Keine neuen Ferienhäuser auf Mallorca - hat das Auswirkungen auf den Immobilienmarkt?

Viele Immobilienkäufer müssten nun "komplett umdenken", sagt eine Maklerin. Andere sehen das entspannter. Verband der Ferienvermieter spricht von einem "Affront"

Finca mit Pool und Meerblick: So stellt sich der wohlhabende Mitteleuropäer sein Ferienhaus vor (hier bei Santa Margalida).

Finca mit Pool und Meerblick: So stellt sich der wohlhabende Mitteleuropäer sein Ferienhaus vor (hier bei Santa Margalida). / Foto: Porta Mallorquina

Patrick Schirmer Sastre

Patrick Schirmer Sastre

Die von der Balearen-Regierung bekanntgegebene faktische Beschränkung der Zahl der Gästebetten ist ein schwerer Schlag für das Geschäft der Ferienvermietung auf Mallorca. Indirekt könnte sie auch Auswirkungen auf den Immobilienmarkt haben. Der Erwerb einer Immobilie mit der Möglichkeit, sie anschließend in die Ferienvermietung zu geben, war bislang ein gerade auch unter Ausländern weit verbreitetes Investitionsmodell.

Damit ist ab jetzt Schluss - zumindest für all diejenigen, die noch keine Ferienvermietungslizenz beantragt haben. "Wer den Plan hatte, eine Zweitresidenz zu erwerben und diese zumindest teilweise zu vermarkten, muss jetzt komplett umdenken", sagt Natalia Bueno vom Verband der einheimischen Immobilienmakler auf den Balearen.

Hans Lenz vom Verband der ausländischen Immobilienmakler ABINI sieht die Lage entspannter: "Der Immobilienmarkt wird nur marginal durch Investitionen zur Ferienvermietung bewegt. Daher erwarten wir keine Veränderungen."

Wie aus dem am Freitag präsentierten Tourismusgesetz hervorgeht, werden ab sofort für die kommenden vier Jahre keine neuen Lizenzen für Gästebetten in Hotels und in der Ferienvermietung vergeben. Eine Ausnahme wird bei den Lizenzen gemacht, die vor Inkrafttreten des neuen Gesetzes am Freitag (11.2.), bereits beantragt worden waren.

Bis Freitag noch zu vergeben waren auf den Balearen 18.718 Lizenzen, davon 8.486 allein auf Mallorca. Auf dem Markt der Ferienvermietung waren es 3.646 Gästebetten, die noch frei waren. Insgesamt waren auf Mallorca und den Nachbarinseln im Tourismusgesetz 2017 rund 623.000 Gästebetten genehmigt, 435.000 davon auf Mallorca. Schon damals wurde das Ziel formuliert, diese Zahl langfristig zu reduzieren.

Ferienvermieter: Affront gegen einen ganzen Sektor

Der Verband der Ferienvermieter der Insel, Habtur, sprach in einer Pressemitteilung von "einem Affront und einer Respektlosigkeit" gegenüber den Ferienvermietern. Schon bei der letzten Änderung des Tourismusgesetzes im Jahr 2017 seien rund 90.000 Gästebetten geschaffen worden, die nicht übertragbar sind und somit ohnehin über kurz oder lang verschwänden." Und jetzt gehen die Einschränkungen noch weiter", so Habtur.

Der Verband warf der Regierung zudem vor, intern angekündigt zu haben, dass es keine wesentlichen Änderungen für die Ferienvermietung geben würde. Es sei nicht akzeptabel, dass nun aus dem Nichts per Dekret das Gegenteil beschlossen werde. Die Balearen-Regierung hatte in den vergangenen Wochen das neue Tourismusgesetz ansatzweise bereits vorgestellt, von der Einfrierung des Gästebetten-Kontingentes aber war nie die Rede.

"Gute Nachricht" für Einheimische

"Für die Einheimischen ist das eine gute Nachricht", sagt Natalia Bueno vom Verband der Immobilienmakler auf den Balearen gegenüber der MZ. "Denn dadurch könnten wieder mehr Immobilien auf dem langfristigen Mietmarkt auftauchen, die sonst eher für die touristische Vermietung genutzt worden wären." Natalia Bueno rechnet damit, dass die neue Regel zu einem Rückgang der Nachfrage durch ausländische Interessenten führen wird.