07. Mai 2009
07.05.2009

MZ-Weintest mit Supermarktweinen unter 10 Euro aus der Rueda

12.02.2009 | 16:16
Nicht nur den Pfirsich- und Birnenaromen auf der Spur: Manuel Vogel (li.) und Patrick Paulen.

Es waren sechs spanische Weißweine mit der Herkunftsbezeichnung Rueda, die dieses Mal von den beiden Sommeliers Manuel Vogel und Patrick Paulen vom Restaurant Malvasía in Palma getestet wurden. Die Tropfen, allesamt Jahrgang 2007, wurden im Supermarkt Carrefour gekauft, zu Preisen zwischen 3,75 und 5,95 Euro. Die Weine werden hinsichtlich ihres Preis-Leistungs-Verhältnisses bewertet, auf einer Skala von 1 bis 20 Punkten.

Bereits am Tag vor der Verkostung wurden die Weine auf die korrekte Trinktemperatur zwischen sechs und acht Grad Celsius gebracht. Sie wurden am Morgen probiert, dann ist der Gaumen frisch, das Gehirn ausgeruht. Bei dieser Degustation sorgte ein Wein für eine handfeste Überraschung: Viña Mocen aus der Bodega Antaño. „Eine wirkliche Empfehlung, ein richtig guter Tipp", sagt Paulen, der der balearischen Sommeliersvereinigung vorsteht.

Altoreal 2007 - 12 Punkte - Preis: 3,75 Euro

Den Auftakt der Verkostung machte der Altoreal aus der Kooperative Agrícola ­Castellana. Er besteht zu 100 Prozent aus Verdejo-Trauben. Alkoholgehalt: 12 Prozent. Im Glas zeigt er die für den Verdejo typische blassgelbe Farbe mit grünlichen Reflexen. In der Nase ist er sauber, verfügt über eine gute Intensität, eine leichte Pfirsichnote ist auszumachen. „Das hätte ich bei dem Preis nicht erwartet", sagt Paulen. Im Gaumen hält der Wein, was er in der Nase verspricht. Allerdings fehlt ihm Säure. Im Abgang ist er leicht bitter. Dennoch: Der preiswerteste Tropfen der Runde enttäuscht nicht. Note: 12.

Ruy Díaz, 2007 - 9 Punkte - Preis: 4,70 Euro

Um die Angaben auf diesem Etikett lesen zu können, benötigt man eine Lupe: Die Schrift ist extrem klein. Der Wein wurde in der Bodega Garci Grande aus der Rebsorte Verdejo gekeltert. Nähere Angaben fehlen. Die Farbe ist blassgelb, etwas heller als sein Vorgänger. In der Nase ist er komplexer, allerdings ist keine klare Frucht zu erkennen. Nur im Hintergrund finden sich Anklänge von grünem Apfel. Die auf dem Label versprochenen Noten von Fenchel und Anis sind beim besten Willen nicht herauszuriechen. Er schmeckt frischer, hat etwas mehr Säure als der Altoreal, die allerdings nicht optimal in den Wein integriert ist. „Im Abgang schmeckt man eine fast unangenehme Bitterkeit", sagt Vogel. Resümee: Dieser Tropfen ist kein wirkliches Trinkvergnügen. Note: 9.

Viña Mayor, 2007 - 9 Punkte - Preis: 4,85 Euro

Auch dieser Wein besteht zu 100 Prozent aus Verdejo-Trauben. Sein Alkoholgehalt: 12,5 Prozent. Er wurde in der Bodega Caserío de Duñeas produziert. Die Farbe: blassgelb. Vom Geruch überrascht er: Er kommt ohne Fruchtnoten daher, es kristallisiert sich kein eindeutiges Aroma heraus. Von einem sortenreinen Verdejo erwartet man mehr. Die starke Säure spürt man nur am Anfang und nur im vorderen Gaumen: Das sollte so nicht sein. Es fehlt an Gleichgewicht. Und von dem auf dem Etikett verheißenen Noten von tropischen Früchten wie Ananas und Guave fehlt jede Spur. Sein Abgang ist flach und leicht bitter. Note: 9.

Viña Mocén, 2007 -  16 Punkte - Preis: 5,45 Euro

Dieser Wein hat einen Alkoholgehalt von 13 Prozent. Seine Farbe ist blassgelb mit grünen Reflexen. Rebsorte: Verdejo. In der Nase ist er genau so, wie ein Verdejo sein muss: Die Säure ist da, und der eindeutige, feine Geruch nach weißen Früchten, zu dem sich Maracuja und Zitronengras gesellen. „Bei diesem Wein gibt es etwas zu entdecken, es tauchen immer neue Nuancen auf", sagt ­Vogel. Im Gaumen zeigt er sich intensiv, dabei ausgeglichen. Die gut integrierte Säure bewirkt, dass sogar der leicht bittere Abgang als angenehm empfunden wird. Daher die beste Note dieser Verkostung: 16.

Emina 2007 - 7 Punkte - Preis: 5,95 Euro

Dieser Tropfen aus den Bodegas Matarromera kommt aus einer bekannten Bodega, die ihren Stammsitz in Ribera del Duero hat und für ihre Rotweine berühmt ist. ­Alkoholgehalt: 12,5 Prozent. Farbe: ein etwas volleres Gelb. In der Nase ist er zu „grün", riecht nach Gras und sehr grünem Apfel. Es fehlt ihm an Frische. Im Gaumen adstringierend, ist er im Abgang zu bitter. Weil er im Geschmack nicht überzeugt, es sich aber um den teuersten Wein dieser Auswahl handelt, nur Note: 7.

Aura 2007 -  7 Punkte - Preis: 5,85 Euro

Dieser Wein aus den Bodegas Aura wurde ebenfalls aus Verdejo-Trauben gekeltert, hat einen Alkoholgehalt von 13,5 Prozent. Farbe: ein sattes Gelb mit leichten grünen Reflexen. Allerdings enttäuscht er in Nase und Gaumen, bei dem hohen Alkoholgehalt von 13,5 Prozent erwartet man mehr Reife. Stattdessen ist er sehr grün in der ­Nase. Im Gaumen ist er unausgewogen, ohne eindeutige Aromen. Schon auf der Zunge schmeckt er bitter. Einziges Plus: die Säure, die dem Wein ein Gerüst gibt. Dennoch: Das ist bei dem Preis nicht das, was man erwarten kann. Note: 7.

Noten für die Weine (Preis-Leistungs-Verhältnis):

1 - 4 Punkte: fehlerhafter Wein

5 - 9 Punkte: nicht zu empfehlen

10 - 15 Punkte: empfehlenswert

16 - 20 Punkte: sehr zu empfehlen

Information

Denominación de Origen Rueda

Die D.O. Rueda (52 Bodegas, bewirtschaftet werden rund 8.000 Hektar) liegt in der spanischen Region Castilla y León. Die Hauptweißweinsorte ist Verdejo, die häufig mit Sauvignon-Blanc- und Viura- Trauben verschnitten wird. Trägt das Etikett den Hinweis D.O. Rueda Verdejo enthalten die Weine mindestens 85 Prozent Verdejo. Charakteristisch für Rueda-Weine ist ihre hellgelbe Farbe, mitunter mit leicht grünen Reflexen. Die Weine sind in der Regel frisch und zeichnen sich durch Aromen von weißem Obst (Birne, Pfirsich) und tropischen Früchten (Maracuja, Guave) sowie Zitronennuancen aus.

Wenn Sie einen Verdejo-Wein aus der Rueda kaufen möchten, achten Sie auf den Jahrgang. Jetzt erwerben Sie am besten Weine, die nicht früher als 2007 hergestellt worden sind. Diese Weine müssen jung getrunken werden. Und demnächst kommen schon die 2008er auf den Markt!

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