05. Juni 2021
05.06.2021
Mallorca Zeitung

Mallorca ohne Mietwagen: Mit Bus und Bahn zum Hotel und über die Insel

Das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel wird immer feinmaschiger - und damit vielfach zu einer echten Alternative zu den teuren Leihwagen

05.06.2021 | 01:00
Die Überlandbusse werden zunehmend moderner.

Mietwagen sind in diesem Jahr auf Mallorca Mangelware und daher für viele Urlauber fast unerschwinglich. Einige überlegen, sich nur tageweise ein Auto zu nehmen und Ausflüge ansonsten mit Bus und Bahn zu unternehmen. Und so mancher Urlauber wird in diesem Jahr feststellen, dass der öffentliche Nahverkehr seit dem vergangenen Jahr einen Riesensprung nach vorne gemacht hat. Wer das System nutzen möchte, muss aber ein paar grundlegende Dinge verstehen, um nicht irgendwo auf der Insel hängen zu bleiben oder plötzlich astronomische Preise zahlen zu müssen.

Die Anbieter

Drei Verkehrsverbünde bieten Busse und Bahnen auf Mallorca an. Der TIB (tib.org) stellt die rotgelben Überlandbusse, die Züge sowie die U-Bahn zwischen Palma und Balearen-Universität. Das Gebiet von Palma decken die blauweiß-grünen Busse der Verkehrsbetriebe EMT (emtpalma.cat) ab. Die Sóller-Eisenbahn sowie die Straßenbahn nach Port de Sóller betreibt das Privatunternehmen Ferrocarril de Sóller (trendesoller.com). Ein einheitliches Tarifsystem zwischen den drei Anbietern ist leider noch Zukunftsmusik. Noch in diesem Jahr soll aber zumindest das problemlose Umsteigen zwischen TIB und EMT möglich werden.

Die Verbindungen

Ein erster Blick auf das Liniennetz zeigt ein sternförmiges System: Alle Wege führen nach Palma, könnte man sagen. Das gilt insbesondere für die Tramuntana-Bergregion im Nordwesten. Wer von Bunyola in die Nachbarorte Valldemossa, Esporles, Orient oder Santa Maria möchte, muss fast zwangsläufig über Palma fahren. Allerdings befindet sich dieses Sternsystem im Wandel. Der zentrale Umsteigebahnhof an der Plaça d'Espanya – die Estación Intermodal – hat kleinere Ableger bekommen. Denn einerseits verbindet der speziell für Urlauber eingerichtete Busservice Aerotib (siehe unten) den Flughafen direkt mit vielen Hotels der Küsten-Hotspots. Zum anderen sind neue regionale Linien der Überlandbusse hinzugekommen, die aus den Orten Manacor, Inca, Campos, Santa Ponça, Cala Ratjada und Alcúdia kleinere Hubs machen. Wer also die Strände und Orte in der Umgebung besuchen will, kann hier umsteigen.

Die jeweils gültigen Fahrpläne sind als OpenData verfügbar, sodass Google Maps die schnellsten Verbindungen samt Umsteigezeiten anzeigen kann. Die Preise werden dabei allerdings nicht berechnet. Ein eigenes Portal samt Fahrpreisrechner ist in Arbeit.

Bus oder Bahn?

Die allermeisten Fahrziele erreichen Sie mit dem Bus. Das gilt sowohl für den Nahverkehr innerhalb von Palma (EMT) als auch inselweit. Allerdings gibt es auch ein paar Bahnstrecken, die alle in Palmas zentralem Umsteigebahnhof (Estación Intermodal) zusammenlaufen. Von hier kann man zudem mit der U-Bahn-Linie M1 (M steht für metro) über das Gewerbegebiet Son Castelló bis zur Balearen-Universität UIB fahren. Die Linie ist eindeutig für Studierende und Berufspendler gedacht. Deshalb verkehrt sie nur von Montag bis Samstagmittag. Nur von Montag bis Freitag verkehrt die Linie M2 nach Marratxí.

Auf dem Fahrplan gibt es zudem drei Zuglinien T1 bis T3 (T steht für tren = Zug). Aber eigentlich fahren alle drei erst einmal auf demselben Gleis bis nach Inca (T1). Auf der Strecke liegt zum Beispiel Santa Maria, dessen Sonntagsmarkt mit dem Zug daher gut erreichbar ist. Kurz hinter Inca gabelt sich die Strecke dann: Entweder geht es über Muro weiter nach Sa Pobla (T2) oder über Sineu und Petra nach Manacor (T3).

Die Bahn- und Straßenbahnstrecke Palma-Sóller-Port de Sóller gehört wie eingangs erwähnt nicht ins öffentliche Bahnsystem. Man muss sie – auch von den Preisen her – als Touristenattraktion verstehen. Wer von Palma de Mallorcaschnell und preiswert nach Sóller oder Port de Sóller fahren möchte, macht das mit dem Bus.

Das TIB-Tarifsystem

Die Fahrpreise für Überlandbusse, Aerotib-Busse, Züge und U-Bahn berechnen sich alle über das gleiche Tarifsystem. Das hat einen Vorteil – Sie können kostenlos umsteigen – und leider zurzeit noch mehrere Nachteile: Es ist eigentlich nur für routinierte Nutzer mit den Ermäßigungs-Chipkarten (Tarjeta Intermodal) halbwegs verständlich, welche Fahrt wie viel kostet. Und das geplante Portal, auf dem man sich ähnlich der Deutschen Bahn Verbindungen heraussuchen, Preise berechnen und Fahrkarten kaufen kann, ist noch in Arbeit.

Wer nicht gemeldet ist und daher keine Tarjeta Intermodal anfordern kann, hat zurzeit zwei Bezahlmöglichkeiten. Grundsätzlich basiert das Tarifsystem auf „Sprüngen" (saltos auf Spanisch, bots auf Mallorquinisch). Wer von einer Tarifzone in die nächste fährt, macht so einen „Sprung". Vergleichsweise teuer ist das Zahlen mit Bargeld. Die halbstündige Fahrt Palma–Bunyola (ein Sprung) kostet zum Beispiel 4,50 Euro. Maximal werden vier Sprünge berechnet: Das macht 9 Euro (mit 50 Prozent Airportzuschlag 13,50 Euro).

Leichter, preiswerter, aber deutlich intransparenter wird es mit einer üblichen Contactless-Geldkarte. Der Sprung in die benachbarte Tarifzone kostet 2,70 Euro, die Inselüberquerung 5,40 Euro. Bezahlt man gleich für mehrere Mitfahrer wird es noch billiger (schließlich erspart man dem Fahrer auch Zeit). Der Mitfahrer zahlt nur noch 2,50 beziehungsweise 4,95 Euro. Je größer die Gruppe, desto weniger zahlen die zusätzlichen Mitfahrer. Die fünfte Person, für die mit derselben Karte gezahlt wird, zahlt für die Beispielstrecken noch 1,80 beziehungsweise 3,60 Euro.

Eines ist beim Kartenzahlen wichtig: Die Karte muss unbedingt beim Ein- und beim Aussteigen über das Lesegerät an der Tür gezogen werden. Das System errechnet nämlich erst im Nachhinein, wie weit man gefahren ist. Steigt man innerhalb dieser Zeit um und zahlt mit derselben Karte, wird der Fahrpreis nachträglich angepasst. Das System kann also erst nach Verstreichen der Umsteigefrist berechnen, wie teuer letztlich die Fahrkarte ist. Der Nutzer sieht also tatsächlich erst am nächsten Tag auf dem Kontoauszug, was die Fahrt gekostet hat. Falls es Sie beruhigt: Viele Einheimische regen sich darüber mindestens genauso auf wie die Zu- oder Angereisten.

Selbst die Busfahrer reagieren mitunter etwas gereizt auf das Thema: Schließlich können sie Ihnen beim Einsteigen nicht zuverlässig sagen, wie viel Ihre Fahrt am Ende kosten wird. Dafür gibt es auf der Website tib.org unter der Rubrik „Kundendienst" die Möglichkeit, eine Beschwerde einzureichen, die auch auf Englisch bearbeitet wird.

Moderne Busse

Dafür ist die Busflotte inzwischen vollständig modernisiert. Die Klimaanlage funktioniert so gut, dass Sie auch im Sommer ein Jäckchen zum Überziehen mitnehmen sollten. Die Filteranlagen reinigen und erneuern die Luft, um Ansteckungen mit Corona- oder anderen Viren zu verhindern. Die Niederflurtechnik erleichtert das Ein- und Aussteigen mit Kinderwagen oder Rollstuhl. Es gibt eine – in der Anzahl beschränkte – Mitnahmemöglichkeit von Fahrrädern. Kostenloses WLAN und Buchsen für das USB-Ladekabel runden das Angebot ab.

Technikfreaks sollten sich zudem den Kontrollbildschirm beim Fahrer anschauen. Ein Monitor zeigt ein Bild an, das aus mehreren Außenkameras errechnet wird. Es entsteht eine verblüffende Ansicht, die den Bus scheinbar aus der Vogelperspektive live im Straßenverkehr zeigt. Etwas nervig ist allerdings, dass einer der Lautsprecher immer bus girando a la derecha (Bus biegt rechts ab) warnt, sobald der entsprechende Blinker bedient wird. Die automatische Warnung gilt möglichen Verkehrsteilnehmern im toten Winkel, ist aber auch für alle Fahrgäste zu hören.

Umsteigen aufs Rad

Leihfahrräder runden den öffentlichen Nahverkehr auf Mallorca ab. Es gibt zwei verschiedene Systeme. Allerdings pausieren die roten TIB-Leihräder zurzeit wegen Corona. Die blauweiß-grünen Fahrräder der Stadt Palma stehen aber zur Verfügung. Auch Nicht-Residenten können für 9 Euro drei Tage lang das System nutzen. Es besteht aus mehreren Fahrradständern, die als Relaisstationen dienen. Ein Rad leiht man immer nur für maximal eine halbe Stunde aus. Nach der Zeit muss man es an einer der anderen Stationen geparkt haben, darf aber beliebig oft auf ein anderes Fahrrad umsatteln. Die Stationen liegen an den Fahrradwegen, die das ganze Stadtgebiet durchkreuzen (Infos unter bicipalma.es).

Aerotib – mit dem Bus vom Flughafen direkt zur Unterkunft




Gute Nachrichten für alle, die keinen Transfershuttle vom Flughafen zu ihrer Unterkunft gebucht haben und sich viel Geld für ein Taxi sparen wollen: Ab dem 15. Juni rollen täglich zwischen 6 und 23 Uhr auch die sogenannten Aerotib-Busse wieder. Sie bringen Urlauber und Anwohner vom Flughafen direkt in Touristen-Hotspots, etwa Peguera, Alcúdia, Can Picafort, Cala Millor, Cala d'Or, Santanyí oder Llucmajor. So sparen sich Fahrgäste den Umweg und das Umsteigen an der Estación Intermodal in Palma. 2017 erstmals eingesetzt, pausierte dieses Zusatz-Bus-Angebot während der Pandemie. 
 
Die Strecken bleiben wie gehabt: Die A11 (Blau) fährt vom Flughafen Son Sant Joan nach Peguera mit Halt in Son Caliu, Palmanova, Magaluf, Santa Ponça, Costa de la Calma und der Endstation Peguera. Vor der Pandemie betrug die Fahrtzeit bis Peguera circa 70 Minuten. Welche Haltestelle am gebuchten Hotel liegt, ist zu sehen unter bit.ly/HotelsA11. Wer im Norden untergebracht ist, kommt mit der Linie A32 (Orange) bis nach Can Picafort. Erster Halt ist in Inca, dann geht's weiter nach Alcúdia, zur Platja d'Alcúdia und über die Playa de Muro bis nach Can Picafort. Die Fahrzeit bis Can Picafort liegt bei etwa 110 Minuten. Hier finden Sie heraus, wo Sie nahe Ihrer Unterkunft ein- und aussteigen können.
 
Wer in den Nordosten will, muss in die Busse der Linie A42 (Grün) einsteigen. Sie fahren über Montuïri, Vilafranca und Manacor nach Portocristo, S'Illot, Sa Coma, Cala Millor und Cala Bona. Die Fahrtzeit bis zur Endstation beträgt anderthalb Stunden. Die dazugehörige Hotel-Liste finden Sie hier. Um sich auf den Weg in den Südosten zu machen, müssen Besucher nach der Linie A51 (Rot) Ausschau halten. Sie deckt den zu Llucmajor gehörenden östlichen Teil der Playa de Palma ab, fährt weiter nach Llucmajor, Campos, Santanyí, S'Alqueria Blanca, Portopetro, Cala Egos und bis Cala d'Or. Fahrtzeit bis Endpunkt: etwa 90 Minuten. Die Hotelübersicht gibt's hier.
 
Die Preise berechnen sich nach dem System der TIB-Busse plus einem 50-prozentigen Aufschlag. Wer als Resident die Tarjeta Intermodal besitzt, fährt preiswerter. Fahrtzeiten und Frequenzen gibt es bald unter tib.org/de/web/ctm/autobus/aerotib. Wer direkt an die Playa de Palma will, muss am Flughafen den EMT-Stadtbus der Linie A2 nehmen. Den Streckenverlauf sowie die genauen Haltestellen finden Sie online. Die Linie A1 bringt Sie ins Zentrum.

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