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Direktflüge zwischen Palma de Mallorca und New York: Aufbruch in eine neue Ära des Tourismus auf der Insel

Der erste Nonstop-Flug zwischen New York und Palma erreicht die Insel am Freitag (3.6.). Die Nachfrage ist groß – vor allen Dingen unter den reiselustigen Mallorquinern selbst

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Erster Non-Stop-Flug aus New York in Palma de Mallorca gelandet Manu Mielniezuk

Auf diesen Tag haben viele auf Mallorca lange gewartet: Am Freitag (3.6.) schwebt der erste Direktflug aus den USA auf dem Flughafen von Son Sant Joan ein. Die neue Verbindung New York– Palma der US-Fluggesellschaft United Airlines feiert Premiere. Direkt nach der Landung gibt es einen offiziellen Empfang auf dem Parkplatz der Boeing 767-300. Die Passagiere bekommen beim Aussteigen Geschenke überreicht, abends steht ein Cocktail mit Vertretern der Tourismusbranche auf Mallorca und dem Vizepräsidenten von United an, der ebenfalls an Bord sein wird.

Bereits seit Jahren arbeiteten die Verantwortlichen für Tourismus auf den Inseln an der Direktverbindung zwischen Son Sant Joan und den USA. Die Corona-Pandemie machte die Bemühungen zwischenzeitlich zunichte. Umso überraschender die Ankündigung von United im vergangenen Oktober, dass die Verbindung im Juni nun tatsächlich zustande kommt. Dreimal die Woche geht es in acht Stunden und fünf Minuten zwischen dem New Yorker Flughafen Newark und Palma hin und her – immer mit der Boeing 767-300 mit einer Maximalkapazität von 214 Passagieren. Die Flüge in den USA starten dienstags, donnerstags und sonntags. Von Mallorca zurück geht es mittwochs, freitags und montags. Und das noch bis zum 23. September.

So wünscht man sich die Urlauber

Warum sollten US-Amerikaner acht Stunden Flugzeit auf sich nehmen, um sich eine Insel im Mittelmeer anzuschauen? Beim Inselrat glaubt man aufgrund der Gespräche mit auf die Insel eingeladenen Journalisten und Reisebüro-Mitarbeitern die Antwort zu kennen: „Die US-Amerikaner interessieren sich auf Mallorca vor allem für die historischen Gebäude, die Kultur, die Gastronomie und die Schönheiten der Landschaft. Sie buchen gerne Ausflüge und Aktivitäten, wie etwa Wassersport“, sagt Lucía Escribano, die Generaldirektorin für Tourismus im Inselrat. „Sie sind weniger auf der Suche nach dem klassischen Strandurlaub.“ Theoretisch also die perfekten Urlauber für die so sehr herbeigesehnte Belebung der Nebensaison – wenn es denn in der Nebensaison Verbindungen gäbe.

Und: Weil Amerikaner nun mal andere Entfernungen gewöhnt sind als Europäer und im Speziellen Mallorquiner, darf man davon ausgehen, dass viele der Urlauber, die in Palma landen, nicht nur auf der Insel bleiben werden, sondern einen Abstecher nach Ibiza oder Menorca, aufs spanische Festland oder in die europäischen Metropolen wie etwa London oder Berlin machen werden. Das sagt Cristine Crespo, die Sprecherin der Marriott-Hotels auf Mallorca, der MZ. Hinzu kommen Reisende, die den Hafen von Palma als Ausgangspunkt für eine Mittelmeer-Kreuzfahrt nutzen. Die US-Reederei Royal Caribbean hat während des Zeitraums der Direktverbindung in den Sommermonaten eigene Pauschalangebote aufgelegt.

Laut Lucía Escribano ist das Profil der US-Amerikaner, die sich für einen Urlaub auf Mallorca interessieren, recht klar einzugrenzen. Es handele sich dabei vor allem um Menschen aus der oberen Mittelschicht und der Oberschicht, die Premium- oder gleich Luxus-Aufenthalte buchen. Vor allem sind es Senioren, Paare und Familien. Ein kleinerer Teil entfällt auf die Kreuzfahrer. Die Reisenden interessierten sich vor allem für fertige Pauschalangebote mit hochwertigen Hotels, wie etwa den Zafiro-Häusern in Palmanova und Alcúdia, dem neuen HM Blanc in Palma, dem Iberostar Club Cala Barca, aber auch exklusiven ländlichen agroturismos. Ein Großteil der Urlauberinnen und Urlauber planten einen Aufenthalt von rund einer Woche.

Mallorca schmackhaft machen

Damit die US-Amerikaner den Weg nach Mallorca finden, hatten sich der Inselrat sowie die spanische Tourismus-Agentur Turespaña mächtig ins Zeug gelegt. Der Inselrat ließ im Frühjahr zwei Gruppen von Journalisten und eine Gruppe von Reisebüro-Mitarbeitern aus New York, Boston, Denver und Chicago nach Palma einfliegen. Auf dem Programm standen Stadtführungen durch Palma, Ausflüge in die Serra de Tramuntana und Besuche etwa in Ölmühlen und Weingütern.

Zusätzlich organisierte der Inselrat mehrere Webinars mit weiteren rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Reisebüros, verteilt über die gesamte USA. „Wir mussten Mallorca von null an erklären. Niemand kannte die Insel. Wir mussten klarmachen, dass man hier durchaus gefahrlos mit dem Auto fahren kann oder dass es Menschen gibt, die Englisch sprechen“, berichtet Escribano. Es sei eher eine pädagogische Arbeit gewesen, auch im Fall der Journalisten.

Mühen, die sich offenbar gelohnt haben: In großen US-amerikanischen Medien seien in den vergangenen Wochen Reportagen über Mallorca erschienen. Darüber hinaus startete der Inselrat auch Werbekampagnen im Großraum New York in Zeitungen und an öffentlichen Orten. „Wobei es nicht so einfach ist, die Aufmerksamkeit der Leute in New York zu bekommen. Die Menschen dort haben die Möglichkeit, an nahezu jeden Ort der Welt zu fliegen“, räumt Tourismus-Dezernent Andreu Serra ein. Auch die Stadt Palma wird eine vierwöchige Kampagne in New York starten, wie eine Sprecherin der Fundación Palma 365 der MZ bestätigt. Darin wolle man sich auf das Hotelangebot der Stadt konzentrieren, vor allem die Boutique-Hotels kämen in den Staaten gut an.

Von New York nach Palma - Illustration für den ersten Non-Stop-Flug von United Airlines. TONO-BALAGUER-INGIMAGES

Das kosten die Flüge

Die Nachfrage nach den Direktflügen übertrifft die Erwartungen, auf Mallorca, aber dem Vernehmen nach auch bei United selbst. Speziell die Verbindungen im Juni sind bis auf Restplätze bereits ausgebucht, aber auch im Juli seien an einigen Tagen bereits rund 90 Prozent der Sitzplätze verkauft, sagt Xisco Mulet, der Präsident des Verbandes der balearischen Reisebüros (AVIBA). Die hohe Nachfrage macht sich auch bei den Preisen bemerkbar. Innerhalb von wenigen Wochen sind die Flüge empfindlich teurer geworden. Waren die Verbindungen im Winter und Frühjahr noch für Preise um rund 500 Euro hin und zurück zu haben, kosten die ersten Flüge im Juni nun bereits zwischen 800 und 1.000 Euro.

Ich war noch niemals in New York

Das liegt wohl nicht zuletzt an der Nachfrage der Mallorquiner selbst: Die Buchungen mit Ausgangspunkt Mallorca übertreffen die mit Startpunkt New York. „Diejenigen, die von Mallorca aus den Weg in die USA antreten, sind zum überwiegenden Teil Paare, viele davon in ihren Flitterwochen, und Familien sowie Gruppen von Freunden“, sagt der Verbandschef der Reisebüros Xisco Mulet.

Speziell New York zog auch in der Vergangenheit bereits die Mallorquiner an: Viele vor allem jüngere Paare nutzten Ferien für einen Abstecher in die Metropole. „New York ist seit jeher mit Abstand das beliebteste außereuropäische Ziel der Mallorquiner“, sagt Mulet. Ein Teil der Insulaner buche dabei fertige Pakete mit Flug, Hotel und Ausflügen, etwa nach Boston, Philadelphia und Washington D.C. Beliebt sei auch eine Kombination aus fünf bis sechs Tagen New York und weiteren fünf Tagen Orlando. Viele blieben aber auch rund eine Woche in New York selbst.

So freuen sich die US-Residenten

Doris Molina ist Englischlehrerin und lebt seit 2014 auf Mallorca. Sie stammt aus New York und findet den neuen Direktflug „fantastisch“. Ganz unmittelbar freut sich die US-Amerikanerin, dass ihre Tochter, die in der Nähe von Baltimore lebt, sie in diesem Sommer unkomplizierter besuchen kann. Ihre Tochter hatte ihr bereits berichtet, dass sie in den vergangenen Monaten mehrfach an prominenter Stelle Werbung für Mallorca und Reisereportagen von der Insel in den Medien gesehen hat. Molina geht davon aus, dass Mallorca-Urlaub ein Erfolg in den USA wird. „Zum einen müssen die US-Amerikaner immer mindestens acht oder neun Stunden fliegen, wenn sie nach Europa wollen. Und viele sind verrückt danach, in die hiesige Kultur einzutauchen. Zum anderen tragen auch Fernseh- und Streamingserien, wie etwa ‚White Lines‘ oder ‚Night Manager‘ zur Beliebtheit von Mallorca und der Balearen bei.“

Ganz ähnlich die Erfahrung von Adam Perkal, einem Weinimporteur, der seit 27 Jahren auf Mallorca lebt und aus Los Angeles stammt. „Wir hatten erst vor vier Wochen Besucher aus Kalifornien daheim. Sie haben gesagt, wenn es den Direktflug gibt, kommen sie sicher wieder.“ Hollywood-Produktionen und die Tatsache, dass bekannte US-amerikanische Schauspieler und Musiker auf der Insel leben, haben Mallorca in den Fokus vieler Menschen in den Staaten gerückt, sagt er. Perkal selbst freue sich zwar auch über die Verbindung, werde sie aber derzeit zumindest nicht nutzen können, da er in den Sommermonaten keinen Urlaub habe. „Wir fliegen im Dezember nach Connecticut, da wäre die Direktverbindung nach New York Gold wert.“ Perkal hofft nun darauf, dass United Airlines die Flugpläne nach und nach auf die Nebensaison ausweitet.

Ist das erst der Anfang?

Angesichts der hohen Nachfrage zeichnet sich schon jetzt ab, dass im kommenden Jahr der Zeitraum der Direktflüge von Mai bis Oktober ausgeweitet werden könnte. Allein: Bestätigen will das bei United noch niemand. Auch Lucía Escribano kann bisher nur darauf verweisen, dass der Inselrat darauf hinarbeite. Ebenso wenig will sie Berichte bestätigen, nach denen andere US-amerikanische Fluglinien bereits weitere Verbindungen in andere US-Städte vorbereiten.

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