25. Juni 2009
25.06.2009

Aufstieg zum Tausender Sa Torreta

11.06.2009 | 17:16
Karte zur Wanderung.

Zunächst stellt der Wanderer bei der Anfahrt zu dem Landgut Almadrà erfreut fest, dass die Fahrbahn auf den letzten drei Kilometern endlich ausgebessert worden ist. Jahrelang war die Straße mit tiefen Schlaglöchern und Mulden übersät und eine Zumutung für Wanderer und Gäste der Schutzhütte Tossals Verds, deren Übernachtungen für den Inselrat Mallorcas ja eine gute Einnahmequelle bedeuten.

Die insgesamt sehr schwierige Tour startet am Parkplatz des Gutshofs Almadrà. Die zur Gemeinde von Alaró gehörende Possessió besteht aus den drei Häusern Casa d´Amunt, Ca´n Calet und Son Ordines. Das idyllisch in einem Tal gelegene Landgut ist schon von den Mauren während ihrer Herrschaft auf Mallorca gegründet worden. Nach der christlichen Eroberung im Jahr 1229 wurde das Anwesen von König Jaume I. dem Bischof von Mallorca zugeteilt.

Mitte des 17. Jahrhunderts ist das Landgut dann in den Besitz der Familie Vallès d´ Almadrà i de Berga übergegangen, die später auch den einen Kilometer südlich gelegenen Landsitz Solleric erstand. Beide Gutshöfe zählten in dieser Zeit zu den größten Olivenbetrieben auf Mallorca.

Vor den Gebäuden von Almadrà übersteigt man auf einer Leiter ein Tor (Schild „Refugi des Tossals Verds", 1 h). Dahinter folgt eine Asphaltpiste, die parallel zum Torrent d´Almadrà zunächst leicht ansteigend nach oben führt. Dabei folgt man bei einem Abzweig der Beschilderung. Schon von weitem fällt der Blick auf die gewaltigen Felswände an den Seiten des Weges. Sind die Steilmassive dann erreicht, wird das gigantische Ausmaß ihrer Formation erst erkennbar. Rechts und links der Piste, die nun deutlich steiler wird, ragen die bizarr gestalteten Steilwände mit imposanten Tropfsteinhöhlen teils über 100 Meter empor. Die Schlucht wird Clot de Sa Cladera genannt.

Im Torrent selbst lagern tonnenschwere Steinsbrocken wie kunterbunt zusammengewürfelt. Schneidegras, Wacholderarten, Baumheide, Mastix und Wildoliven wuchern am Rande des Bachbetts. Aus einigen Felsspalten wachsen Steineichen und Kiefern. Dieses beeindruckende Naturschauspiel ist am besten beim Überqueren einer Brücke zu sehen.

Wenig später wird ein weiteres Tor auf einer Leiter überstiegen. Die Piste entfernt sich bald darauf von dem Bachbett und führt in langen Serpentinen steil nach oben. Schließlich verweist das Schild „Refugi, 10 min." rechts auf einen alten Hirtenpfad. Wenn dieser nach dem Aufstieg wieder auf den Hauptweg stößt, ist kurz darauf das Refugi des Tossals Verds erreicht.

Die Schutzhütte wurde als „El Tossal" im Jahr 1343 erstmals urkundlich erwähnt. Ende des 16. Jahrhunderts gehörten die Häuser zum Besitz der Possessió Cúber, die in den 1960er Jahren im Zuge der Errichtung des Stausees Cúber abgerissen worden ist. 1986 hat dann der Inselrat Mallorcasdie Schutzhüttei erstanden und sie aufwendig restauriert. Auf der 540 Meter hoch gelegenen Herberge laden eine Terrasse, Bänke und Tische zu einer Rast ein. Auch ein Besuch des kleinen botanischen Gartens lohnt sich.

Weiter geht es links von dem Refugi (Schild „Pou de sa Coma, Ses Cases Velles") auf einem Pfad und nach wenigen Metern durch ein geöffnetes Tor. Nach einigen Kehren wird nach einem Mauerdurchlass und bei einem Holzgeländer rechts abgebogen. Ein Treppenpfad führt dann nach unten zu einer Gabelung, bei der links (Steinpyramide) abzubiegen ist. Ein Holzpfostenpfeil, der hier geradeaus verweist, markiert die Route zum Brunnen Pou de sa Coma und den Ses Cases Velles.

Man gelangt von diesem Abzweig nach wenigen Minuten zu einem kleinen Sturzbach, der gequert wird. Dahinter beginnt ein steiniger, teils mauergestützter Pfad, der sich in vielen Kehren steil nach oben windet (durchgehend Steinmännchen). Rund 35 Minuten nach dem Refugi ist ein Sattel mit Köhlerplatz erreicht. Hier bietet sich ein imposanter Ausblick auf die Tafelberge Puig de s´Alcadena und Puig d´Alaró mit dem Kastell.

Anschließend führt ein Köhlerpfad in ständigem Ab und Auf Richtung Westen (durchgehend Steinmännchen). Rund 30 Minuten nach dem Sattel wird eine Stelle erreicht, bei der auf einem Felsbrocken die rote Schrift „Cúber" sowie ein Pfeil und auf einem anderen Stein die Schrift „Tossals" auffallen. Diesen Ort sollte man sich merken, da sich rechts die Coma des Voltor (Senke des Mönchsgeiers) befindet, durch die auf dem Rückweg abgestiegen wird. Ebenfalls auf der rechten Seite ragen in unmittelbarer Nähe die Steilwände Salt des Cans und Morro de sa Vaca wie Fangzähne in die Höhe, während links gegenüber die Schluchtwände des Torrent d´Almadrà und die Wasserrohre sowie Tunnel der Canonada d´Emaya zu sehen sind.

Weiter geht es von der Stelle mit der Schrift „Cúber" geradeaus auf einer schmalen, steinigen Piste in mehrmaligem Ab und Auf. Schließlich ist nach rund weiteren 25 Minuten eine Felswand mit einer kleinen Grotte erreicht. Hier beginnt ein etwa 15 Meter langer Felsabstieg, der Es Pas Llis genannt wird und der mit Hilfe eines fest im Gestein verankerten Stahlseils ohne Probleme zu bewältigen ist. Dieser traumhaft gelegene Platz ist nun der geeignete Ort für eine Pause.

Teil 2 der Wanderung mit dem Aufstieg durch die Coma des Ases auf den Sa Torreta und den Abstieg durch die Coma des Voltor folgt in der nächsten Ausgabe der Mallorca Zeitung.

Information
Wegstrecke: 6,5 km
Nettogehzeit: 2,5 Stunden
Höhenunterschied: 350 Meter
Anfahrt von Palma: Auf der Ma-13 die Ausfahrt Consell/Binissalem nehmen. Dann auf der Ma-2050 nach Alaró und dort auf der Ma-2110 Richtung Lloseta. Bei km 6,8 biegt links (Schild „Tossals Verds") eine schmale Straße ab. Nach etwa fünf Kilometern ist das Landgut Almadrà erreicht.
Tourencharakter: Der in Teil 1 der insgesamt sehr schwierigen Wanderung beschriebene Abschnitt fällt unter die Kategorie mittelschwere Tour. Wanderung auf Betonpiste und auf steinigen Pfaden. Der Kletterabstieg am Es Pas Llis ist bei der vorhandenen Seilsicherung kein Problem.
Ausrüstung: Wanderstiefel mit sehr guten Profilsohlen, Wasser, Kopfbedeckung, Sonnenschutzmittel.
Einkehr: Refugi des Tossals Verds, ganzjährig geöffnet, für Wanderer, die hier nicht übernachten, nur Getränkeverkauf.

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