begeben

Wer will, kann Schritt eins überspringen und sich direkt beim PMR-Hauptschalter im Terminalgebäude im 4. OG melden. Ein Behindertenausweis oder Ähnliches muss nicht vorgezeigt werden. Das Personal hilft allen, die meinen, den Dienst in Anspruch nehmen zu müssen. Wichtig ist jedoch, dass jeder Passagier neben den Flugdaten genau angibt, ob er etwa kurze Strecken zu Fuß zurücklegen oder Treppen steigen kann. Wer nicht dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen ist und nicht mit seinem eigenen reist, kann ihn dort gegen einen der PMR-Rollstühle in Standardgröße oder mit besonders breiter Sitzfläche eintauschen.

3. Die PMR-Sicherheitskontrolle passieren



Alle Passagiere mit eingeschränkter Mobilität, die den PMR-Dienst gebucht haben, passieren an Palma de Mallorcas Flughafen einen separaten Sicherheitskontrollbereich. Er befindet sich nur wenige Meter entfernt vom PMR-Hauptschalter. Auch Passagiere, die auf die anderen Balearen-Inseln reisen, werden dort kontrolliert. Hier gibt es gelbe Wartesitze mit dem Rollstuhlfahrer-Symbol, die etwa auch im Abflugbereich am Gate PMR-Passagieren vorbehalten sind. Ein extra breiter Gang erlaubt das bequeme Durchfahren mit dem Rollstuhl. So können Rollstuhl-
fahrer sitzen bleiben, während sie vom Personal abgetastet werden.

4. Per Buggy, in einem normalen, extra breiten oder extra schmalen Rollstuhl zum Gate gefahren werden



Hinter dem Sicherheitscheck warten erneut Mitarbeiter auf die PMR-Reisenden. Sie bringen Passagiere, je nachdem wodurch genau und wie sehr ihre Mobilität eingeschränkt ist, auf verschiedene Arten zum Abfluggate. Dabei wird stets derjenige zuerst befördert, der am frühesten abfliegt. Wer durch die engen Flugzeuggänge mit einem Rollstuhl geschoben werden muss, kann hier auf einen extra schmalen (siehe blauer Stuhl Foto ganz rechts) umgesetzt werden. Wer ein paar Meter laufen kann, kann es sich in einem der herkömmlichen PMR-Rollstühle bequem machen. Seh- und Hörbehinderte oder auch Begleitpersonen sowie gehbehinderte Menschen können mit einem der kleineren Buggys befördert werden. Daneben gibt es auch längere Fahrzeuge, die über eine Rampe verfügen, um Rollstuhlfahrer zu transportieren. Hinter ihnen fährt dann zur Sicherheit ein Metallgitter hoch. Über insgesamt zehn Buggys verfügt der PMR-Dienst des Flughafens in Palma de Mallorca, einige sind gekauft, andere nur geliehen. „Viele Menschen wollen nicht mit einem der Buggys transportiert werden, da sie so leichter die Aufmerksamkeit der anderen Passagiere auf sich ziehen", sagt Carlos Del Rio Gil, Verantwortlicher des PMR-Dienstes innerhalb des Flughafens. Wer auf dem Weg zum Gate auf die Toilette gehen muss oder etwas einkaufen möchte, kann dem Fahrer Bescheid geben. Er ist zumindest verpflichtet anzuhalten, nicht jedoch, den Passagieren beim Einkaufen oder Ähnlichem zu helfen. Dafür bietet Aena den kostenpflichtigen Meet & Assist-Dienst (http://www.aena.es/de/flughafen-palma-mallorca/meet--assist.html).

5. Am Gate angekommen, sich auf die gelben Plätze setzen 



Am Gate angekommen, stehen für PMR-Passagiere einige gelbe Sitze bereit, die sich in der Nähe des Schalters befinden, an dem Fluggäste beim Boarding ihre Dokumente zeigen müssen. „Die PMR-Passagiere sollen so noch vor den anderen Reisenden einsteigen können. In der Praxis klappt das leider nicht immer", sagt Carlos Del Rio Gil. Die gelben Sitze gibt es nicht nur an den Gates – sie  sind über den ganzen Flughafen verteilt. Dank ihrer Farbe fallen sie leicht ins Auge – auch die PMR-Mitarbeiter tragen gelbe Westen. Bei der Planung der Abflüge wird bei größeren Reisegruppen mit Rollstuhlfahrern meist ein Gate gewählt, an dem das Flugzeug direkt über eine Fluggastbrücke bestiegen werden kann. „So fällt der Umweg mit dem Bus aus und man muss keine Treppen steigen", so Carlos Del Rio Gil.

6. Ins Flugzeug einsteigen

Für Passagiere, die etwaige Treppen ins Flugzeug nicht bewältigen können, kann der Ein- wie auch der Ausstieg ebenerdig erfolgen. An Palma de Mallorcas Flughafen stehen dafür 26 Fahrzeuge mit einer Hebebühne bereit, in die jeweils 15 Personen passen. Die gleiche Art von Fahrzeugen wird auch benutzt, um die Flugzeuge mit Essen zu beladen. Um das Weiterfliegen nicht zu behindern und auch die anderen Passagiere nicht unnötig warten zu lassen, kommt es bei diesem Schritt auf ein gutes Timing an. Das Personal des Fahrzeugs besteht stets aus zwei Mitarbeitern.

7. Per Hintertür zur Gepäckabholung gelangen

 
Nach der Landung stehen wieder Buggys oder Rollstühle bereit, mit denen die Passagiere zur Gepäckabholung gebracht werden. Die Mitarbeiter helfen ihnen, ihre Koffer zu bekommen und begleiten sie nach Wunsch zur Bushaltestelle, dem Taxistand oder den Mietwagen-Anbietern. Für Reisende, die aus außereuropäischen Ländern oder Großbritannien kommen und daher erst noch den Zoll passieren müssen, steht auf der gegenüberliegenden Seite des Terminals ein separater Ankunftsbereich zur Verfügung. 

Nützliche Links und Kontakte

http://www.aena.es/de/flughafen-palma-mallorca/personen-eingeschrankter-mobilitat.html (Startseite) 
https://wwwssl.aena.es/pmr/inicio?lang=de (Formular, Chat für Personen mit Hörminderung)
Tel. 902-40 47 04, +34 91-32 11 00 0
Die App fürs Handy heißt „Aena"
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