Auch Riu-Kette will Hotels auf Mallorca Ende Oktober schließen

Vor allem die Nachfrage des deutschen Quellmarkts ist ausschlaggebend. Prognosen für die Saison 2022 gestalten sich schwierig.

Zahlreiche Riu-Hotels werden Ende Oktober schließen, das Riu Bravo und vier weitere Riu-Unterkünfte an der Playa de Palma bleiben voraussichtlich geöffnet.

Zahlreiche Riu-Hotels werden Ende Oktober schließen, das Riu Bravo und vier weitere Riu-Unterkünfte an der Playa de Palma bleiben voraussichtlich geöffnet. / Nele Bendgens

Anabel Ruiz

Die Tage der Urlaubssaison 2021 auf Mallorca sind gezählt. Wie die Hotelkette Riu jetzt ankündigte, wird der Konzern ab Ende Oktober damit beginnen, seine Unterkünfte zu schließen. Man habe versucht, das Maximum aus der Saison herauszuholen, aber die Buchungsniveau für November sei bisher "sehr niedrig", so Inhaberin Carmen Riu am Freitag (8.10.) bei einem Pressetermin. Falls nicht doch noch vermehrt Last-Minute-Reservierungen eingehen, würden voraussichtlich nur zwei der fünf Riu-Hotels an der Playa de Palma weiter geöffnet bleiben.

Das Hotel Riu Concordia an der Playa de Palma hat als erste Unterkunft auf Mallorca das Zertifikat "vertido mínimo" (übersetzt etwa: minimale Rückstände) erhalten. Die Auszeichnung wurde am Freitag (8.10.) vom mallorquinischen Hoteliersverband FEHM vergeben. Bei umfangreichen Renovierungsmaßnahmen im Hotel Riu Concordia waren mehr als 14.200 Tonnen Bauschutt angefallen, von denen rund die Hälfte wiederverwertet wurde. Die alten Möbel wurden der Sozialstiftung Fundació Deixalles überlassen, gebrauchte, aber noch gut erhaltene Bettwäsche und Handtücher spendete Riu an das Rote Kreuz. "Es ist ein Beispiel dafür, dass auch der Hotelsektor zur Nachhaltigkeit auf der Insel beiträgt und auch anderen Sektoren zugutekommt", so FEHM-Vorsitzende María Frontera.

Mallorcas Hoteliersverband FEHM hatte schon vor einer Woche darauf hingewiesen, dass wohl ein Großteil der Hotels Ende des Monats schließen wird und sich die beabsichtigte Saisonverlängerung in den Herbst und Winter schwierig gestalte. Die bisherige Saison sei wie "Russisches Roulette" verlaufen. Einige Hotels waren gut bis sehr gut ausgelastet, andere hatten mit spontanen Stornierungen zu kämpfen und konnten aufgrund der sehr spät eintreffenden Buchungen schlecht planen.

Für Riu sei der September nicht gut verlaufen, so Carmen Riu. "Wir wissen nicht genau, warum. Zumal es anderen Hoteliers besser ergangen ist." Der Oktober habe dagegen eine überraschend positive Wende genommen. Gerade über die Herbstferien in Deutschland sei die Auslastung gut.

Tatsächlich sei es in diesem Jahr mehr den je der deutsche Quellmarkt, der darüber entscheide, ob es sich für die Hotels auf Mallorca lohnt, auch im Spätherbst und Winter geöffnet zu bleiben. Die Briten - in Vor-Corona-Zeiten zweitstärkster Quellmarkt - seien in diesem Jahr wenig gekommen, trotz gezielter Kampagnen der balearischen Landesregierung, die británicos auch im Winter nach Mallorca zu locken. Auch die Anzahl nationaler Touristen vom Festland sei in diesem Jahr deutlich geringer als noch vor der Pandemie gewesen, so Carmen Riu.

Dabei sei unter den deutschen Urlaubern kein klares Profil auszumachen, so Carmen Riu. "Es kommen alle möglichen Menschen. Sowohl ältere, als auch junge oder Pärchen. Und jetzt kommen die Familien mit Kindern aus Deutschland. Es ist eine sehr angenehme Mischung."

Und im kommenden Jahr? Handfeste Prognosen will weder Carmen Riu noch María Frontera geben. Die Planungssicherheit von einst ist nicht mehr gegeben. "Wenn wir heute noch nicht wissen, wie sich der Oktober entwickelt, dann ist es unmöglich zu sagen, wie die kommende Sommersaison aussehen wird", so Frontera. Denn auch für das kommende Jahr trauten sich viele Reiselustige noch nicht, eine feste Buchung zu tätigen. Ab Februar stehe der Sektor aber wieder in den Startlöchern - so es die Pandemie erlaubt.

Gleichzeitig habe sich aber auch der Verbraucher geändert, so Frontera weiter. Man solle nicht mehr nur über die Anzahl der Urlauber sprechen, um den Erfolg einer Saison zu messen, sondern auch darüber, was sie ausgeben - Stichwort Qualitätstourismus. Das sehen viele in der Politik und der Insel-Bevölkerung ähnlich. /somo