10. April 2008
10.04.2008

Der Tropfen aus dem Supermarkt

10.04.2008 | 18:31
Konzentration beim großen MZ-Weintest mit Patrick Paulen (Foto) und Manuel Vogel.

Der große MZ-Weintest: Einmal im Monat verkosten renommierte Sommeliers Weine,
die es bei großen Lebensmittel-Ketten zu kaufen gibt.
Keiner darf teurer als zehn Euro sein.
Heute: Fünf Rotweine aus La Rioja

Von Kirsten Lehmkuhl

Das Angebot an Weinen in Supermärkten ist enorm, die Preisspanne beachtlich. Doch welchen Tropfen soll man wählen? Sind die teureren mit dem edlen Etikett wirklich immer die besten? Sind die bekannten Marken auch qualitativ herausragend? Die Mallorca Zeitung wird einmal im Monat Weine unter zehn Euro unter die Lupe nehmen. Getestet werden sie von den beiden Weinexperten und Sommeliers Patrick Paulen und Manuel Vogel vom Restaurant Malvasía in Palma, zu dem ein Geschäft mit über 3.000 verschiedenen Weinen gehört. Sie bewerten jeweils das Preis-Leistungs-Verhältnis auf einer Skala von 0 bis 20 Punkten.

Den Auftakt machen fünf Weine aus der Rioja, allesamt mit Herkunftsbezeichnung, ausgewählt im Supermarkt Carrefour von einem Redaktionsmitglied, zu Preisen zwischen 2,55 und 9,35 Euro. Zur Verkostung wurden sie auf die richtige Temperatur gebracht (13 bis 15 Grad). Die cata findet - wie es sich gehört - am Morgen statt: Dann ist der Gaumen frisch, das Gehirn ausgeruht. Also ran an die Korken.

3 Reinos, Crianza 2003
Wein Nummer eins ist der 3 Reinos, Crianza 2003, die Hausmarke der Supermarktkette Carrefour. Rebsorten: Tempranillo, Garnacha. Alkoholgehalt: 12,5 Prozent. Fass: mindestens zwölf Monate. Farbe: Rubinrot, etwas trüb. In der Nase: Töne von altem (Fass-)Holz, keine eindeutige Frucht. ýDas heißt, es ist keine einzelne Fruchtnote auszumachen", sagt Vogel. Der Wein wird gedreht im Glas, um Sauerstoff einzubringen. Zweite Impression: Alle Aromen sind weg. Im Gaumen: viel Säure, Geschmack gleich null. Von den auf dem ­Etikett angekündigten Noten von Kirsche und Brombeeren keine Spur.

Faustino Rivero Ulecia, Reserva 2003
Der Faustino Rivero Ulecia ist ein Reserva 2003 mit den Rebsorten Tempranillo, Garnacha. Alkohol­gehalt: 13 Prozent. Fass: 24 Monate in Fässern aus amerikanischer Eiche. Farbe: klares Rubinrot. In der Nase ist er ýrelativ sauber", doch weder Frucht- noch Holztöne kommen deutlich heraus. ýEin Aromabrei", urteilt Vogel. Im Gaumen ist er deutlich stabiler als der 3 Reinos, doch dominiert die Säure, der Wein lässt auf der Zunge eine leichte Bitterkeit zurück. ýWir nennen eine solchen Tropfen einen grünen Wein", sagt Paulen, ýdie Trauben waren bei der Ernte nicht voll ausgereift, wurden zu früh geerntet." So kann sich keine schöne Aromatik entfalten. Fazit: für einen Reserva viel zu mager.

Marqués de la Concordia, 2005
Schönes Etikett, eines der Kaufkriterien bei diesem Wein. Rebsorten: Tempranillo. Alkoholgehalt: 13 Prozent. Fass: sechs Monate gereift in Fässern aus amerikanischer Eiche. Farbe: Kirschrot. In der Nase: Anflüge von roter Frucht, ohne viel Ausdruck. Leichte Rauchtöne. Im Gaumen: etwas mehr Frucht, eine gewisse Fülle. Aroma verschwindet allerdings sehr schnell. ýDie Säure ist bei diesem Wein besser integriert, sie ist nicht störend, gibt dem Wein Frische", sagt Paulen. Allerdings gibt es auch hier so gut wie keinen Abgang.

Cune, Reserva 2004
Rebsorten: Tempranillo. Alkoholgehalt: 14 Prozent. Fass: mindestens zwölf Monate in Fässern aus amerikanischer und französischer Eiche. Farbe: intensives Granatrot. In der Nase: Der Wein riecht angenehm nach Gewürzen, nichts stört. Zweiter Eindruck: Karamell-Aromen, ein wenig wie Werther´s-­Sahne-Bonbons. Frucht kommt nicht richtig heraus. Dritte Impression: leichte Lakritztöne. Im Gaumen hat der Wein deutlich mehr Struktur als seine Vorgänger. Man spürt die Tannine, die Säure ist ausgeglichen, doch fehlt es an Fülle. ýDer Wein ist noch jung, er könnte sich in ein bis drei Jahren verbessern", glaubt Paulen. Fazit: Der Wein hat keine ­Defekte, aber sticht auch durch nichts hervor.

Marqués de Cáceres, Crianza 2004
Rebsorten: nicht genannt. Alkoholgehalt: 13,5 Prozent. Fass: ausgebaut in Eichenfässern (keine näheren Angaben). Farbe: leichtes Kirschrot, weniger farbintensiv als der Cune. In der Nase: laktische Aromen, also Aromen von Milch, frischer Butter, sowie Fruchtnoten wie Sauerkirsch, allerdings nicht sehr ausgeprägt. Im Gaumen herrscht die Säure vor, ­Tannine verschwinden, es ist ein leicht metallischer Geschmack auszumachen. ýDas ist ein Industriewein ohne Fülle, der nichts im Mund hinterlässt und sogar noch leicht bitter ist", lautet das Urteil Paulens.

BEWERTUNG

Faustino Rivero - 6,95 Euro (5 Punkte)
Dieser Reserva aus dem Jahr 2003 schneidet in Bezug auf das Preis-Leistungs-Verhältnis bei unserem Test am schlechtesten ab. Note: 5 von 20 möglichen Punkten. Der Grund: Mit 6,95 Euro ist er für das, was er bietet, deutlich zu teuer.

3 Reinos - 2,55 Euro (6 Punkte)
Die Hausmarke der Supermarktkette Carrefour erhält sechs Punkte, einen Punkt mehr als der Faustino Rivero Ulecia. Der Grund: Er kostet weniger als die Hälfte. Wenn es ein Wein dieser Kategorie sein soll, muss man nicht unnötig mehr Geld ausgeben.

Marqués de Cáceres - 7,25 Euro (7 Punkte)
Dieser Rotwein gehört zu den bekanntesten Weinen der Rioja. Viele kaufen ihn ausschließlich aufgrund seines Namens. Doch bei unserer Verkostung erhält er lediglich sieben Punkte. Urteil der Experten: Preis und Qualität stehen in keinem Verhältnis.

Cune - 9,35 Euro (10 Punkte)
Der Cune ist der teuerste Wein dieser Auswahl. Mit 10 Punkten ist das Preis-Leistungs-Verhältnis ýakzeptabel". Man schmeckt verschiedene Aromen, spürt die Präsenz von gut strukturierten Tanninen, der Wein hat eine ausgeglichene Säure und könnte noch gut drei Jahre gelagert werden.

Marqués de la Concordia - 3,30 Euro (11 Punkte)
Unser Gewinner ist der ýMarkgraf der Übereinkunft". In Bezug auf das Preis-Leistungs-Verhältnis schneidet er mit elf Punkten am besten ab. Man bedenke: Er kostet nur ein Drittel des Cune. Die Fruchtaromen sind da, die Säure gibt eine gewisse Frische.

DAS ANBAUGEBIET LA RIOJA
Die Region im Norden des Landes gehört zu den bekanntesten Weinanbaugebieten Spaniens. Die Denominación de Origen Calificada Rioja (D.O.) ist unterteilt in drei Teilgebiete: Alta, Baja, Alavesa. An Rotweintrauben wachsen in der Rioja vornehmlich die Sorten Tempranillo (diese Sorte nennt sich in anderen Teilen Spaniens auch Tinto Fino, Tinta de Toro, Tinta del País, Llull de Llebre, Cencibel), Graciano, Garnacha und Mazuelo (auch Cariñena genannt). Manche Bodegas experimentieren mit Cabernet Sauvignon. Das Rioja-Gebiet umfasst eine Fläche von rund 50.000 Hektar.

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