04. August 2011
04.08.2011

Zielgruppe Backpacker: Erstes privates Youth Hostel auf Mallorca

Anderswo logieren junge Touristen schon lange in modernen Youth Hostels. In Palma hat jetzt die erste private Herberge dieser Art auf Mallorca eröffnet

04.08.2011 | 03:00
Hostel-Direktor Albert Fernández und seine Partnerin María Álvarez

„Was ist das, ein Youth Hostel?", musste Albert Fernández nachfragen, als er bei einem Abendessen mit Freunden saß und sie zusammen neue Geschäftsideen diskutierten. Heute ist der 45-Jährige aus Bunyola der Leiter von „Central Palma", der ersten privat geführten Herberge mit Mehrbettzimmern für Rucksack-Touristen auf der Insel. Die oft modern aufgemachten Low-Budget-Unterkünfte mit Mehrbettzimmern gibt es zwar in europäischen Großstädten schon lange, nicht aber auf der Insel. Fernández, seine Frau María Álvarez und ein befreundetes Paar begeisterte die Idee, diese Marktlücke zu besetzen.

Zusammen mit ihren Kindern brachen sie im Spätherbst zu einer Erkundungstour nach London und Berlin auf. „Wir quartierten uns in den Hostels als normale Gäste ein und schauten uns alles genau an. Die Ausstattung, Dekoration, das Service-Angebot. Dann machten wir unseren eigenen Kostenplan", erzählt Fernández. Schwierig war die Suche nach einem geeigneten Gebäude. „Wir wollten unbedingt ins Zentrum von Palma." Sie landeten schließlich in einem ehemaligen Kloster an der Plaça Quartera im Szene-Viertel Sa Gerreria.

Die Bar im Erdgeschoss ist bereits seit März in Betrieb, das Hostel eröffneten sie mit 25 Betten in Doppel-, Vierer- und Sechser-Zimmern Anfang Juli. „Am 6. Juli kam unser erster Gast an, eine Argentinierin, die uns im Internet gefunden hatte (www.centralpalma.com)", erzählt Fernández. Am nächsten Tag folgten zwei Deutsche, dann Australier, Franzosen, Belgier, Amerikaner, Mexikaner, Holländer. „Wir liegen jetzt bei 80 Prozent Auslastung."

Auf die Gestaltung legten Fernández und seine Mitstreiter besonders viel Wert. Eine Art Corporate Design durchzieht das ganze Haus. An Tischen und Wänden finden sich Bilder mit poppigen Figuren und Objekten, die Stockbetten sind in verschiedenen Farben bezogen. In einem Mehrzweckraum steht sogar ein Klavier für die Gäste bereit. Dort will Fernández demnächst auch „kleine Konzerte" und andere Veranstaltungen wie Filmabende oder Workshops organisieren. „In Palma fehlt es an solchen Angeboten für Besucher."

Derzeit wird außerdem noch an der Einrichtung eines Esszimmers mit Kühlschrank und Mikrowelle für die Gäste, weiteren Zimmern – insgesamt soll das Hostel dann 68 Betten haben – und einem Chill-out-Bereich auf der Dachterrasse gearbeitet. Die Preise liegen für ein Hostel im oberen Bereich. Die Übernachtung mit Frühstück kostet derzeit 27 Euro. Dafür kann man auch in einem Doppelzimmer unterkommen. Doch ein Hostel bedeutet internationaler, moderner Lifestyle und die Gäste erhoffen sich, unkompliziert Kontakte schließen zu können. Künftig will sich „Central Palma" dem spanischen Jugendherbergsverband REAJ anschließen, dann brauchen dort Über-30-Jährige einen Jugendherbergsausweis.

Die Marktlücke der Youth Hostels auf der Insel haben allerdings auch schon andere entdeckt. „Wir verfolgen ein solches Projekt schon seit zwei Jahren, aber uns fehlt ein Geschäftspartner, der bereit ist, Geld zu investieren", sagt Immobilien-Unternehmerin Marisa Alonso. Auch sie besuchte bereits Hostels in anderen Städten, um Ideen zu sammeln, und fertigte einen Businessplan an. Dass nun die Konkurrenz vor ihr gestartet ist, schreckt sie nicht. „Ich glaube, dass der Markt noch mehr hergibt."

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