28. August 2020
28.08.2020
Mallorca Zeitung

Kritik auf Mallorca an geplanten Regelungen für Reiserückkehrer

Statt einer Testpflicht soll es für Reisende aus "Risikogebieten" bald eine Quarantäne-Pflicht geben, wenn sie nach Deutschland zurückkehren. Auf der Insel stößt das auf Unverständnis

28.08.2020 | 12:27
Urlaubsrückkehrer müssen sich auf neue Auflagen einstellen.

Reisende aus "Risikogebieten", die ihren Urlaub trotz der Reisewarnung der deutschen Behörden antreten, müssen in Kürze mit neuen Regelungen rechnen, wenn sie zurück nach Deutschland kommen. Wichtigste Änderung: Nach der Einreise in Deutschland soll man erst einmal fünf Tage in Quarantäne. Erst danach darf ein PCR-Test absolviert werden. Das wird auch Auswirkugen auf Mallorca-Reisen haben. Vertreter von Wirtschaft und Tourismus auf der Insel warnen gegenüber der MZ vor den Konsequenzen. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die Pläne am Donnerstag (27.8.) nach einer Besprechung mit den Ministerpräsidenten der Länder bekanntgegegen. Derzeit besteht für alle Reiserückkehrer aus von den deutschen Behörden als "Risikogebiet" eingestuften Ländern und Regionen - mit Ausnahme der Kanaren gehört ganz Spanien seit dem 14. August dazu - eine Corona-Testpflicht.

Noch darf jeder, der einen negativen PCR-Test vorweisen kann, seinem Alltag in Deutschland nach dem Mallorca-Urlaub wie gewohnt nachgehen. Um eine Quarantäne zu umgehen, lassen sich viele Mallorca-Urlauber bisher noch auf eigene Kosten bereits auf der Insel testen, um das Negativ-Ergebnis bei der Rückkehr direkt im zuständigen Gesundheitsamt vorlegen zu können. Wer seinen Test direkt nach der Rückkehr macht, kann dies in Deutschland bisher kostenlos tun.

Das soll sich bald ändern. Die Bundesregierung hat in den vergangenen Wochen viel Kritik dafür geerntet, dass Menschen, die wissentlich in einem Risikogebiet Urlaub machen, im Anschluss den Test auf Kosten der Allgemeinheit machen dürfen. Merkel verständigte sich nun mit den Ministerpräsidenten darauf, die kostenlosen Corona-Tests für Einreisende aus Nicht-Risikogebieten zum Ende der Sommerferien am 15. September zu beenden.

Stattdessen soll bald eine Quarantäne-Pflicht gelten: Reisende, die aus Risikogebieten wie den Balearen zurückkommen, müssen sich direkt in eine 14-tägige häusliche Quarantäne begeben. Einen Test, um diese zu verkürzen, dürfen sie laut diesen Plänen frühestens am fünften Tag nach ihrer Rückkehr machen. So solle verhindert werden, dass eine Infektion in den letzten Tagen des Aufenthalts im Ausland unentdeckt bleibt. Die Quarantäne soll nach einem negativen Befund dieses Tests enden können. Diese Regelung soll "möglichst ab dem 1. Oktober" gelten, heißt es.

Reaktionen von der Insel

Auf der Insel wird das als ein neuer Rückschlag empfunden, wie von der MZ am Freitag (28.8.) gesammelte Einschätzungen belegen. "Dass die Reisenden wie bisher den Test schon auf Mallorca machen dürfen und somit kaum Quarantäne-Zeit einplanen müssen, hat einigen unserer Kunden das Reisen unter den gegebenen Umständen etwas erleichtert. Die geplante Neuregelung würde das weiter erschweren", so Immobilienunternehmer Lutz Minkner. Er wolle dennoch nicht allzu negativ in die Zukunft sehen, sondern abwarten. "Bis Oktober kann noch viel passieren, und wir können hoffen, dass bis dahin der 'sichere Korridor' zwischen den Balearen und Deutschland aufgebaut worden ist, den die Balearen-Regierung anstrebt."

Der Mallorca-Deutsche Wolf Hanke, der unter anderem viele Jahre als Manager für den Reiseveranstalter Tui arbeitete, äußert sich deutlich pessimistischer. "Das ist der Todesstoß", sagt er. Betroffen seien nicht nur die Hoteliers, die Millionen in die Hand genommen hätten, um in Corona-Zeiten trotzdem ihre Häuser zu öffnen, und denen mit den neuen Regelungen die letzten der ohnehin rar gesäten Gäste abspenstig gemacht würden. "Das zieht eine Kette von Insolvenzen mit sich. Da hängen so viele Zulieferer dran, es ist ein Albtraum für die Insel."

Auch der Airline-Berater Álvaro Middelmann hält seinen Unmut nicht zurück. "Es sind total übertriebene Maßnahmen, die Leute in ihrer Freiheit einschränken, und ich bin als überzeugter Europäer sehr enttäuscht von den unkoordinierten Aktionen innerhalb der EU." Gerade Deutschland mache in der Pandemie immer wieder Alleingänge, die er nicht gutheißen könne. "Die wenigen Urlaubern, die noch kommen, werden dann auch ausbleiben, und das wird zu Groll führen", vermutet er.

Der Unternehmer Helmut Clemens von der Restaurant-Kette Es Rebost sieht die neuen Regelungen für Reiserückkehrer als weitere "willkürliche Entscheidung ohne wissenschaftliche Untermauerung". Allerdings würden die Auswirkungen für Mallorca relativ irrelevant sein, "denn auf dem Niveau, auf dem wir uns befinden, ist die Saison ohnehin gelaufen", so der Unternehmer.

"Die Einzigen, die dann vielleicht noch kommen werden, sind einige Rentner, die Zeit für Quarantäne haben, aber da sie zur Risikogruppe gehören, werden auch das nicht viele sein." An einen sicheren Korridor zwischen Deutschland und Mallorca glaubt er nicht. "Dafür wird zu viel auf den Rekordzahlen der Infizierten herumgeritten, bei denen es sich ja nicht einmal um die Zahlen der wirklich erkrankten Personen handelt." /somo

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