12. Mai 2021
12.05.2021
Mallorca Zeitung

Von Deutschland nach Mallorca mit dem Auto - trotz Corona

Reisen ist in Corona-Zeiten bekanntlich kompliziert. Vor allem, wenn man durch das Hochinzidenzgebiet Frankreich fahren muss. Eine deutsche Familie berichtet, wie sie dennoch mit dem Auto von Deutschland nach Mallorca kam

12.05.2021 | 01:00
Corona-Auflagen und Testpflicht zum Trotz: Auch dem Nachwuchs gefiel die Überfahrt von Südfrankreich nach Mallorca.

Kein Gedränge am Schalter oder Gepäckband, kein enger Kontakt zu einer Vielzahl von Mitreisenden an Bord des Flugzeugs: Es gibt durchaus Gründe, derzeit statt den Flieger das Auto zu nehmen, um von Deutschland nach Mallorca zu kommen. Doch wegen der Pandemie sollte die Reise gut durchdacht sein. Schließlich muss man mehrere Ländergrenzen überqueren – und die Corona-Maßnahmen der Länder weichen voneinander ab.

„Wir haben uns vor allem deshalb fürs Auto entschieden, weil wir dann mehr Strandspielzeug und andere Dinge für die Kinder mitnehmen können", berichtet Sven Griger. Der zweifache Familienvater hatte die Strecke Frankfurt–Mallorca auch vor der Pandemie bereits einmal mit seinem VW-Bus hinter sich gebracht. „Damals haben wir die Fähre ab Barcelona genommen, diesmal sind wir in Toulon an Bord gegangen", erzählt der 33-Jährige. Mit dabei: seine Frau Mareike (37) und seine Söhne Jakob (5) und David (1).

Ihre Unterkunft in Alcúdia buchten die Grigers erst eine Woche vor ihrer Ankunft. „Wir wollten langfristige Planungen vermeiden", so der Deutsche. Dafür informierten sich die Eltern genau über die coronabedingte Rechtslage für Reisende und takteten den Trip. „Um von Deutschland nach Frankreich einzureisen, braucht es einen negativen PCR-Test, der maximal 72 Stunden alt sein darf", so Griger. Gleiches gilt für die Einreise von Frankreich nach Spanien. Um den Test nicht zwei Mal machen zu müssen, planten die Grigers ihre Reise so, dass der Test auch am Hafen im südfranzösischen Toulon noch gültig war.

Um von Deutschland ins Hochinzidenzgebiet Frankreich zu reisen, braucht es zudem eine eidesstattliche Erklärung darüber, dass man in den vergangenen Tagen keine corona-typischen Symptome aufgewiesen hat. „An der Grenze kontrollieren die Polizeibeamten stichprobenartig", so Sven Griger. Auch er hatte das Formular (Attestation de Déplacament) ausgefüllt, auf dem man zudem „triftige Gründe" angeben muss, warum man quer durch Frankreich reisen will. Denn eigentlich ist die Bewegungsfreiheit dort derzeit eingeschränkt, niemand darf ohne Grund die Grenzen der jeweiligen französischen Regionen überschreiten. Zwar wird Tourismus – anders als beispielsweise die Fahrt zu einer eigenen Immobilie in Spanien – laut den Informationen des französischen Innenministeriums nicht als triftiger Grund aufgeführt. „Wir haben es aber so interpretiert, dass wir durchfahren dürfen, solange unser Ziel nicht in Frankreich selbst liegt", so Sven Griger. Letztlich hatte die Familie wohl auch etwas Glück: Probleme oder Wartezeiten an der Grenze habe es nicht gegeben, die Grigers wurden gar nicht erst kontrolliert.

Losgefahren war die Familie am Freitag (23.4.) in Frankfurt, die Nacht verbrachten die Grigers dann bei einer Verwandten im schweizerischen Genf. Denn in Frankreich dürfen Hotels derzeit keine Gäste aufnehmen, die allein aus touristischen Gründen unterwegs sind. Und auch die nächtliche Ausgangssperre, die in Frankreich derzeit bereits um 19 Uhr beginnt und laut ADAC auch für Transitreisende mit touristischem Hintergrund gilt, wollte die Familie umfahren. „Wir haben uns deshalb entschieden, auf der Fähre zu schlafen."


Auf dem Schiff

Die Familie setzte ihre Reise am Samstagmorgen von Genf aus fort, passierte vormittags die französische Grenze und schaffte es bis zum Nachmittag pünktlich zur Fähre. Auf dem Schiff habe sich die Familie sicher gefühlt. „Man konnte den anderen Passagieren – vielen Reisenden mit Hunden – gut aus dem Weg gehen. In den Bordrestaurants standen die Tische weit auseinander, und man konnte sich das Essen auf die Kabine bringen lassen."

Beim Betreten des Schiffes wurde zudem die Temperatur sämtlicher Passagiere gemessen. Außerdem mussten die Reisenden das Formular „Spain Travel Health" des spanischen Gesundheitsministeriums ausfüllen, das die Fährgesellschaft ihnen zuvor in Papierform zukommen hatte lassen. „Es ist das gleiche wie in der App, die Flugreisende bei der Einreise nutzen, es muss aber keine Flugnummer angegeben werden", so Griger.

Alles in allem sei die Reise problemlos verlaufen, und auch den Urlaub in Alcúdia genießt die Familie. Drei bis vier Wochen wollen die Grigers bleiben und die Rückreise dann vermutlich über Barcelona antreten. „Gebucht haben wir sie noch nicht. Es ist auch nicht abzusehen, wie sich die Regelungen bis dahin ändern." Sorgen, dass sie auf der Heimreise Probleme beim Grenzübertritt vom Hochinzidenzgebiet Frankreich zurück nach Deutschland bekommen könnten, hat Griger nicht. „Wenn wir sagen, dass wir auf der Rückreise sind und nach Hause wollen, werden sie uns schon durchlassen."


Die Rückreise

„Die Heimreise an den Hauptwohnort ist in dem Formular nicht ausdrücklich als triftiger Grund aufgeführt", heißt es derweil vom ADAC. „Allerdings sind dort dringende familiäre Gründe (deplacement pour motif familial impérieux) als triftiger Grund wählbar, unter die die Heimreise fallen könnte." Laut Aussage der französischen Botschaft in Berlin ist die Heimreise nach Deutschland „normalerweise" erlaubt. Dass bei einer Kontrolle der Hinweis auf die Heimreise überzeugt, könne jedoch nicht garantiert werden.

Bei der Rückkehr nach Deutschland brauchen die Reisenden darüber hinaus die digitale Einreiseanmeldung für Deutschland. Solange Frankreich nicht nur als Risikogebiet, sondern als Hochinzidenzgebiet gilt, müssen auch Transitreisende laut Bundesgesundheitsministerium zudem einen negativen PCR- oder Antigen-Test mitführen, der höchstens 48 Stunden alt ist. Die Bundespolizei kontrolliert stichprobenartig. Nach der Rückkehr besteht Quarantänepflicht.

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