Wetter-Warnstufen auf Mallorca: Welche gibt es, was bedeuten sie und wann besteht wirklich Gefahr?
Grün, gelb, orange oder rot: Das Wetter auf der Insel kennt vier verschiedene Farben. Ein Überblick über die avisos

Selbst bei Warnstufe Gelb ist ein Strandbesuch noch möglich. Die Wetterlage sollte man aber im Blick behalten. / Simone Werner
Deutsche verbinden mit dem Wetter auf Mallorca meist 30 Grad, Sonnenschein und ein laues Lüftchen. Perfekte Bedingungen für den Sommerurlaub am Strand eben. Bekanntermaßen gibt es auf der Insel aber nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen. Seien es Hitze, hohe Wellen, Sturm oder heftige Regenfälle – das Wetter kann auch extrem, und das immer häufiger. Um die Bevölkerung vor Unwettern zu warnen, gibt der spanische Wetterdienst Aemet Warnstufen aus. Dabei ist es im Alltag sehr nützlich, deren Bedeutung zu kennen.
Das Ampelsystem
Wie andere Länder setzt Aemet auf verschiedene Farben für die Warnstufen. Grün heißt: alles in Ordnung. Wobei es natürlich auch dann regnen oder ein Unwetter die Insel überraschen kann. Gelb ist die erste Warnstufe. „Jeder kann weiter seinem Alltag nachgehen. Es ist aber sinnvoll, die Entwicklung des Wetterberichts im Auge zu behalten“, sagt Miquel Gili, Sprecher von Aemet auf den Balearen. Je nach Art der Warnstufe und der Beschäftigung besteht Gefahr. Zum Beispiel für einen Bergsteiger bei einer Sturmwarnung. „Sei achtsam“, lautet der Rat der Aemet-Website.
„Sei vorbereitet“, ist hingegen das Motto für die zweithöchste Warnstufe Orange. „Starke Personen- und Materialschäden sind möglich, besonders dort, wo man dem Unwetter direkt ausgesetzt ist“, schreibt Aemet.
Die letzte und höchste Warnstufe ist Rot. „Die kommt in der Regel zwei bis drei Mal im Jahr vor“, sagt Gili. Es besteht „außerordentliche“ Gefahr. Im Unwettergebiet sind Katastrophen möglich. Die Bevölkerung soll sich aktiv davor schützen. Von Reisen ist abzusehen. Besser ist es, gar nicht das Haus zu verlassen. Die Warnstufe Violett des deutschen Wetterdienstes gibt es in Spanien nicht.
Wovor wird gewarnt?
Gewitter: Warnstufe Gelb, wenn es zusätzlich stürmt, regnet oder die Hagelkörner mindestens einen Zentimeter Durchmesser haben. Orange bei sintflutartigem Regen, Stürmen ab 90 km/h, und zwei Zentimeter großen Hagelkörnern. Warnstufe Rot nur im absoluten Ausnahmefall.
Hoher Seegang: Gelb bei 50 km/h schnellem Wind oder drei Meter hohen Wellen. Vom 1. Mai bis 30. September reichen 40 km/h und zwei Meter. Orange ab 60 km/h und vier Metern. Rot ab 90 km/h und sieben Metern.
Lawinengefahr: Theoretisch bei einer Gefahr unterhalb von 2.100 Metern, praktisch auf Mallorca irrelevant.
Rissaga: Durch Luftdruck bedingte Schwankungen des Meeresspiegels, die in Spanien nur vor den Balearen auftauchen. Gelb bei Schwankungen zwischen 0,7 und einem Meter, Orange zwischen einem und zwei Metern, Rot ab zwei Metern.
Nebel und Saharastaub: Existiert nur als Warnstufe Gelb. Der Staub wird normalerweise nur ohne Warnung im Wetterbericht erwähnt.
Hitze: Gelb ab 36 Grad, Orange ab 39 Grad, Rot ab 42 Grad
Kälte: Gelb ab minus 1 Grad, Orange ab minus 4 Grad, Rot ab minus 8 Grad
Sturm: Gelb ab 70 km/h, Orange ab 90 km/h, Rot ab 120 km/h
Regen (binnen zwölf Stunden): Gelb ab 60 Litern, Orange ab 100 Litern, Rot ab 180 Litern
Regen (binnen einer Stunde): Gelb ab 20 Litern (15 im Süden), Orange ab 40 Litern (30), Rot ab 90 Litern (60)
Schneefall: Wird auf den Balearen nur unter 600 Meter Höhe gewarnt. Gelb bei zwei Zentimetern, Orange bei fünf Zentimetern, Rot bei 20 Zentimetern.
Wann und wo?
Für den laufenden Tag aktualisiert Aemet die Warnstufen zwischen 7.30 und 9 Uhr. Zwischen 10.30 und 11.30 Uhr folgen die Warnungen für den nächsten und übernächsten Tag. Von 17 bis 19 Uhr wird erneut aktualisiert. Ab 23.50 Uhr ist mit einer Warnstufe für den dritten Tag darauf zu rechnen. Bei den Zeiten handelt es sich um Richtwerte. Aktuelle Informationen werden sofort aktualisiert. Bei extremen Wetterlagen gibt der spanische Wetterdienst neben den Farben gesonderte Wetterwarnungen als Berichte heraus. Dabei handelt es sich meist um Hitzewellen oder Unwetter, die mehrere Tage anhalten.
Für die Warnstufen ist Mallorca in fünf Gebiete unterteilt: Norden, Süden, Westen, Osten, Inselmitte. Nur selten konkretisiert Aemet in der kurzen Beschreibung den Ort.
Die Auswirkungen
Die Warnstufen des Wetterdienstes haben an sich nur informativen Charakter. „Allerdings leiten wir unsere Infos an die Notrufzentrale 112 weiter. Die Behörden geben dann Ratschläge oder Verbote an die Bevölkerung aus“, sagt Gili. In Palma hat die Hitzewarnstufe Gelb für die Kutscher Auswirkungen, die dann aus Tierschutzgründen nicht mehr arbeiten dürfen. „Ab Warnstufe Orange postet 112 meist Richtlinien in den sozialen Netzwerken. Zudem dürfen Schulen dann keine Ausflüge mehr machen.“ Bei Überschwemmungen oder Schneefall werden oft einzelne Straßen gesperrt. Bei Regen, Gewitter, Sturm oder Hitze können Parks und Aktivitäten im Freien verboten werden. Letztere in der Form, dass öffentliche Sportplätze schließen müssen.
Nicht selten kommt es vor, dass trotz der Warnstufe Gelb oder Orange das Inselwetter ruhig oder sonnig bleibt. „Lieber einmal zu oft gewarnt und es ist nichts passiert als andersrum“, sagt der Aemet-Sprecher. Besonders seit der Flutkatastrophe 2018 ist der Wetterdienst extrem vorsichtig geworden. „Daraus oder auch von den Überschwemmungen in Valencia lernen wir“, so Gili. Gefühlt gibt es kaum noch einen Regentag auf Mallorca ohne Warnstufe Gelb. „Der Katastrophenschutz muss sich vorbereiten. Wenn es in der Nacht schütten soll, müssen die am Abend vorher schon entsprechend Leute für den Ernstfall abstellen.“
Zuletzt macht Aemet auch zu schaffen, dass das Wetter von Ort zu Ort sehr unterschiedlich sein kann. „Das ist unsere größte Hürde“, sagt Gili. „Herauszufinden, wo es genau regnet.“ Manchmal prasseln Schauer und Gewitter über dem Meer vor der Küste herab, manchmal erreichen sie die Insel. Vor einem Jahr schüttete es am Flughafen Mallorca heftig, wenige Meter weiter fiel kein Tropfen.
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