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Maria Antónia Moll Vorsitzende der Hoteliersvereinigung Capdepera

Hotels auf Mallorca: Was Cala Ratjada bietet und was es sich wünscht

Maria Antònia Moll ist die neue Vorsitzende der örtlichen Hoteliersvereinigung. Ein Gespräch über die Zukunft des Urlaubs im Nordosten der Insel

Maria Antònia Moll an der Promenade in Cala Ratjada Sophie Mono

Maria Antònia Moll (44) ist seit Kurzem die neue Vorsitzende der Hoteliersvereinigung Capdepera. Ihr gehören rund 80 Hotels und Unterkünfte in den Ortsteilen Canyamel, Cala Ratjada, Capdepera, Cala Mesquida und Font de Sa Cala an, viele davon sind Familienbetriebe, die bereits seit Jahrzehnten bestehen. Molls Familie selbst betreibt einen kleinen Apartmentblock an der Cala Agulla. Im Interview gibt sie sich aufgeschlossen und engagiert.

Vor zwei Jahren haben wir mit Ihrem Vorgänger Joan Ferrer geredet, mitten in der Pandemie. Er war sehr besorgt um die Zukunft der Familienbetriebe.

Dieses Amt mitten in der Pandemie innezuhaben, war sicherlich sehr hart, ich will es mir gar nicht vorstellen. Jeden Tag gab es neue Bestimmungen, Auflagen. Die Pandemie hat von uns Hoteliers riesige Anstrengungen gefordert, um überleben zu können, gerade für die kleineren Unternehmen, die nicht großen Ketten angehören. Letztlich haben alle überlebt. Aber man hat die Auswirkungen sogar diesen Sommer noch gespürt. Wir konnten zwar theoretisch normal arbeiten, aber die Krise hat einen sehr großen Personalmangel ausgelöst. Das war der hoffentlich letzte Rest der Pandemie. Es war die erste richtige Saison nach rund zwei Jahren und am Anfang hatten wir eine sehr geringe Bettenbelegung. Das war sehr besorgniserregend, zumal wir ja gar nicht wussten, ob wir überhaupt ganz normal arbeiten können. Auch die Gäste waren da noch etwas unsicher. Ab Juni war die Belegung dann sehr gut. Das hielt bis Mitte Oktober an. Aber der Personalmangel war zu spüren. Viele Angestellte sind in andere Sektoren abgewandert. Das muss sich jetzt noch einpendeln, bis heute haben wir das Problem nicht vollständig gelöst.

Ist die Gemeinde also wegen ihrer Familienbetriebe verletzlicher als andere Urlaubsziele auf Mallorca?

Ja, das hat die Pandemie gezeigt. Aber auch andere Aspekte machen uns verletzbar. Zum Beispiel die Entfernung zum Flughafen. Wir leben in einer tollen Umgebung, spektakulär geradezu, nahe einem Naturschutzgebiet, einem Meeresschutzgebiet, mit Naturstränden und tollem Flair. Aber gleichzeitig sind wir diejenigen, die am weitesten vom Flughafen weg sind. Und es gibt keine gute Anbindung. Auch das macht uns verletzlich.

Was würden Sie sich diesbezüglich von der Politik wünschen?

Fantastisch wäre es, wenn der Überlandbus, der aktuell vom Flughafen nach Cala Millor fährt, weiter bis Cala Ratjada fahren würde. Dann müssten unsere Kunden nicht mit den privaten Shuttlebussen fahren, die überall halten und teilweise drei Stunden brauchen. Und es wäre natürlich nicht nur für die Urlauber von Vorteil, sondern auch für uns alle, die hier leben. Eine der großen Ungerechtigkeiten, die wir anprangern, ist, dass wir mit den Jahren mehr als neun Millionen Euro an Touristensteuer eingenommen haben, aber nie eine Investition davon zurückbekommen haben. Dieses Jahr wurde angekündigt, dass ein Teil der Touristensteuer den Zug bis Artà finanzieren soll. Das finden wir natürlich gut, wir freuen uns sehr für die Orte, die von dem Zug profitieren werden. Aber es ist keine direkte Bereicherung für Cala Ratjada, und auch nicht für Capdepera. Er geht bis Artà, fertig.

Die Idee ist ja, ihn mittelfristig bis Cala Ratjada auszubauen.

Das ist aber nur eine Idee, und noch lange nicht die Realität. Erstmal soll er ab dem Jahr 2028 bis Artà führen, mit Glück. Für die Urlauber ist das toll. Aber wie sollen sie dann von Artà weiter bis zu uns kommen? Die Taxis und die Busse, die bisher zwischen Artà und Capdepera verkehren, reichen nicht aus.

Wofür sollte die Touristensteuer Ihrer Meinung nach denn in der Gegend investiert werden?

Es wäre beispielsweise toll, in Wasserprojekte zu investieren. Die Politik verlangt jetzt von uns Hoteliers Kreislaufwirtschaft, und dass die Hotelbranche vorangeht bei der Energiewende. Alle Pläne dahingehend müssen im Mai vorgelegt werden, und wir arbeiten auf Hochtouren daran, weil wir auch dahinter stehen. Aber es wäre gut, wenn auch die öffentlichen Institutionen in der Hinsicht investieren. Wasseraufbereitungsanlagen für die Hotels wären zukunftsträchtig. Vielleicht sollte in die Richtung nachgedacht werden. Die Gesetze zwingen uns ja auch, langfristig zu denken.

Zwei große Bauprojekte sind in Cala Ratjada aktuell - wenn auch nicht von der Touristensteuer finanziert. Der Umbau des Hafens und der Meerespromenade. War das notwendig?

Absolut. Wenn auch die Arbeiten am Paseo Marítimo viel zu lange gedauert haben, das hat viele negativ beeinflusst. Bei Son Moll haben wir den ganzen Sommer über Bauzäune gehabt. Und es fehlen immer noch Kleinigkeiten. Die sollen jetzt fertiggestellt werden, der Bürgermeister sagte uns, dass es noch im November wieder losgehen soll. Grünzonen, Beleuchtung, das steht noch aus. Und das ist auch notwendig. Es kann ja nicht sein, dass nur die Hoteliers in Modernisierung investieren, da müssen öffentliche Hand und Privatwirtschaft Hand in Hand gehen. Aber das funktioniert hier eigentlich ganz gut.

Eine Idee der Gemeindeverwaltung ist es, die Touristensteuer zu verwenden, um einen Fahrradweg zu errichten, der alle Ortskerne der Gemeinde miteinander verbindet. Allerdings spricht der Bürgermeister schon seit Jahren davon, bisher ohne konkrete Erfolge.

Das Projekt ist aber noch auf dem Tisch und wir würden uns sehr darüber freuen. Ich weiß, dass sie weiter daran arbeiten.

Immer wieder wird von der Notwendigkeit geredet, mehr Qualitätstourismus anzulocken. Cala Ratjada ist aber charakteristisch dafür, auch Zielgruppen anzulocken, die weniger finanzielle Möglichkeiten haben, wie junge Leute oder Familien mit Kindern. Soll das so bleiben?

Wir glauben, dass Qualität im Personal wichtig ist, auch, um potenzielle Mitarbeiter wieder davon überzeugen zu können, in der Hotelerie zu arbeiten. Das versuchen wir durch Weiterbildungen und bekommen da auch Unterstützung von den Institutionen und den Gewerkschaften. Was den Tourismus angeht, hat unsere Gemeinde immer seine verschiedenen Phasen im Jahr, und die verschiedenen Anbieter in der Branche haben alle ihre Hochphasen. Am Anfang der Saison kommen viele junge Touristen. Im Hochsommer dann Familien, auch die haben hier ihren Platz. Und gegen Ende der Saison kommen dann eher Leute mittleren Alters, Gruppen, die vielleicht etwas mehr finanzielle Mittel zur Verfügung haben. Das ist der Kreislauf, den wir hier in Capdepera erleben. Und das soll auch so bleiben. Alle sind herzlich willkommen.

Hier funktioniert also, was an der Playa de Palma oder in Magaluf nicht funktioniert?

Wir haben mit diesen Gegenden nichts zu tun. Vielleicht schützt uns die Entfernung zum Flughafen da ein bisschen (lacht). Wir bieten ein Produkt an, das andere Gegenden auf Mallorca nicht haben. Diese Vielfalt, die Umgebung, das Gesamtpaket. Das ist alles nichts für ein Publikum, wie man es in Arenal oder Magaluf antrifft. So etwas sucht das Publikum dort auch gar nicht. Gleichzeitig glaube ich aber nicht, dass Cala Ratjada ein teures oder exklusives Urlaubsziel ist. Jede Art von Tourismus ist herzlich willkommen. Aber qualitativ ist es dennoch.

Dafür funktioniert der Wintertourismus nur schleppend. Was soll getan werden, um die Saison zu verlängern?

Bis Anfang Dezember werden etwa 15 Hotels offen bleiben, dann noch etwas weniger. Im Februar kommen dann wieder ein paar wenige dazu. Wir setzen auf den Aktivtourismus. Wir haben 20 Routen, die vor 5, 6 Jahren etabliert wurden. Manche für Wanderer, manche für Mountainbiker. Einige Leute kommen vor Saisonbeginn, um diese Routen auszuprobieren. Sie sind gut ausgeschildert, müssen aber instand gehalten werden. Dazu sind wir jetzt mit dem Rathaus im Gespräch. Überhaupt setzen wir außerhalb der Saison auf einige Sportevents und Wanderurlauber. Aber klar, es ist kompliziert. Da ist wieder die Flughafenproblematik: Wenn Palma ankündigt, im Februar bereits wieder viele Hotels zu öffnen, dann können wir da nicht mithalten. Wir ziehen keinen Tourismus an, der nur für ein Wochenende kommt. Die Leute kommen, um hier ihren richtigen Urlaub zu verbringen, sonst ist es ihnen zu aufwendig. Das ist nicht so einfach. Jetzt versuchen wir auch auf verschiedenen Reisemessen die Routen mehr anzupreisen. In München, Stuttgart, Berlin zum Beispiel.

Der deutsche Markt ist immer noch der Bedeutendste?

Ja, für uns auf jeden Fall. Jedes Jahr kommen zwar mehr Leute von anderswo, aber hauptsächlich sind es weiterhin die Deutschen. Und wir hoffen, dass das so bleibt, wir sind sehr zufrieden damit.

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